Das Spiel zum Wochenende: Ryan North's To Be or Not to Be

Das Spiel zum Wochenende: Ryan North's To Be or Not to Be

Etwas ist faul im Staate Dänemark

26.09.2015
Die Stücke von Shakespeare sind langweilig und schwülstig? Nicht, nachdem sie Ryan North durch die Mangel gedreht hat. Dann mutieren sie zu einer witzigen, kurzweiligen Geschichte, bei der man sogar selbst bestimmten darf, was als Nächstes passiert. Vorausgesetzt man spricht Englisch.

Da wollte der König von Dänemark nur ein kleines Nickerchen im Garten machen und schon träufelt ihm sein fieser Bruder Claudius etwas Gift ins Ohr. Diese Tötungsmethode funktionierte offenbar im Mittelalter noch. In der Folge spukt der König jetzt in seinem Schloss herum. Als wäre das noch nicht genug, heiratet Claudius kurz nach der Beerdigung kurzerhand die Königin. Was wiederum ihr Sohn Hamlet als pietätlos empfindet. Außerdem hat das etwas von Inzucht, wenn der Onkel die eigene Mutter heiratet. Als schließlich Hamlet noch erfährt, dass Claudius seinen Vater umgebracht hat, sinnt er auf Rache und möchte fortan seinen Onkel umbringen. Oder sollte er ihn doch besser vor ein Gericht stellen? Man könnte ihn aber auch in eine Kanone stopfen und gegen eine Wand feuern ...

Das Spiel stellt den Spieler immer wieder vor Situationen, in denen er dann …

Entscheidungsgewalt

In To Be or Not to Be darf der Spieler entscheiden, was in Shakespeares Theaterstück „Hamlet“ als Nächstes passiert. Das Spiel präsentiert ihm dabei immer mehrere Entscheidungsmöglichkeiten. Abhängig von seiner Wahl verändert sich dann der Verlauf der Geschichte. Auf Wunsch folgt das Spiel aber auch der originalen Vorlage. Zu Beginn kann der Spieler in die Rolle des jungen Hamlet, seiner Angebeteten Ophelia oder des toten Königs schlüpfen. Wer sich für letzteren entscheidet, muss als Geist seinen eigenen Mord aufklären.

Das Spiel stellt den Spieler immer wieder vor Situationen, in denen er dann …

Die komplette Geschichte erzählt To Be or Not to Be fast ausschließlich über angezeigte Texte. Die stammen allerdings nicht direkt aus der Vorlage von Shakespeare, sondern wurden von Ryan North bearbeitet und, sagen wir mal, etwas modernisiert. Sämtliche Texte liest zudem ein Sprecher vor, der hin und wieder einen sarkastischen Kommentar abgibt – etwa, wenn sich der Spieler für eine komplett durchgeknallte Auswahlmöglichkeit entscheidet. Mitunter manipuliert der Sprecher sogar rückwirkend die Geschichte. To Be or Not to Be spielt sich somit wie eine elektronische Fassung der klassischen Spielbücher [4].

… eine von mehreren Entscheidungen treffen muss. Diese wirken sich dann auf das weitere Geschehen aus.

Entwickler Tin Man Games verkauft sein „Gamebook Adventure“ für 12 Euro auf Steam [1] und 11 Euro im Humble Store [2]. In Letztgenanntem spart man nicht nur einen Euro, man erhält auch eine kopierschutzfreie Version und darf zusätzlich das Spiel auf Steam freischalten. Obendrein fließt noch ein Teil der Einnahmen an eine gemeinnützige Organisation. In jedem Fall erhält man sowohl eine 32-Bit- als auch eine 64-Bit-Fassung.

Ab und an greift der Erzähler ein.

Fazit

To Be or Not to Be erzählt die Geschichte Hamlets mit einem derart trockenen und sarkastischen Humor, dass selbst vom Original gebeutelte Schüler endlich Gefallen an dem alten Stoff finden. Der exzellente Sprecher sorgt mit seinen Kommentaren und seiner Betonung für zusätzliche Lacher.

Immer wieder gibt es Anspielungen auf klassische Rollenspiele mit ihrem Punktesystem.

To Be or Not to Be bombardiert den Spieler allerdings auch unaufhaltsam mit englischen Texten. Das Lesen am Bildschirm ermüdet zudem nach einer Weile. Grafiken und Bilder gibt es kaum, die Musik im Hintergrund besteht aus einigen einfachen, klassischen Stücken. Unter dem Strich erhalten Käufer ein witziges E-Book, in dem Sie ein paar Entscheidungen selbst fällen dürfen. Die verlangten 11 Euro erscheinen dafür jedoch etwas überhöht.

Ryan North's To Be or Not to Be

Bezugsquelle:  http://gamebookadventures.com/gamebooks/to-be-or-not-to-be/
Entwickler: Tin Man Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 12 Euro Steam / 11 Euro Humble Store
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik und mindestens einer Auflösung von 1027 x 768 Pixel, Prozessor mit 2 GHz, mindestens 2 GByte Hauptspeicher

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