Springender Gewichtheber

Rochard

Das Spiel zum Wochenende: Rochard

22.09.2012
John Rochard hat eindeutig einen schlechten Tag erwischt. Der leicht übergewichtige Herr muss durch ein Bergwerk rennen, mit Kisten um sich schmeißen und mit einer Anti-Schwerkraft-Kanone für gezielte Unordnung sorgen. Klingt ganz nach einem spaßigen Jump-and-Run-Spiel.

John Rochard und seine Mannschaft sind die mit Abstand schlechtesten Bergarbeiter des Universums. Im Auftrag der Skyrig Corporation bohren sie sich seit vier Jahren erfolglos durch Asteroiden. Als ihre Entlassung kurz bevorsteht, entdeckt das Team die Reste einer alten Alien-Kultur. Kurz darauf verschwindet plötzlich Rochards Team, während gleichzeitig Weltraumbanditen angreifen. Da Rochard kaum etwas anderes übrig bleibt, kämpft er sich durch ein langsam einfallendes Stollensystem, in dem defekte Bergbaumaschinen und durchgeknallte Roboter die Flucht erschweren.

Kisten kann man zunächst als Schilde benutzen und mit ihnen dann den Gegener ausknocken.

Abgehoben

Als einzige Waffe besitzt Rochard einen sogenannten G-Lifter. Diese Anti-Schwerkraft-Kanone funktioniert ähnlich wie der Protonenstrahler aus dem Film Ghostbusters: Rochard kann mit ihr mittelschwere Objekte zu sich heranziehen, aufheben und werfen. So lässt sich eine aufgenommene Kiste zunächst als Schild gegen die Salven eines Weltraumbanditen nutzen und sie dann im passenden Moment gegen den Schützen schleudern. Darüber hinaus kann Rochard die Schwerkraft leicht verringern. Das erlaubt einerseits höhere Sprünge, andererseits kann der G-Lifter dadurch auch schwerere Objekte heben. Im späteren Spielverlauf darf Rochard seinen G-Lifter noch mit einem Laser und einem Granatwerfer zu einer richtigen Waffe aufrüsten.

Den rettenden Vorsprung rechts oben erreicht Rochard nur, wenn er die Schwerkarft verringert und dann hochspringt.

Rochard muss nicht nur Gegenstände manipulieren und Gegner abwehren, sondern sich auch über zahlreiche, mitunter freischwingende und fragile Plattformen einen Weg zum Ausgang bahnen. Der Spieler sieht dabei das Geschehen wie in klassischen Jump-and-Run-Spielen ausschließlich von der Seite, die Steuerung erfolgt etwas untypisch gleichzeitig mit Tastatur und Maus.

Denk mal

Während der Flucht durch den Stollen gilt es immer wieder kleinere Puzzle zu lösen, meist durch die geschickte Manipulation der Schwerkraft. Sollte Rochard sterben, beginnt das Spiel automatisch am letzten Speicherpunkt neu. Die befinden sich in der Regel vor einer schwierigen Passage. Bereits gespielte Abschnitte darf man jederzeit noch einmal in Angriff nehmen, beispielsweise um die zahlreichen versteckten Bonustaler aufzuspüren.

Um den außer Kontrolle geratenen Roboter zu zerstören, fängt man ihn zunächst in „Ghostbuster“-Manier ein ...

Rochard war ursprünglich für die PlayStation konzipiert. Probleme mit dessen Online-Shop hätten das Spiel allerdings beinahe in der Versenkung verschwinden lassen – zumindest wenn man dem entsprechenden Blog-Eintrag des Entwicklers glauben schenkt [1]. Mittlerweile vertreiben Recoil Games ihr Spiel selbst über ihre Webseite. Wer ca. 19 Dollar berappt, bekommt dort ein kopierschutzfreies Exemplar für Windows, Mac OS X und natürlich Linux. Noch ungefähr eine Woche ist Rochard zudem Bestandteil des Humble Bundles [2]. Bei dieser Aktion erhält man für einen frei wählbaren Betrag ein dickes Spielepaket.

... und wirft in dann in die Schrottpresse. Die Pfeile zeigen die Bahn an, die das abgeschossene Objekt fliegt.

Fazit

Rochard erinnert recht stark an den Konkurrenten Trine [3]. Auch G-Lifter und Schwerkraftpuzzle kennt man in ähnlicher Form aus anderen Spielen. Recoil Games schafft es dennoch, die geklauten Elemente zu einem spannenden, eigenständigen und äußerst gelungenen Jump-and-Run-Spiel zusammenzusetzen.

Durch blau glühende Energiefelder kann Rochard gehen, aber keine leblosen Objekte mitnehmen. Umgekehrt läuft der Held über rotes Glas, während Kisten hindurch fallen würden. Die Plattform rechts verändert zudem unter Belastung ihre Höhe.

Die Level sind mit einer unglaublichen Liebe zum Detail gestaltet, die abwechslungsreichen Puzzle fordern im genau richtigen Maß die kleinen grauen Zellen. Die Hintergrundgeschichte erzählt das Spiel in wohldosierten Häppchen, was wiederum eine Menge Spannung aufbaut. Wer einmal angefangen hat, hört schon alleine deswegen nicht mehr auf, weil er unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Die gezeichnet wirkende 3D-Grafik ist auf einem hohen Niveau, die schmissige Musik perfekt an die jeweilige Spielsituation angepasst. Es macht einfach Spaß, den etwas rundlichen Rochard durch die Gänge des Asteroiden zu treiben.

Visiert man mit dem G-Lifter ein Objekt an, zeigt das Spiel dessen Gewicht und um was es sich handelt.

Einziger Wermutstropfen ist die ziemlich fummelige Steuerung, die insbesondere Gelegenheitsspieler einige Nerven kosten dürfte. Dennoch lohnt es sich, diese zu bewahren: Für Jump-and-Run-Spieler und Liebhaber von Physikrätseln ist Rochard ein Pflichtkauf – zumal man im Moment für dieses fabelhafte Spiel auch noch bezahlen darf, was man möchte.

Rochard

Bezugsquelle: http://www.rochardthegame.com/de/
Entwickler: Recoil Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: ca. 19 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, mindestens 1 GB Hauptspeicher, Prozessor mit 2,6 GHz

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.rochardthegame.com/de/

[2] Humble Bundle:
http://www.humblebundle.com/

[3] Trine:
http://trine-thegame.com

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Kommentare
Box-Version im Handel
Tim Schürmann, Samstag, 22. September 2012 23:07:16
Ein/Ausklappen

Noch als kleine Ergänzung: Im Einzelhandel gibt es auch Rochard auf DVD. Die enthält nur die Versionen für Windows und Mac OS X. Linux-Nutzer sollten folglich von ihr die Finger lassen. (Zumal Rochard derzeit im Humble Bundle auch noch deutlich günstiger zu haben ist...)


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