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Schusswechsel in roter Finsternis

Das Spiel zum Wochenende: Red Eclipse

18.06.2011 Die Unreal Tournament-Serie und Quake III Arena machten vor 10 Jahren das Genre der Multiplayer-Shooter populär. In die Fußstapfen dieser großen Namen möchte das kostenlose Red Eclipse treten – mit gemischtem Erfolg.

Wie bei den großen Vorbildern ballert man sich in der Ego-Perspektive durch verwinkelte Karten. Genretypisch gilt es so viele Gegner wie möglich über den Haufen zu schießen. Für jeden erfolgreichen Abschuss erhält man einen Punkt (die sogenannten Frags). Wer zum Schluss die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt die Partie.

Wer hat den Ball?

Neben dieser Deathmatch genannten Spielvariante sorgen noch ein paar weitere mehr oder weniger altbekannte Modi für Abwechslung. Im Team Deathmatch treten zwei Teams gegeneinander an, wobei das mit den meisten Abschüssen gewinnt. Mehr Köpfchen und Strategie erfordert Capture the Flag. Hierbei versuchen zwei Teams jeweils in die Basis der gegnerischen Mannschaft einzudringen, eine dort platzierte Fahne zu stehlen und diese in die eigene Basis zu entführen. Bei Defend the Flag gilt es hingegen eine Flagge einzusammeln und möglichst lange zu verteidigen.

Ungewöhnlich ist der Spielmodus Bomber Ball. Ähnlich wie beim Fußball versuchen hier zwei Teams eine Bombe in die Basis der gegnerischen Mannschaft zu befördern – möglichst noch bevor sie explodiert. Den Explosionszeitpunkt kann man herauszögern, indem man das Bömbchen einem Teammitglied zuspielt. Im Time-Trial muss man schließlich eine Karte möglichst schnell durchlaufen.

Wem die Spielmodi zu langweilig erscheinen, kann ein paar zusätzliche Gemeinheiten oder Funktionen einschalten (die sogenannten Mutators). Beispielsweise kann man an alle Mitspieler einen Raketenrucksack (Jetpack) verteilen oder mit dem Medival-Modus die Waffen auf Schwerter begrenzen.

Kartograph

Die Kämpfe finden meist auf Plattformen im Weltall, in alten Industrieanalgen oder auf fremden Planeten statt. Höhere Plattformen erreicht man über spezielle Sprungmanöver oder an strategischen Stellen angebrachte Sprungkissen. Das mitgelieferte Kartenmaterial ist recht üppig, sowie optisch und spielerisch abwechslungsreich. Wem das nicht ausreicht, der bastelt mit dem eingebauten Karteneditor kurzerhand eigene Arenen.

Im Gegensatz zur Konkurrenz kennt Red Eclipse weder Medipacks noch Heiltränke. Stattdessen regeneriert sich die eigene Spielfigur selbstständig – das allerdings nur, solange man nicht unter Beschuss steht. Wer dennoch sein Spielleben aushaucht, startet ohne Waffen wieder umgehend neu (Respawn).

Munitionslager

Auch beim Waffenangebot bietet Red Eclipse Standardkost. Direkt nach dem Start einer Partie besitzt man eine einfache Pistole. Auf der Karte verstreut findet man weitere Wummen unterschiedlicher Durchschlagskraft, darunter etwa ein schnell feuerndes Maschinengewehr, eine Plasma Gun, einen Flammenwerfer und den in diesen Spielen schon fast obligatorischen Raketenwerfer. Anders als bei der Konkurrenz muss man die Waffen explizit über eine Taste aufheben. Die derzeit geladene Munition zeigt Red Eclipse zudem als Striche um das Fadenkreuz an, die Dauer des Nachladens visualisiert dort ein ablaufender, kreisförmiger Balken. Apropos Fadenkreuz: Über kleine Farbkreise zeigt es auch an, in welcher Richtung die nächsten Gegner beziehungsweise Teammitglieder zu erreichen sind.

Red Eclipse ist vollständig auf Mehrspielerpartien ausgelegt. Wer niemanden im realen Leben respektive lokalen Netzwerk findet, kann wahlweise im Internet gegen Gleichgesinnte antreten oder sich im Einzelspielermodus mit computergesteuerten Robotern (Bots) messen. Eine Hintergrundgeschichte sucht man vergebens, wenngleich eine spezielle Kampagne für Einzelspieler in der Entwicklung ist.

Schießstand

Um selbst eine Runde Red Eclipse zu spielen, lädt man sich einfach von der Homepage [1] das fast 450 MB große, für Linux bestimmte .tar.bz2-Archiv herunter. Nach dem Entpacken muss man lediglich das Skript redeclipse.sh starten. Im Spiel besteht die erste Amtshandlung darin, sich einen netten Spielernamen auszusuchen.

Für ein erstes schnelles Spiel wählt man anschließend im Hauptmenü start a game und entscheidet sich dann unter gamemode für einen Spielmodus. Auf der rechten Seite erscheinen jetzt einige Karten zur Auswahl. Hier kreuzt man die gewünschte an und klickt dann auf submit vote. Damit landet man direkt im Spiel, dem man über die rechte Maustaste beitritt. @L:Via [w],[a],[s],[d] läuft man, mit der Maus blickt man sich um, während die linke Maustaste einen Schuss abgibt. Neue Waffen nimmt man per [e] auf, einen normalen Sprung führt die Leertaste aus. Per [Esc] gelangt man jederzeit wieder zurück zum Menü. Die weitere, ziemlich umfangreiche Tastaturbelegung findet man im Red Eclipse Wiki [2].

Fazit

Red Eclipse bietet durch und durch Standardkost. Das fängt bei den Waffen an, von denen noch das Schwert am originellsten ist, geht über die Karten bis zu den Spielmodi. Stets wird man das Gefühl nicht los, alles irgendwo schon einmal gesehen zu haben.

Die Grafik ist recht hübsch, aber durchweg auf dem Stand vor fast 10 Jahren. Da helfen auch nicht die vielen und häufig etwas übertrieben eingesetzten Wasser- und Glanzeffekte, mit denen Pfützen eher wie das Zellophanimmitat der Augsburger Puppenkiste wirken. Im Gegenzug geht das Spiel auch auf einem fünf Jahre alten Rechner noch ab wie ein Zäpfchen, selbst in einer hohen Auflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten. Unter der Haube berechnet die Grafikpracht übrigens eine erweiterte Cube 2-Engine [3].

Die Karten sind teils detailarm, teils liebevoll entworfen. Alle besitzen jedoch einen klugen und fairen Aufbau, echte Gurken befinden sich nicht darunter. Die darin agierenden Bots sind zwar keine Intelligenzbolzen, aber auch nicht dumm wie Dosenbrot. Für ein paar Übungsrunden reichen sie aus.

Unter dem Strich bleibt ein solides und extrem schnelles Actionspiel für Erwachsene ohne echte Highlights.

Red Eclipse

Bezugsquelle: http://www.redeclipse.net
Entwickler: Quinton Reeves, Lee Salzman und andere
Lizenz: zlib-Lizenz
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik
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Kommentare
BloodFrontiers
Kai (unangemeldet), Montag, 20. Juni 2011 12:37:50
Ein/Ausklappen

Danke für den Bericht. Schade finde ich, dass die Entwickler probieren, alles von BloodFrontiers zu ändern. Deswegen ist für mich BloodFrontiers im Moment wieder das bessere Spiel - obwohl es nicht mehr entwickelt wird! Gameplay und Performence einfach besser. Ich hoffe, dass die eingeschlagene Richtung wieder besser wird.


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