Wir sind die Roboter

Nikki and the Robots

Das Spiel zum Wochenende: Nikki and the Robots

10.11.2012
Aus Berlin kommt ein kleines, solides Jump-and-Run-Spiel mit Retro-Grafik und einem äußerst ungewöhnlichen Vertriebsmodell.

Nikki ist von Beruf Geheimagent und steckt folgerichtig in einem selbst genähten Katzenkostüm. Im Auftrag einer geheimen Geheimorganisation infiltriert sie (oder er oder es) die Anlagen des niederträchtigen Dr. Lacroix. Der schweißt gerade eine Armee aus grobschlächtigen Robotern zusammen, mit denen er die Weltherrschaft an sich reißen will.

Im Kern ist Nikki and the Robots ein ganz normales Jump-and-Run-Spiel mit kunffiger Retro-Grafik.

Fernbedienung

Wie in jedem anderen Jump-and-Run-Spiel lässt der Spieler Nikki über Plattformen und durch Gebäude hüpfen. Ziel ist es, alle im Level verteilten überdimensionalen Schalter zu aktivieren. Dabei stolpert Nikki immer wieder über nützliche Holzkisten, mit denen sie (oder er) höher gelegene Plattformen erreicht. Zudem liegen überall noch merkwürdige, grün glühende Batterien herum, die Nikki prophylaktisch für die Geheimorganisation konfisziert. Je mehr davon in Nikkis Taschen wandern desto besser. Dummerweise sind die Batterien manchmal recht gut versteckt.

Mit der [Umschalt]-Taste kann Nikki diese großen Kisten verschieben, um so ...

An ausgewählten Computer-Terminals kann Nikki einen oder mehrere Roboter von Dr. Lacroix übernehmen. Während einige der Blechkisten nur hin- und herschweben und somit als Plattform oder Lift dienen, besitzen andere einen Raketenantrieb, mit dem sie für Nikki in unerreichbare Gebiete vorstoßen. Als kleine Erschwerniszulage unterliegt die gesamte Welt der Schwerkraft. So stürzen schlecht gestapelte Kistenhaufen in sich zusammen, während ein Roboter mit abgeschaltetem Raketenantrieb wieder langsam zur Erde sackt.

... auf höhere Plattformen zu gelangen.

Das Spiel misst die Zeit, die man zur Lösung eines Levels benötigt hat. Bereits gespielte Level darf man jederzeit noch einmal in Angriff nehmen, um so einerseits seine Zeiten zu verbessern und andererseits noch weitere, beim ersten Mal übersehene Batterien aufzuspüren.

Über dieses Terminal kann Nikki den Roboter zur Rechten übernehmen und mit ihm dann auch die Schalter in den unzugänglichen Bereichen des Levels auslösen.

Wahltag

Nikki and the Robots steht unter der LGPL, die Grafiken unter der CC-BY-SA. Jeder darf das Spiel kostenlos herunterladen, durch die mitgelieferten Beispiel-Level springen und mit dem eingebauten Editor sogar eigene Level erschaffen. Das Abenteuer rund um den fiesen Dr. Lacroix muss man allerdings separat nachkaufen. Die entsprechenden Level liefert der Berliner Entwickler in Häppchen, den sogenannten Story Episodes. Für die erste Episode darf man im Moment noch zahlen, was man möchte [2]. Alle zukünftig erscheinenden Episoden erhalten Käufer gratis nachgeliefert.

Während die Level der Episode 1 ehr düster daher kommen, sind die mitgelieferten, kostenlosen Level eher quietschbunt.

Um die ersten Sprünge mit Nikki zu wagen, klickt man auf der Homepage [1] zunächst auf die fette Download-Schaltfläche. Das Spiel steht jetzt am rechten Seitenrand in einer fertigen 32- und einer 64-Bit-Variante zur Wahl. Nachdem man den zur eigenen Distribution passenden Knopf angeklickt hat, entpackt man das erhaltene Archiv auf der Festplatte. Dort muss man nur noch das Skript nikki.sh starten. In den Menüs navigiert man mit den Pfeiltasten, die Eingabe wählt aus. An die kostenlosen Level gelangt man über den Punkt Community Levels. Einsteiger sollten hier den Punkten Standard Levels und 01-Tutorial folgen. Der nun startende Level führt in die Bedienung und das Spielkonzept ein. Nikki und übernommene Roboter steuert man über die Pfeiltasten, ein Sprung löst [Strg] aus, während man über die [Umschalt]-Taste mit Personen spricht respektive ein Computer-Terminal benutzt.

Der Mann mit der Tüte auf dem Kopf gibt Nikki die Aufträge.

Fazit

Nikki kann nur springen, laufen, Gegenstände verschieben und Computer-Terminals benutzen. Durch die verschiedenen Fähigkeiten der Roboter fallen diese Einschränkungen jedoch kaum auf. Die Bedienung geht leicht von der Hand, Nikki springt präzise und die dudelige Automatenmusik macht Laune. Der langsam ansteigende Schwierigkeitsgrad des Story-Modus kommt Gelegenheitsspielern entgegen.

Egal ob mir Nikki oder einem Roboter: Die Schwerkraft gilt immer und lässt hier die Kisten auf die Schalter purzeln.

Nikki and the Robots bietet aber auch keine echten Highlights. Retro-Grafik ist derzeit angesagt und auch die meisten anderen Spielelemente, wie die Schalterrätsel oder das Kistenschieben, kennt man bereits aus Konkurrenztiteln. Darüber hinaus wiederholt sich alles recht schnell: Springen, Roboter steuern und Schalter betätigen vor fast immer gleicher Kulisse – für die zweite Episode wäre etwas mehr Abwechslung wünschenswert.

Diese fliegenden Roboter bringen Nikki über einen Abgrund.

Durch die Roboter agiert man zwangsweise an verschiedenen Stellen im Level gleichzeitig. Da sich diese aus den immer gleichen Kacheln zusammensetzen, benötigt man mitunter einen recht guten Orientierungssinn. Hin und wieder entstehen auch leichte Frustmomente, beispielsweise wenn ein Roboter gerade eine Kiste nicht so verschieben will, wie man selbst.

Unter dem Strich ist Nikki and the Robots ein nettes kleines Jump-and-Run-Spiel, an dem Genre-Liebhaber nicht vorbeikommen – erst recht, da man für den Story-Modus zahlen darf, was man möchte. Aber auch Gelegenheitsspieler sollten unbedingt mal die kostenlose Fassung anspielen.

Nikki and the Robots

Bezugsquelle: http://joyridelabs.de/game/
Entwickler: Joyride Laboratories GbR
Lizenz: LGPL, CC-BY-SA, Kommerziell
Preis: Basisspiel kostenlos, Story-Modus (noch) beliebig
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://joyridelabs.de/game/

[2] Nikki kaufen („pay what you want“):
http://buy.joyridelabs.de/

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 

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