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Bunte Fingerfolter

Das Spiel zum Wochenende: NeonLights

23.04.2011
Unkomplizierte schnelle Actionspiele können die Wartezimmer von Orthopäden füllen. Den Beweis verpackt Niall Moody in eine psychodelische Grafik und unterlegt ihn mit Automatenmusik der 70er Jahre.

In NeonLights steuert der Spieler ein kleines rotes Dreieck über den Bildschirm. Regelmäßig tauchen bunte außerirdische Figuren auf, die bei einer Kollision das sofortige Spielende bedeuten. Um sich zu wehren, feuert das kleine Dreieck unaufhaltsam Plasmabällchen durch die Gegend. Jeder Treffer führt zu einer knallbunten neonfarbenen Explosion, sowie Punkten auf dem eigenen Konto.

Abbildung 1: Mit dem kleinen, endlos ballerndern roten Dreieck muss man die Gegner abschießen.

Tippse

Das stilisierte Raumschiff jagen die Pfeiltasten über den Bildschirm, man benötigt folglich nur eine Hand um auf Punktejagd zu gehen. Diese zunächst simpel klingende Aufgabe erschwert jedoch ein kleiner Haken: Die Tasten nach links und rechts bewegen das Dreieck nicht nur seitwärts, sondern drehen es auch noch automatisch um die eigene Achse.

Abbildung 2: Durch die schnellen Links-/Rechtsbewegungen streuen die Schüsse, so dass man häufig "aus Versehen" einen Gegner eliminiert.

Für Abwechslung sorgen mehrere verschiedene Spielmodi. Bei einem Survival-Spiel gilt es einfach möglichst lange zu überleben und dabei gleichzeitig das eigene Punktekonto in die Höhe zu treiben. In Time Attack: Speed muss man schnell 50 nacheinander auftauchende Zielscheiben überfliegen, bei der Abwandlung Time Attack: Shooting hingegen abschießen. Der Score Attack-Modus verlangt schließlich noch während einer vorgegebene Zeitspanne möglichst viele Punkte zu sammeln.

Abbildung 3: Aufgrund der gewöhnungsbedürftigen Steuerung ist die Zielscheibe hier schwieriger zu treffen, als es zunächst den Anschein hat.

Künstlertreff

Findet man genügend Freunde, darf mit bis zu vier Spielern gleichzeitig ballern, je nach Spielmodus mit- oder gegeneinander. Standardmäßig nutzen dabei alle Spieler eine Tastatur, es dreschen also ungefähr 20 Fingern gleichzeitig auf sie ein. Glücklicherweise lassen sich alternativ auch Gamepads anstöpseln.

Abbildung 4: Wer hat's gesehen: Finden Sie hier das kleine rote Dreieck?

Da die Schüsse des kleinen Dreiecks hübsche Leuchtspuren erzeugen, spendierte der Entwickler noch den speziellen Modus Draw. Wie sein Name andeutet, darf man hier bei Entspannungsmusik hübsche Grafiken zeichnen. Mit den Zifferntasten wählt man eine neue Linienform, die unterste Tastenreihe legt die Farbe fest. Screenshots darf man von den entstehenden Kunstwerken zwar nicht anlegen, dafür aber bis zu vier Spieler gleichzeitig malen.

Abbildung 5: Im Draw-Modus erzeugen unterschiedliche Linienstile und Farben interessante Bilder.

Licht aus, Spot an!

NeonLights gibt es für Linux ausschließlich im Quellcode, man muss es folglich erst selbst in ein Programm übersetzen. Dazu installiert man zunächst über den Paketmanager die Entwicklerpakete zu SDL, SDL_image, SDL_ttf, PortAudio (in der Version 19), vorbisfile und glew. Unter Ubuntu 10.10 wären das die Pakete libsdl1.2-dev, libsdl-image1.2-dev, libsdl-ttf2.0-dev,portaudio19-dev und libglew1.5-dev.

Anschließend lädt man sich von der NeonLights-Homepage [1] hinter Download for Linux/source code das Quellcode-Archiv herunter und entpackt es auf der Festplatte. In einem Terminal übersetzt und installiert es dann der bekannte Dreizeiler:

./configure
make
sudo make install

Das fertige Spiel startet der Befehl NeonLights. Um mit der Steuerung warm zu werden, sollte man zunächst im Hauptmenü unter Game Mode das Tutorial einstellen und dann nach einem Druck auf die Eingabetaste seine Flugkünste prüfen. Im Spiel kommt man immer wieder per [Esc] in ein Menü zurück.

Abbildung 6: Für jeden Außerirdischen gibt es unterschiedlich viele Punkte, worauf hier das Tutorial hinweist.

Fazit

NeonLights wäre eigentlich ein kurzweiliges Spielchen für zwischendurch, würde es sich nicht mit der Steuerung selbst ein Bein stellen. Um das kleine rote Plektron zumindest einigermaßen kontrolliert über den Bildschirm zu lotsen, bleibt dem Spieler nichts weiter übrig, als wild auf die linke und rechte Pfeiltaste einzuhämmern. Schon nach kurzer Zeit beginnen dabei die Fingergelenke um Hilfe zu schreien. Das weckt schmerzhafte Erinnerungen an das gute alte Decathlon [2].

Abbildung 7: Massenexplosionen führen meist zum Spielende.

Die restliche Spielbarkeit schlucken die effektvollen Explosionen, unter denen man die Position des eigenen Dreiecks nur noch vage erraten kann. Ein kontrolliertes Abschießen der extrem zahlreich heranströmenden Gegner ist damit so gut wie unmöglich, die Punktejagd wird zur reinen Glückssache. Hinzu gesellt sich die nervende Piepsmusik, die an frühe Automatenspiele erinnern soll. Eingefleischte Fans von schnellen Arcadespielen mit gut trainierten Fingern können dennoch einen Blick riskieren, denn technisch ist NeonLights solide und obendrein hübsch anzusehen.

NeonLights

Bezugsquelle: http://www.niallmoody.com/neonlights.htm
Entwickler: Niall Moody
Lizenz: GPL v3
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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