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Gib mir die Kugel

Das Spiel zum Wochenende: ManiacMarble 3D und Marball Odyssey

10.09.2011
1984 musste man im Automatenspiel Marble Madness eine kleine Kugel unter Zeitdruck durch unwegsames Gelände rollen. Das gleiche Spielprinzip greifen zwei moderne Geschicklichkeitsspiele auf – jedes allerdings auf seine ganz eigene Art.

Im kostenlosen ManiacMarble 3D muss der Spieler seine kleine Marmorkugel in hohen Lüften vorsichtig über schmale Stege und hüpfende Kisten in eine Schale bugsieren. Hat man dieses Ziel erreicht, beginnt automatisch der nächste, noch etwas schwierigere Hindernisparcours. Navigiert man die Kugel über den Rand eines der Stege oder rollt von einer Plattform auf der falschen Seite herunter, muss man den Level wieder von vorne beginnen. Immerhin kann man sich für die Durchquerung beliebig viel Zeit lassen. ManiacMarble 3D besitzt übrigens kein Langzeitgedächtnis: Wer das Spiel beendet, muss wieder auf der ersten Karte von vorne beginnen.

Abbildung 1: Die Kurse in ManiacMarble 3D erinnern optisch an fliegende Klickerbahnen. Hier muss man über die rechteckigen Teller in den runden ganz unten fallen.

Rock 'n Roll

Konkurrent Marball Odyssey kostet nicht nur Geld, sondern ist auch wesentlich komplexer. Hier rollt man die Kugel durch hübsche und abwechslungsreich gestaltete Landschaften. Die sind allerdings mit Mauern, Teleportern, Türen, Sprungschanzen, zerbröselnden Holzbrücken und vielen anderen fiesen Hindernissen gespickt. Die stören allerdings nicht nur, sondern erlauben mitunter auch waghalsige Sprungmanöver. Ein geschickt angerolltes Gummiballtrampolin katapultiert die eigene Kugel beispielsweise auf den Rand einer hohen Mauer. Über spezielle, in die Erde eingelassene Schalter öffnet man unter anderem Türen oder verwandelt die Kugel in ein behäbiges Stachelmonster, mit dem man Zäune einreißt.

Abbildung 2: Marball Odyssey: Über die gelbe Schaltfläche verwandelt man erst die kleine Kugel in ein gefährliches Metallmonster, mit dem man dann…

Darüber hinaus liegen überall verstreut Münzen und Ringe herum. Wer sie komplett einsammelt, erhält Zugang zu einem Bonuslevel. Für die Schatzsuche hat man allerdings nur eine begrenzte Zeit zu Verfügung. Läuft sie ab, bevor man das ebenfalls irgendwo versteckte Ziel erreicht, ist das Spiel beendet. Zudem besitzt man nur eine begrenzte Anzahl Kugeln. Immer wenn eine in den Abgrund springt, muss man mit einer neuen von vorne beziehungsweise dem letzten aktivierten Speicherpunkt beginnen.

Abbildung 3: … den Holzaun reinreißt.

Der Rubel rollt

Marball Odyssey kostet 10 Euro, zu zahlen über PayPal. Damit erhält man allerdings auch gleichzeitig eine Fassung für Mac OS X und Windows. Wer nicht die Katze im Sack kaufen möchte, schaut sich das Video auf der etwas chaotisch wirkenden Homepage an [2] oder greift dort im Download-Bereich zur Testversion. Diese enthält die ersten vier Level, ist aber nur über einen nicht gerade vertrauenerweckenden Shared-Hoster zu haben. Wer sich trotzdem für den Download entscheidet, macht die heruntergeladene Datei zunächst ausführbar (beispielsweise indem er die Datei mit der rechten Maustaste anklickt, im Kontextmenü Eigenschaften wählt und dann den entsprechenden Punkt abhakt). Anschließend startet man sie und folgt den Anweisungen des Installationsassistenten. In der Regel kann man alle seine Fragen einfach abnicken. Nach der Installation stellt man noch über den Paketmanager sicher, dass das Paket zu OpenAL installiert ist (meist trägt es den Namen libopenal).

Abbildung 4: Marball Odyssey: Die Ringe liegen leider nicht immer so offen in der Landschaft herum.

Nach dem Start von Marball Odyssey wählt man einen von drei möglichen Speicherpunkten. In ihnen merkt sich das Spiel den bislang erzielten Fortschritt. Da zu Beginn noch niemand ein Spiel gespielt hat, belässt man Game A aktiviert und klickt auf Choose. Als Nächstes darf man sich für eine von drei Welten entscheiden. Da in der Testversion nur eine zur Verfügung steht, geht es per Choose zur Levelauswahl. Hier belassen es Einsteiger beim Tutorial und starten per Choose eine kleine Einführung. Der "Start Button" ist die Pfeiltaste nach unten. Mit den Pfeiltasten steuert man auch die Kugel.

Abbildung 7: Marball Odyssey: Über die Teleporter erreicht man die verschiedenen Bereiche einer Karte.

ManiacMarble 3D ist kostenlos auf seiner Homepage zu haben [1]. Man muss lediglich dem etwas unscheinbaren download page folgen und sich dann für die Linux-Fassung entscheiden. Das dabei erhaltene Archiv entpackt man auf der Festplatte und startet das dabei herausgepurzelte Skript ManiacMarble3D.sh. Im Hauptmenü wählt man Start und steuert dann die Marmorkugel mit den Pfeiltasten, die Kamera mit der Maus. Doch Vorsicht: Wenn man die Pfeiltaste nach oben drückt, läuft die Kugel immer zum oberen Bildschirmrand. Bewegt man dabei die Maus, läuft die Kugel folglich einen Bogen.

Abbildung 6: ManiacMarble 3D: In dieser Szene muss man sich über den auf- und ab bewegenden Würfel in die dahinter liegende Schale plumpsen lassen.

Fazit

Marble Madness war berühmt-berüchtigt für seinen gepfefferten Schwierigkeitsgrad. Den besitzen auch beide aktuellen Nachfahren. In ManiacMarble 3D führt jede noch so kleine falsche Bewegung in den Abgrund, während Marball Odyssey mit seinen knappen Zeitlimits für Hektik sorgt. Letztgenanntes Spiel fordert auch ein klein wenig Knobelarbeit: So muss man beispielsweise in den verwinkelten Landschaften erst einen Schalter finden, der dann an einer anderen Stelle eine Tür öffnet, während man sich ein anderes Mal gut überlegen muss, wann man in welcher Richtung über eine langsam zerfallende Hängebrücke rollt. Damit erinnert Marball Odyssey auch eher an das ebenfalls schon legendäre Rock 'n Roll [4], denn an das erklärte Vorbild Marble Madness.

Abbildung 7: Marball Odyssey: Über die Teleporter erreicht man die verschiedenen Bereiche einer Karte.

Marball Odyssey merkt man zudem an, dass es eigentlich vom iPhone kommt. In unseren Tests nahm es immer den vollen Bildschirm in Beschlag, wobei die beiden Panels aus Gnome 2 grundsätzlich immer zu sehen waren. Ansonsten ist in beiden Spielen die Grafik nett anzusehen, haut aber nicht vom Hocker. In ManiacMarble 3D nervt nach kurzer Zeit die Musik und die bei jedem Levelwechsel ertönende Stimme "loading new level".

Abbildung 8: Marball Odyssey: Mit dem roten Gummiding rechts unten katapultiert man die eigene Kugel auf die Plattform zur linken.

Wer Geschicklichkeitsspiele mag und sich durch den schnell ansteigenden Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lässt, der sollte unbedingt beide Marble Madness-Klone anspielen. Für ein schnelles Spielchen in der Mittagspause eigenen sich jedoch beide nur bedingt: ManiacMarble 3D merkt sich den Fortschritt nicht, während man in Marball Odyssey über die Goldsuche schnell die Zeit vergisst.

Abbildung 9: In ManiacMarble 3D kann man nur mit großem Fingerspitzengefühl auf den oftmals schmalen Stegen balancieren.

ManiacMarble 3D

Bezugsquelle: http://jochen.subliminal.at/tl/index.php/maniacmarble3d.html
Entwickler: Jochen Leopold
Lizenz: Eigene / Unbekannt (Closed Source)
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Marball Odyssey

Bezugsquelle: http://sundaycoders.host-ed.net/games.html
Entwickler: Sunday Coders
Lizenz: Kommerziell
Preis: ca. 10 Euro
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, 128 MB Hauptspeicher, ab GeForce 1, Radeon 9200 oder Intel i945

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Kommentare
deutsche Übersetzung
ozzy yzzo (unangemeldet), Donnerstag, 15. September 2011 10:15:38
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Wir sind Freiwillige, die deutsche Übersetzung des Spiels zu verbessern suchen! Kontakt: sundayozzy@gmail.com


Bewertung: 92 Punkte bei 3 Stimmen.
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Neverball!
Steffen (unangemeldet), Samstag, 10. September 2011 10:29:07
Ein/Ausklappen

Hallo zusammen,

Ähnliches leistet auch das OpenSource-Spiel Neverball: Auch hier muss eine Kugel mit der Maus durch ein dreidimensionales Gelände manövriert werden. Informationen gibt's unter http://neverball.org/ . In vielen Distributions-Repositories finden sich außerdem Pakete (auch z.B. für Debian Stable ;-) ).
An dieser Stelle sollte auch das "Ballspiel" Neverputt erwähnt werden: Hierbei handelt es sich um ein 3D-Minigolf-Spiel, das besonders mit mehreren Spielern große Freude bereitet. Da es vom selben Entwickler-Team stammt wie Neverball, ist die Website dieselbe.


Mit den besten Grüßen
Steffen


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