Legaler Bestechungsversuch

Linux Game Publishing portiert seit 2001 bekannte kommerzielle Spiele auf Linux. Nach einem Führungswechsel im Januar 2012 hat der neue Geschäftsführer Clive Crous damit begonnen, einige ältere Spiele zu reduzierten Preisen in die mittlerweile etablierten Online-Vertriebsplattformen wie Desura und das Ubuntu Software-Center zu stopfen. Dort bekommt man seit ein paar Tagen auch die Gold-Edition des etwas ungewöhnlichen Echtzeitstrategiespiels Majesty: The Fantasy Kingdom Sim. In ihm muss man seine Untertanen mit Geld bestechen, damit die sich aus ihren Sesseln erheben und den Gegner ordnungsgemäß verhauen.

Auf den ersten Blick wirkt Majesty wie ein herkömmliches Echtzeitstrategiespiel.

Arbeitsmarkt

In Majesty übernimmt der Spieler die Rolle eines Königs, der ein kleines Reich in der Welt Ardania verwaltet. Dessen Landschaft ist alles andere als lauschig: Während in Erdhöhlen überdimensionale Ratten hausen, streifen Vampire durch die Wälder und knüppeln umherstreunende Trolle alles nieder, was ihnen über den Weg läuft. Obendrein sind die meisten anderen Könige in Ardania alles andere als kooperationsbreit. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen besitzt man in Majesty jedoch keine eigene gehorsame Armee. Stattdessen baut man rund um sein Schloss Gildenhäuser und Tempel. Mit diesen und etwas Kleingeld heuert man dann möglichst viele Helden an.

Hier heuert die Gilder der Krieger den bekannten Sir Tremor an.

Um das dazu notwendige Gold in die Kassen zu spülen, errichtet man weitere Gebäude, wie etwa einen Marktplatz oder eine Schmiede. Dort können die Helden dann entsprechende Ausrüstungsgegenstände erwerben. Der Marktplatz betreibt zudem regen Handel, was zu weiteren Einnahmen führt. Als König partizipiert man davon über Steuern. Die treibt ein kleiner Finanzbeamter ein, der fleißig von Haus zu Haus tingelt.

Der Steuereintreiber macht sich auf den Weg. In seinem Menü kann man genau festlegen, wie viel Geld er mindestens vor einer Heimkehr eingesammelt haben muss.

Gehaltsverhandlungen

Dummerweise wissen das auch die Gegner. So fangen schon einmal gerne herumstreunende Trolle den Finanzbeamten ab und rauben sein bis dato eingesammeltes Geld. Die meisten Eindringlinge gehen jedoch nicht ganz so subtil vor, sondern rennen einfach nur brandschatzend durch das kleine Dorf. Gegenwehr leisten die hoffentlich überall aufgestellten Abwehrtürme und natürlich die zuvor mühsam angeworbenen Helden.

Hier macht sich ein Troll über den Marktplatz her. Also schnell mit der roten Fahne eine Belohnung auf seinen Kopf ausgesetzt ...

Diese besitzen jedoch in Majesty allesamt eine ganz individuelle Persönlichkeit. So greifen sie grundsätzlich nur Ziele an, die ihnen auch interessant genug erscheinen – gezielt rumkommandieren lassen sie sich schon gar nicht. Also muss man etwas nachhelfen und unattraktive Ziele etwas attraktiver machen – natürlich indem man ein dickes, fettes Belohnungsgeld auslobt. Immerhin kann man das den Helden dann später bei Gelegenheit wieder aus den Taschen ziehen: entweder über die Steuern oder aber über den Verkauf von Gegenständen.

... und schon strömen die Helden herbei.

Bei Angriffen darf man auch selbst mit zahlreichen Zaubersprüchen nachhelfen, die jedoch erst einmal von Zauberern erforscht werden müssen. Alle Helden besitzen zudem wie in einem Rollenspiel Erfahrungspunkte und spezielle Fähigkeiten, die sie im Laufe des Spiels sukzessive verbessern und ausbauen. Die meisten Gebäude verfügen über eine Forschungsabteilung. So kann man in der Schmiede bessere Schwerter in Auftrag geben oder auf dem Markt einen Heiltrank entwickeln lassen.

Massenschlachten wie diese hier verlaufen in der Regel recht unübersichtlich.

Fußvolk

Sämtliche Gebäude errichten normale Untertanen. Sobald man einen Bau in Auftrag gegeben hat oder ein Gebäude einen Angriffsschaden erleidet, wuseln sie automatisch los und beginnen eifrig zu zimmern. Im Gegensatz zu den Helden sind sie jedoch nicht besonders wehrhaft, Angreifer haben mit ihnen in der Regel leichtes Spiel. Da sich die Untertanen ebenfalls nicht direkt befehligen lassen, muss man bei einem Großangriff meist hilflos mit ansehen, wie der einfallende Mob über die Einwohner herfällt – und damit die Gebäude erst einmal halb fertig zurückbleiben.

Wie in jedem anderen Echtzeitstrategiespiel muss man auch hier Gebäude zunächst zeitaufwendig errichten lassen. Links unten werkelt ein fleißiger Helfer an einer Schmiede, rechts oben wird noch ein passender Standort für einen Abwehrturm gesucht.

Majesty hat keine durchgehende Geschichte oder Kampagne. Stattdessen darf man nur zwischen verschiedenen Aufgaben wählen, wie etwa: „Finde und zerstöre das Schloss der Vampire.“ Die dabei zugrunde liegende Landschaft generiert Majesty zufällig. Auch wenn die Aufgaben die gleichen bleiben, spielt sich dennoch kleine Partie wie die andere.

Krönungszeremonie

Die von Linux Game Publishing angebotene Gold-Editon enthält neben dem Hauptspiel Majesty: The Fantasy Kingdom Sim auch das Erweiterungspaket Majesty: The Northern Expansion, das vor allem neue Gebäude, Monster und Aufgaben bietet. Wer in das Strategiespiel erst einmal hineinschnuppern möchte, der findet auf Desura [2] eine Demo-Version. Um sie herunterzuladen, klickt man rechts unten im Bereich Releases auf das Free neben Majesty Gold Demo. Im erscheinenden Fenster folgt man dem etwas unscheinbaren Link standalone downloads und entscheidet sich dann für Download. Das so erhaltene Archiv muss man nur noch entpacken und dann majesty.sh starten. Die Demo-Version bietet übrigens nur eine einzige Aufgabe. Eine ausführliche englischsprachige Anleitung liegt dem Archiv in der Datei manual.pdf bei.

Ein Markttag spült zusätzliches Geld in die Kassen. Einen neuen kann man allerdings erst dann starten, wenn der alte abgelaufen ist.

Fazit

Majesty stammt aus dem Jahr 2000, was man dem Spiel auch deutlich ansieht. Linux-Spieler müssen sogar mit der Urfassung vorlieb nehmen: Die höher aufgelöste HD-Version bekommen nur Windows-Nutzer zu Gesicht [3], eine runderneuerte Fassung gibt es nur für Android [4]. Die Steuerung ist zudem etwas fummelig und umständlich. Von all diesen Macken sollten sich Strategiespieler jedoch tunlichst nicht abschrecken lassen.

Die Gilde der Ranger nimmt nicht nur gute Bogenschützen auf, ihre Mitglieder erkunden auch die Umgebung und stoßen dabei ab und an auf prall gefüllte Schatztruhen.

Das zugrunde liegende Spielprinzip mit den geldgeilen Helden funktioniert nach wie vor perfekt. Hat man erst einmal den Bogen raus, macht es sogar leicht süchtig. Zudem kommt das Spiel immer wieder mit witzigen und gemeinen Ideen um die Ecke: So lassen sich die Helden etwa von gegnerischen Königen abwerben, während Trolle die auf den Marktplatz zusteuernden Karawanen ausnehmen. Es bereitet eine diebische Freude, den Trollen umgehend ein paar Helden hinterherzuschicken, die ihnen dann wieder die sicher geglaubte Beute abnehmen. Die verlangten acht Euro sind für das zwölf Jahre alte Spiel jedoch hart an der Schmerzgrenze.

Majesty Gold

Bezugsquelle: http://www.majestyquest.com
Entwickler: Cyberlore Studios und Linux Game Publishing
Lizenz: Kommerziell
Preis: ca. 8 Euro
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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