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Kollisionskurs

Das Spiel zum Wochenende: M.A.R.S.

15.01.2011
Simon Schneegans und Felix Lauer mixen ein simples Ballerspiel mit feiner Grafik, fieser Gravitation und pfiffigen Spielmodi. Heraus kommt ein faszinierender und motivierender Schießspaß für zwischendurch.

Im Jahre 3547 ist der weite Weltraum großflächig erschlossen. Einige Zivilisationen leben friedlich miteinander, während andere natürlich mal wieder einen Großen Krieg anzetteln mussten. Diese karge Hintergrundgeschichte ist zwar nettes Beiwerk, spätestens nach dem ersten Spielstart jedoch schon wieder vergessen.

Abbildung 1: Im rasanten Deathmatch-Modus kämpft jeder gegen jeden.

Anziehend

Wie in den ersten Actionspielen aus den 70er Jahren blickt man auch in M.A.R.S. auf einen zweidimensionalen, hübsch gezeichneten Weltraum. Die Bildschirmränder begrenzen den Kampfschauplatz, in dem sich mehrere kleine Raumschiffe gegenseitig die Laserstrahlen um die Ohren pfeffern.

Abbildung 2: Im direkten Duell bekommt hier der computergesteuerte Gerhard die Laserstrahlen zu spüren.

Gemeine Hindernisse bilden dabei kleine und große Planeten, Sonnen, sowie schwarze Löcher. Je nach Masse ziehen sie alle Gegenstände in ihrer Umgebung mehr oder weniger stark an. Das gilt sowohl für die Raumschiffe, als auch ihre abgefeuerte Munition. Durch einen geschickten Schuss kann man so leicht um einen Himmelskörper herumschießen. Eine Kollision mit den Planeten sollte man allerdings tunlichst vermeiden: Je größer die Geschwindigkeit beim Aufprall, desto mehr Schaden nimmt das Raumschiff. Umgekehrt ist es aber auch wieder eine gute Idee, den Gegner mit möglichst viel Wucht gegen einen Himmelskörper zu schubsen.

Abbildung 3: Planeten lenken durch ihre Anziehungskraft auch Schüsse ab.

Kampftechnik

Dabei helfen verschiedene Spezialwaffen, wie etwa ein überdimensionaler Boxhandschuh oder ein roter Laser-Stab. Wechseln darf man die Waffe allerdings nur so lange, wie man an den eigenen Heimatplaneten angedockt ist. In dieser Zeit kann man zudem nicht schießen.

Abbildung 4: Christian boxt hier mit seiner speziellen Waffe den weißen Ball Richtung gegnerischen Heimatplaneten.

Jeder gegnerische Treffer und jede Kollision mit einem Objekt zehrt mehr oder weniger stark an den vorhandenen Lebenspunkten. Sind sie aufgebraucht, explodiert das Schiff. Nach einer kurzen Wartezeit darf man mit einem neuen Raumgleiter wieder in das Spiel einsteigen. Wann ein Gefecht schließlich beendet ist, hängt vom gewählten Spielmodus ab.

Abbildung 5: Explodieren mehrere Raumschiffe in einer Kettenreaktion, läuft das Spiel für einen kurzen Moment in Zeitlupe ab.

Balla-Balla

Beim klassischen Deathmatch gewinnt derjenige mit den meisten Abschüssen. Wie viele für den Sieg notwendig sind, darf man zusammen mit der Gegneranzahl vor Spielbeginn festlegen. Im Team Deathmatch treten zwei Teams gegeneinander an. Wieder gewinnt das Team mit den meisten Abschüssen.

Abbildung 6: Das Runde muss ins Runde: Schießt das Lila-Team den kleinen weißen Ball auf die grüne Halbkugel am linken Rand, verliert dieser Lebenspunkte.

Den wahren Clou bilden jedoch zwei ziemlich ausgefallene Spielmodi: Spaceball könnte man am ehesten als eine Art intergalaktischen Fußball umschreiben. Dabei versuchen zwei Teams einen kleinen, weißen Mond durch geschickten Beschuss auf den jeweils gegnerischen Heimatplaneten zu dreschen. Ihm entzieht der Ball beim Aufprall einen Teil seiner Lebensenergie. Geht der Heimatplanet schließlich in Rauch auf, gilt dies als "Tor". Wie viele Tore man zum Gewinn benötigt, legt man zusammen mit der Mannschaftsstärke vor Spielstart fest.

Abbildung 7: Wer bei Cannonkeep die glühende Fernbedienung in der Mitte besitzt, lenkt die monströse Kanone am oberen Rand auf den Heimatplaneten der Gegner.

Dickes Ding

Besonders kurios ist Cannonkeep, das sich am Domination-Modus aus 3D-Actionspielen anlehnt. Dabei streiten sich zwei Teams um eine kleine Fernbedienung. Wer sie in den Händen hält, richtet die Mündung einer riesigen Kanone am oberen Bildrand auf den gegnerischen Heimatplaneten. Sobald ihn die Kanone voll im Visier hat, schießt sie eine zerstörerische Kugel ab. Es dauert allerdings eine Weile, bis die behäbige Waffe ihre endgültige Position erreicht. So lange hat die gegnerische Mannschaft Zeit, den derzeitigen Besitzer der Fernbedienung in die Luft zu jagen, die Fernbedienung an sich zu nehmen und den Spieß umzudrehen.

Abbildung 8: Hier besitzt der grüne Jango die Fernbedienung (erkennbar an den strahlenden Rechtecken um sein Raumschiff), während die Kanone munter auf den Heimatplaneten der lila Fraktion schießt.

Neben Computergegnern in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen darf man auch gegen einen weiteren, menschlichen Spieler antreten. Dieser muss allerdings vor dem gleichen Bildschirm sitzen und seinen Raumgleiter über den linken Teil der Tastatur steuern. Ein Mehrspielermodus über das Netzwerk ist zwar geplant, lässt aber weiter auf sich warten.

Abbildung 9: Nur wenn das Raumschiff explodiert, gibt es die Fernbedienung wieder frei.

Reisevorbereitungen

M.A.R.S. steht als fix und fertiges Archiv unter [1] für 32- und 64-Bit Linux-Systeme zum Download bereit. Man muss es lediglich auf der Festplatte in ein Verzeichnis seiner Wahl entpacken. Debian-Nutzer dürfen alternativ auch zu einem passenden DEB-Paket greifen. In jedem Fall stellt man noch sicher, dass die 3D-Beschleunigung aktiviert ist und installiert die Bibliotheken libopenal1, libsndfile1, libglew1.5 und libjepeg62 über den Paketmanager nach.

Sobald alle Voraussetzungen stimmen, startet man das Skript M.A.R.S. aus dem Archiv. Es entscheidet selbst, ob die 32- oder 64-Bit-Version zum Einsatz kommt. Im Spiel wählt man zunächst eine Sprache und ruft dann das Tutorial auf. Es stellt die Steuerung vor und bietet ein paar einfache Flugübungen. Sofern man alleine spielt, drehen die Pfeiltasten nach links und rechts das Raumschiff um die eigene Achse, Gas gibt man über den Pfeil nach vorne, während die rechte [Strg]-Taste einen Schuss abfeuert.

Abbildung 10: Das Tutorial führt mit einfachen Übungsaufgaben in die Steuerung ein. Hier muss man sein Raumschiff über die fluffigen lila Wolken fliegen.

Hat man das Tutorial erfolgreich absolviert, kann man ein Lokales Spiel starten. Im neuen Fenster sucht man sich einen Spielmodus aus, indem man auf die entsprechende Registerkarte wechselt. Hier legt man die Rahmenbedinungen beziehungsweise Spielregeln fest und geht anschließend an den Start.

Fazit

Unter der Haube von M.A.R.S. steckt ein ziemlich simples Ballerspiel. Die sehr gut gezeichneten Grafiken, der schmissige Soundtrack, eine gute künstliche Intelligenz der Gegner und nicht zuletzt die pfiffigen Spielmodi machen daraus jedoch ein extrem spaßiges Vergnügen – insbesondere wenn zwei menschliche Spieler vor einem Rechner gegeneinander antreten. Einziger Wermutstropfen ist die ziemlich knifflige Steuerung: Da man zum Bremsen das Raumschiff um 180 Grad wenden muss, werden Einsteiger ziemlich häufig mit zu hoher Geschwindigkeit alles mögliche rammen oder in die falsche Richtung fliegen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, findet in M.A.R.S. ein schnelles, forderndes Actionspiel für die Mittagspause.

M.A.R.S.

Bezugsquelle: http://mars-game.sourceforge.net/
Entwickler: Simon Schneegans und Felix Lauer
Lizenz: GPL v3
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://mars-game.sourceforge.net/

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