Die Nachfrage nach Eisenerz steigt. Die ideale Gelegenheit also, in das Geschäft einzusteigen. Schnell eine rechteckige Parzelle auf dem Mond gekauft und ein Bergwerk errichtet. Das abgebaute Erz wandert zunächst in eine Lagerhalle, bis es dann ein Spaceshuttle über den betriebseigenen Weltraumbahnhof zum Kunden transportiert. Wenn es der Geldbeutel noch hergibt, veredelt eine Raffinerie das geförderte Erz. Damit der Abbau auch ordentlich fluppt, heuert man ein paar Handlanger an, die wiederum in schnell errichteten Wohncontainern ein Zuhause finden. Abschließend müssen noch kleine Farmen her, die alle gebauten Einrichtungen in der kargen Mondlandschaft am Leben erhalten. Soweit, so von anderen Aufbaustrategiespielen bekannt.

Abbildung 1: In der ersten Phase errichtet man fleißig Bergwerke und Nebengebäude in die gekauften Mondparzellen. Der Bau dauert allerdings mindestens eine Spielrunde.

3,2,1, …

In Lunar Domination nehmen die Kunden jedoch nicht einfach blind sämtliche geförderten Erzmengen ab. Vielmehr schreiben sie ihren aktuellen Bedarf aus. Jeder Spieler gibt einen Preis an, zu dem er liefern kann. Den Zuschlag erhält dann der, mit dem niedrigsten Gebot. War man selbst der Glückliche, muss man die geforderte Erzmenge innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne ausliefern. Kommt man in Verzug, sinkt die Reputation. Im schlimmsten Fall schließt der Kunde den Spieler von sämtlichen Auktionen aus. Wer als erster den Komplettbedarf von zwei der insgesamt drei Großkunden vollständig abgedeckt hat, gewinnt das Spiel.

Abbildung 2: Sobald der Erzabbau läuft, bietet man den Kunden ein Preis ein. Hier hat der Spieler Tim gerade den Durchschnittspreis auf den Märkten für das braune Erz unterboten.

Damit das ganze noch etwas schwieriger wird, fallen gnadenlos Steuern, Gehalt für das Personal und natürlich die laufenden Kosten für den Maschinenpark an – selbstverständlich auch dann, wenn man einmal gar keinen Zuschlag bekommt. Immerhin gibt es mehrere verschiedene Erzarten, ein Monopol auf eine von ihnen bietet folglich eine gute Ausgangsbasis in den Verhandlungen.

Da jede Mine nach einer Weile erschöpft ist, muss man sukzessive weitere Parzellen auf der Mondoberfläche hinzukaufen. Die sind jedoch ebenfalls nur begrenzt vorhanden und somit auch von den anderen Mitspielern heiß begehrt. Apropos Mitspieler: Wer nicht immer nur gegen den Computer antreten möchte, kann auch online einen realen Freund in Grund und Boden bieten.

Abbildung 3: Die hier gewonnene Auktionen muss man innerhalb von vier Spielrunden ausgeliefert haben.

The Eagle has landed

Lunar Domination vertreibt der Hersteller Valen Games für fast 20 Dollar über seine Homepage. Dort steht auch eine Demoversion bereit, die man mit einem Klick auf Linux (all distributions) auf die Festplatte holt. Die heruntergeladene Datei kennzeichnet man zunächst als ausführbar (beispielsweise indem man sie mit der rechten Maustaste anklickt, dann Eigenschaften wählt und auf einem der Register die passende Option abhakt). Anschließend startet man die so präparierte Datei und folgt dem erscheinenden Installationsassistenten – in der Regel kann man alle Fragen einfach abnicken.

Abbildung 4: Das gute Tutorial führt, wenn auch in englischer Sprache, schnell in das simple Spielprinzip ein.

Nachdem das Spiel installiert ist, ruft man das Skript launch_lunar_domination im Installationsverzeichnis auf. Dort liegt übrigens auch eine englische Kurzanleitung im PDF-Format in der Datei lunar_domination_manual.pdf. Dank des guten Tutorials ist die aber fast überflüssig: Nachdem man einen Spielernamen vergeben hat, wählt man im Hauptmenü das Tutorial und folgt den Anweisungen auf dem Bildschirm. Einzelne Fenster verschiebt man wie von herkömmlichen Linux-Desktops gewohnt per Drag and Drop. Auf der Karte fährt man hin- und her, in dem man mit der Maus an einen der Bildschirmränder stößt.

Abbildung 5: Die Spielzüge des Gegners kann man auch in Zeitlupe verfolgen – oder vorspulen.

Fazit

Die Idee mit den Auktionen ist neu und erfrischend, allerdings nur halbherzig umgesetzt. So kann man pro Ausschreibung immer nur ein Angebot abgeben und nicht wie in einer echten Auktion noch einmal bieten. Ob man den Zuschlag erhält, ist daher unter dem Strich ein reines Glücksspiel. Die Grafik ist zudem farbarm und karg, einen Großteil der Zeit klickt man sich durch nüchterne Tabellen. Da es nur wenige Gebäude gibt, sackt die Motivation schon nach kurzer Zeit in den Keller. Unter diesem Licht erscheinen die 20 Dollar dann doch etwas zu hoch. Dennoch sollten Wirtschafts- und Aufbaustrategiespieler die Demoversion einmal probespielen.

Zum Redaktionsschluss führte übrigens der Link Buy Now Kaufwillige nur zu einer nichtssagenden Fehlermeldung, die funktionsfähige Testversion ließ sich immerhin noch problemlos herunterladen.

Lunar Dominiation

Bezugsquelle: http://www.valengames.com/
Entwickler: Valen Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 19,99 Dollar
Voraussetzungen: Prozessor auf dem Niveau eines uralten Pentium III 800 MHz, sowie eine halbwegs aktuelle Linux-Distribution

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Kommentare
Ausschreibung - Auktion
August Meier (unangemeldet), Dienstag, 16. August 2011 07:19:04
Ein/Ausklappen

Eine Auktion ist etwas völlig anderes als eine Ausschreibung. Im Gegensatz zu einer Auktion kann ein Gebot höchstens nachgebessert werden, wenn kein Gebot die Voraussetzungen erfüllt. Gerade, weil es in der Regel nur ein Gebot gibt, kommt es bei Ausschreibungen regelmässig zu "Spionageaktionen", mit denen versucht wird, herauszufinden, was für ein Gebot der Konkurrent abzugeben plant.

Bei diesem Spiel gibt es keine Auktionen, sondern Ausschreibungen - wie im richtigen Leben - und diese Idee ist korrekt und vollständig umgesetzt.

"Die Idee mit den Auktionen ist neu und erfrischend, allerdings nur halbherzig umgesetzt. So kann man pro Ausschreibung immer nur ein Angebot abgeben und nicht wie in einer echten Auktion noch einmal bieten."

Grüsse

August Meier


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