Bandstiftung für Anfänger

Little Inferno

Das Spiel zum Wochenende: Little Inferno

01.06.2013
Für 10 Dollar bekommt man von der Tomorrow Corporation einen Kamin. Darin darf man endlich einmal jede Menge unnützes Zeugs anzünden, verbrennen und in die Luft jagen. Und das ist mitunter urkomisch.

In Little Inferno wirft der Spieler Alltagsgegenstände in einen unkaputtbaren Kamin. Ein Spielziel gibt es nicht – oder besser gesagt, fast nicht. Denn die Gegenstände liegen nicht einfach so herum, man muss sie aus Katalogen bestellen. Jedes Brandopfer kostet zudem Geld, ein kleiner Stoffhase etwa 7 Dollar, ein Fernseher immerhin schon 40 Dollar. Praktischerweise springt das nötige Spielgeld aus verbrennenden Gegenständen heraus, man muss die goldenen Taler lediglich mit einem gezielten Mausklick einsammeln. Ab und an verirrt sich zudem ein kleines Spinnenwesen in den Kamin, das unter Feuer gesetzt ebenfalls eine Münze hinterlässt.

Der Bilderrahmen mit dem Familienfoto fängt langsam Feuer, während am unteren Bildschirmrand schon in den Paketen weiterer Nachschub wartet.

Fachversand für Brandbeschleuniger

Die in den Katalogen angebotenen Gegenstände sind extrem abgedreht und zeigen unter dem Einfluss der Flammen ein jeweils eigenständiges, nicht minder kurioses Verhalten. So gibt es ein Spielzeug-Eichhörnchen, das im Feuer Pfeifgeräusche von sich gibt, während ein Maiskolben einen netten Popcorn-Regen produziert. Wer ganz bestimmte Gegenstände zusammen verbrennt, schaltet weitere Spezialkataloge und somit neue Gegenstände frei. Welche Kombinationen allerdings zum Erfolg führen, verrät Little Inferno nur mit Andeutungen.

Der Ölfrachter aus dem Katalog mit den „total abgedrehten Spielsachen“ ...

Es dauert immer eine Weile, bis die Post einen bestellten Gegenstand ausliefert. So hat der Fotoapparat eine längere Lieferzeit, als eine Packung schnöder Bauklötze. Verringern lässt sich die Wartezeit mithilfe von Briefmarken, die einige Gegenstände neben den Münzen beim Verbrennen hinterlassen.

... produziert im Kamin eine hübsche Stichflamme.

Die eingetrudelten Gegenstände landen im Posteingang am unteren Bildschirmrand. Dort muss man sie nur noch mit einem Mausklick entpacken, dann den Gegenstand per Drag-and-Drop in den Kamin ziehen und ihn schließlich mit gedrückter Maustaste anzünden. Der Posteingang hat allerdings nur eine begrenzte Aufnahmefähigkeit, zu Beginn passen gerade einmal vier Pakete hinein. Gegen Zahlung von entsprechenden Beträgen darf man ihn jedoch mehrmals vergrößern.

Wer mehrere gesuchte Kombinationen verbrennen konnte, schaltet weitere Kataloge mit noch mehr abgedrehtem Zeug frei.

Schreibkram

Im Posteingang landen zudem immer mal wieder Briefe. Die kann man einfach direkt verbrennen oder aber natürlich lesen. Neben Werbung vom Kaminhersteller sind darunter auch Briefe von einer etwas penetranten jungen Dame. Diese bittet ab und an um die Zusendung bestimmter Gegenstände. Als Gegenleistung erhält man von ihr weiteren Krempel für den Kamin. Über den scheint sie zudem ein paar Geheimnisse zu kennen. Per Brief informiert schließlich auch noch ein Meteorologe über die derzeitige Wetterlage, die sich immer weiter zu verschlechtern scheint. Merkwürdig ist auch, dass der Kaminhersteller äußerst hartnäckig und zunehmend aggressiv um das kontinuierliche Verfeuern von Gegenständen bittet.

Die kleine Nervensäge schickt immer mal wieder nette Geschenke – fordert aber auch selbst welche.

Hinter Litte Inferno stecken die Macher des Knobelspiels World of Goo [2]. Ihre Kaminsimulation verkaufen sie für 10 Dollar über ihre Homepage [1]. Dort kann man auch mit einem Video einen kleinen Blick in das abgedrehte Spielkonzept werfen. Eine Testversion stellen die Entwickler leider nicht bereit. Derzeit ist Little Inferno auch Bestandteil des Humble Indie Bundle 8. Bei dieser Aktion darf man für mehrere Spiele bezahlen, was man möchte [3]. Ein Teil der Erlöse geht dabei an einen guten Zweck.

Aus den verbrennenden Sachen fallen neben Münzen auch hin und wieder Briefmarken, mit denen man ...

Fazit

Little Inferno steht auf der Grenze zwischen Spiel, Kunstwerk und Physiksimulation. Zunächst macht es unglaublich viel Spaß, die verschiedenen kuriosen Gegenstände in den Kamin zu werfen und ihnen beim Verbrennen zuzusehen. Es ist schier unglaublich, was für eine abgedrehte Fantasie die Entwickler haben, alleine die Katalogtexte sorgen für zahlreiche Lacher. Auch dank der witzigen Comic-Grafik möchte man immer weitere neue Gegenstände brennen oder explodieren sehen. Nachschub gibt es allerdings nur, wenn man sein Hirn anstrengt und die kleineren Kombinationsrätsel löst. Sofern man die Briefe nicht ignoriert, entspinnt sich zudem eine kleine interessante und sogar durchaus etwas spannende Geschichte.

... den Versand beschleunigen kann.

Spätestens nach einer Stunde Spielzeit hat sich jedoch das Grundkonzept abgenutzt und eine langweilige Routine setzt ein: Gegenstände kaufen, in den Kamin ziehen, anzünden. Geld gibt es zudem in rauen Mengen, die Lieferzeit ist der einzige limitierende Faktor. Die mit den Briefen erzählte Geschichte entwickelt sich ziemlich zäh, die luuuuustige Brieffreundin zerrt zudem an den Nerven. Little Inferno bleibt somit leider nur ein kurzweiliger Spaß, dessen Preis mit 10 Dollar deutlich zu hoch angesetzt ist. Wem das Konzept jedoch prinzipiell zusagt, der sollte unbedingt noch schnell beim Humble Indie Bundle 8 zuschlagen [3].

Little Inferno

Bezugsquelle: http://tomorrowcorporation.com/littleinferno
Entwickler: Tomorrow Corporation
Lizenz: Kommerziell
Preis: 10 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://tomorrowcorporation.com/littleinferno

[2] World of Goo:
http://www.worldofgoo.com

[3] Humble Bundle:
http://www.humblebundle.com/

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