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Strich in der Landschaft

Das Spiel zum Wochenende: JVGS

22.01.2011
Jasper Van der Jeugt reduziert sein Jump-and-Run-Spiel sowohl grafisch als auch inhaltlich auf das gerade notwendigste. Heraus kommt ein surreales, lyrisches, merkwürdiges und ziemlich durchwachsenes Ergebnis.

Die Landschaften in JVGS wirken wie schnell bei einem Telefonat mit dem Bleistift auf Papier gekritzelt. Lange, lyrische Textfragmente mischen sich mit Fantasiefiguren, Wolken, Händen, Köpfen und Zäunen. In diesem Durcheinander steuert man ein Strichmännchen mit den Pfeiltasten zum Ausgang. Letzteren muss man freilich erst finden, wenngleich dies in den überschaubaren Leveln keine unlösbare Aufgabe darstellt. Im Zweifel findet man irgendwo immer noch einen helfenden Pfeil.

Abbildung 1: Wie in jedem ordentlichen Jump and Run muss man auch in JVGS über Abgründe und Gegner springen – wenn auch hier in einer etwas merkwürdigen Umgebung.

Fieses Gekrakel

Stößt man mit einem der vielen kuriosen Gegner zusammen oder stürzt in die Tiefe, beginnt man den Level einfach wieder von vorne. Gegen das herumwuselnde Getier ist man glücklicherweise nicht ganz wehrlos: Um einem Feind den Gar auszumachen, springt man ihm einfach auf den Kopf. Eine Ausnahme bilden alle stacheligen Wesen, wie etwa die wuscheligen kleinen Igel oder schnappende fleischfressende Pflanzen. Sie sollte man besser mit möglichst großem Abstand überspringen.

Abbildung 2: Bei einer Kollision mit einem Gegner, sieht der Held Sterne, während sich der Hintergrund verdunkelt.

Hin und wieder stolpert man über Bonusgegenstände. So sprengt eine Bombe alle Gegner in ihrer direkten Umgebung die Luft, während man mit einem Hut auf dem Kopf im Sprung um sich schießen darf. Die Hintergrundgeschichte, wenn man sie denn so bezeichnen möchte, treiben immer wieder lyrische Satzfragmente voran, über die man mit der Hauptfigur hinweg läuft.

Abbildung 3: Auch die Wörter sind genau so begehbar, wie die Pfeile, die hin und wieder den rechten Weg weisen.

Zeichenschule

Wer das minimalistische Jump-and-Run-Spiel selbst ausprobieren möchte, schnappt sich von der Downloadseite [2] das aktuelle Quellcodearchiv und entpackt es auf der Festplatte. Anschließend installiert man über den Paketmanager den C++ Compiler und CMake, sowie die Entwicklerpakete zu SDL, SDL_Mixer, FreeType, Swig und LUA. Unter Ubuntu sind das die Pakete cmake, libsdl1.2-dev, libsdl-mixer1.2-dev, libfreetype6-dev, swig, liblua5.1-0-dev, g++. Im JVGS-Verzeichnis lässt man schließlich per cmake gefolgt von make das Spiel übersetzen. Sobald der Computer den erfolgreichen Abschluss vermeldet, startet man das Jump and Run mit ./src/jvgs.

Abbildung 4: Das Titelbild dient gleichzeitig als interaktives Hauptmenü.

Ein Hauptmenü gibt es nicht, man landet sofort mitten im Spiel. Läuft man mit den Pfeiltasten nach links, beendet sich JVGS, rennt man hingegen nach rechts, beginnt eine englischsprachige Einführung. Einmal gemeisterte Level muss man nicht noch einmal durchlaufen, auch wenn einen das Spiel zunächst wieder zum Startbildschirm zurück katapultiert. Mit der Leertaste springt man, sofern der Held einen Bonusgegenstand aufgesammelt hat, löst die linke [Strg]-Taste einen Schuss aus.

Abbildung 5: Der komische Vogel rechts oben im Bild zieht eine ganz bestimmte Bahn.

Fazit

Grafikstil und Szenario von JVGS sind recht unverbraucht, interessant und kurios. Die stimmige Musik aus dem Ghosts-Album von Nine Inch Nails [3] unterstreicht die skurrile Atmosphäre perfekt. Das Spiel wäre somit eine Empfehlung, wäre es technisch und spielerisch auf dem gleichen Niveau. So geraten die Level zu kurz, die Steuerung ziemlich fummelig und die etwas merkwürdige Kollisionserkennung zerrt gerade am Anfang an den Nerven. Bleibt zu hoffen, dass Jasper Van der Jeugt in diesen Punkten noch nachbessert. Bis dahin bleibt JVGS ein minimalistisches Jump and Run für Liebhaber des Genres und Spieler mit einer etwas höheren Frustrationsschwelle.

Abbildung 6: Dem possierlichen Tierchen zur Rechten sollte man besser auf den Kopf springen oder ihn mit der Bombe (der schwarze Knubbel unter dem Helden) attakieren.

JVGS

Bezugsquelle: http://jvgs.sourceforge.net/
Entwickler: Jasper Van der Jeugt
Lizenz: WTFPL [4]
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://jvgs.sourceforge.net/

[2] JVGS Download: http://sourceforge.net/projects/jvgs/files/

[3] Ghost-Album von Nine Inch Nails: http://ghosts.nin.com/

[4] Do What The Fuck You Want To Public License: http://sam.zoy.org/wtfpl/

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