Die Landschaften in JVGS wirken wie schnell bei einem Telefonat mit dem Bleistift auf Papier gekritzelt. Lange, lyrische Textfragmente mischen sich mit Fantasiefiguren, Wolken, Händen, Köpfen und Zäunen. In diesem Durcheinander steuert man ein Strichmännchen mit den Pfeiltasten zum Ausgang. Letzteren muss man freilich erst finden, wenngleich dies in den überschaubaren Leveln keine unlösbare Aufgabe darstellt. Im Zweifel findet man irgendwo immer noch einen helfenden Pfeil.
Stößt man mit einem der vielen kuriosen Gegner zusammen oder stürzt in die Tiefe, beginnt man den Level einfach wieder von vorne. Gegen das herumwuselnde Getier ist man glücklicherweise nicht ganz wehrlos: Um einem Feind den Gar auszumachen, springt man ihm einfach auf den Kopf. Eine Ausnahme bilden alle stacheligen Wesen, wie etwa die wuscheligen kleinen Igel oder schnappende fleischfressende Pflanzen. Sie sollte man besser mit möglichst großem Abstand überspringen.
Hin und wieder stolpert man über Bonusgegenstände. So sprengt eine Bombe alle Gegner in ihrer direkten Umgebung die Luft, während man mit einem Hut auf dem Kopf im Sprung um sich schießen darf. Die Hintergrundgeschichte, wenn man sie denn so bezeichnen möchte, treiben immer wieder lyrische Satzfragmente voran, über die man mit der Hauptfigur hinweg läuft.
Wer das minimalistische Jump-and-Run-Spiel selbst ausprobieren möchte, schnappt sich von der Downloadseite [2] das aktuelle Quellcodearchiv und entpackt es auf der Festplatte. Anschließend installiert man über den Paketmanager den C++ Compiler und CMake, sowie die Entwicklerpakete zu SDL, SDL_Mixer, FreeType, Swig und LUA. Unter Ubuntu sind das die Pakete cmake, libsdl1.2-dev, libsdl-mixer1.2-dev, libfreetype6-dev, swig, liblua5.1-0-dev, g++. Im JVGS-Verzeichnis lässt man schließlich per cmake gefolgt von make das Spiel übersetzen. Sobald der Computer den erfolgreichen Abschluss vermeldet, startet man das Jump and Run mit ./src/jvgs.
Ein Hauptmenü gibt es nicht, man landet sofort mitten im Spiel. Läuft man mit den Pfeiltasten nach links, beendet sich JVGS, rennt man hingegen nach rechts, beginnt eine englischsprachige Einführung. Einmal gemeisterte Level muss man nicht noch einmal durchlaufen, auch wenn einen das Spiel zunächst wieder zum Startbildschirm zurück katapultiert. Mit der Leertaste springt man, sofern der Held einen Bonusgegenstand aufgesammelt hat, löst die linke [Strg]-Taste einen Schuss aus.
Grafikstil und Szenario von JVGS sind recht unverbraucht, interessant und kurios. Die stimmige Musik aus dem Ghosts-Album von Nine Inch Nails [3] unterstreicht die skurrile Atmosphäre perfekt. Das Spiel wäre somit eine Empfehlung, wäre es technisch und spielerisch auf dem gleichen Niveau. So geraten die Level zu kurz, die Steuerung ziemlich fummelig und die etwas merkwürdige Kollisionserkennung zerrt gerade am Anfang an den Nerven. Bleibt zu hoffen, dass Jasper Van der Jeugt in diesen Punkten noch nachbessert. Bis dahin bleibt JVGS ein minimalistisches Jump and Run für Liebhaber des Genres und Spieler mit einer etwas höheren Frustrationsschwelle.
JVGS
| Bezugsquelle: | http://jvgs.sourceforge.net/ |
| Entwickler: | Jasper Van der Jeugt |
| Lizenz: | WTFPL [4] |
| Preis: | kostenlos |
| Voraussetzungen: | Halbwegs aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://jvgs.sourceforge.net/
[2] JVGS Download: http://sourceforge.net/projects/jvgs/files/
[3] Ghost-Album von Nine Inch Nails: http://ghosts.nin.com/
[4] Do What The Fuck You Want To Public License: http://sam.zoy.org/wtfpl/