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…und zum Dritten!

Das Spiel zum Wochenende: Humble Indie Bundle 3

30.07.2011
Bezahlen, was man möchte – diesen Traum erfüllt das Humble Bundle zumindest für fünf Videospiele. Die dritte Auflage der beliebten Sonderaktion füttert vor allem die Hirnzellen und trainiert das Reaktionsvermögen.

Im sogenannten Humble Bundle schnürt die gleichnamige Firma mehrere Videospiele zu einem Paket, für das man innerhalb eines Aktionszeitraums zahlen kann, was man möchte. Diesmal dabei sind die Knobelspiele Crayon Physics Deluxe und Cogs, sowie die Geschicklichkeitsspiele VVVVVV, Hammerfight und And Yet It Moves. Alle Spiele laufen unter Linux und sind kopierschutzfrei. Darüber hinaus kann man bestimmen, wer welchen Anteil vom überwiesenen Geld erhält. Zur Auswahl stehen die Spieleentwickler, der Humble Bundle-Veranstalter, die Electronic Frontier Foundation und die Child's Play-Organisation, die Kinder in Krankenhäusern mit Spielzeug versorgt.

Kenner der Aktion wundern sich vielleicht über die 3 im Namen. Tatsächlich handelt es sich schon um das vierte Bundle. Das letzte Paket enthielt jedoch ausschließlich Spiele des Entwicklers Frozenbyte [2]. Diesmal stammen die Spiele wieder von kleinen, unabhängigen Entwicklerstudios, folglich ist dies die dritte Auflage des Humble Indie Bundle.

Crayon Physics Deluxe

Was wäre, wenn eine Bundstiftzeichnung lebendig würde? Diese Frage beantwortet Crayon Physics Deluxe. In diesem Denkspiel muss ein roter Ball über einen gelben Stern rollen. Diese Aufgabe erschweren tiefe Abgründe, Rampen und andere Hindernisse. Um den Ball zu seinem Ziel zu lenken, drückt Crayon Physics Deluxe dem Spieler einen virtuellen Bundstift in die Hand. Mit ihm malt er Gegenstände in die Landschaft, die sich umgehend in reale Dinge verwandeln und somit insbesondere auch der Schwerkraft ausgesetzt sind. Liegt der rote Ball auf einem hohen Vorsprung, zeichnet man mit der Maus einfach ein großes Dreieck, über das der Ball dann hinunter zum Stern laufen kann. Hat man sich verzeichnet, radiert ein Klick mit der rechten Maustaste den Gegenstand wieder aus.

Abbildung 1: Die Grafiken von Crayon Physics Deluxe erinnern an Kinderzeichnungen. Dieses erste Puzzle zeigt gleichzeitig das Spielprinzip: Das eingezeichnete Rechteck fällt nach unten und schubst den Ball an.

Crayon Physics Deluxe gibt nur selten einen direkten Lösungsweg vor. Häufig sitzt man vor einem mehr oder weniger leeren Blatt und muss dann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Überlegen und ausprobieren darf man, solange man möchte: Es gibt weder ein Zeitlimit, noch irgendwelche Spielleben, die man verlieren könnte. Mit jedem gelösten Puzzle schaltet man weitere frei. Wem die zahlreichen mitgelieferten nicht ausreichen, der bastelt sich mit dem einfach zu bedienenden Leveleditor kurzerhand seine eigenen.

Cogs

Viele dürften aus ihrer Kindheit noch die kleinen Schiebepuzzle (auch 15-Puzzle genannt) kennen, bei dem man kleine Plättchen mit Zahlen in die richtige Reihenfolge schieben muss. Dieses Prinzip greift Cogs auf [4]. Auf den Plättchen befinden sich hier allerdings keine Nummern, sondern Zahnräder. Diese muss man zunächst auf einer Tafel, später auf einem Würfel so zurecht schieben, dass sie einen bestimmten Mechanismus auslösen. Mal ertönt eine Glocke, ein anderes Mal springt eine Puppe aus dem Kasten. Ab und an tauscht Cogs die Zahnräder gegen Röhren aus. Diese muss man dann so anordnen, dass sie beispielsweise heiße Luft vom unteren Rand zu einem Luftballon an den oberen transportieren. Je schneller man eine Aufgabe löst und je weniger Plättchen man dabei verschieben musste, desto mehr Punkte erhält man gutgeschrieben.

Abbildung 2: In Cogs muss man die Zahnräder verschieben – in diesem Fall so, dass sich das goldene Rädchen rechts oben dreht.

VVVVVV

Das Geschicklichkeitsspiel mit dem unaussprechlichen Namen erinnert stark an uralte Commodore 64-Spiele aus den 80er Jahren. Kaum hat man sich von dem Kulturschock erholt, braucht auch schon der Kapitän eines Raumschiffes die Hilfe des Spielers: Nachdem es durch Dimensioneninterferenz zu einem Zwischenfall kam, versuchte sich die Mannschaft über einen Teleporter zu retten. Der funktionierte jedoch nicht wie gedacht und materialisierte sämtliche Crewmitglieder an unterschiedliche Orten. Der Spieler steuert Captain Viridian durch die unbekannte Umgebung und versucht dabei seine Arbeitskollegen wiederzufinden. Wie in einem herkömmlichen Jump-and-Run-Spiel muss er dabei Gegnern ausweichen, fiese Stachelwände meiden und Abgründe überwinden.

Abbildung 3: Um in VVVVVV dieses Hindernis zu überwinden …

Allerdings gibt es dabei einen kleinen, gemeinen, wie auch genialen Haken: Der Held kann nicht springen, sondern nur die Schwerkraft umkehren. Steht Captain Viridian beispielsweise vor einem Abgrund, dreht man einfach die Schwerkraft um und läuft an der Decke weiter. Während des Fallens kann man den Held noch leicht nach links und rechts dirigieren und so etwa Vorsprünge erreichen. Zudem sind hierdurch teilweise waghalsige Sprungkombinationen möglich, die das Spiel insbesondere im späteren Verlauf auch gnadenlos einfordert. Landet der Held dabei versehentlich in einer der roten Stachelwände, materialisiert er sofort wieder vor einem der überall aufgestellten Kontrollpunkte. Über den eingebauten Leveleditor darf man eigene Herausforderungen basteln.

Abbildung 4: … dreht man die Schwerkraft um und fährt dann mit dem kleinen Balken zur anderen Seite.

Hammerfight

In einem fernöstlichen Steampunk-Szenario bekämpfen sich kleine fliegende Kisten mit allerlei Waffen. Zu Beginn besitzt der Spieler lediglich eine Art hölzernen Mini-Hubschrauber, von dem an einer Kette ein dicker Stein herab baumelt. Durch gekonnte Flugmanöver schleudert man diesen Stein möglichst gezielt in das Fluggerät des Gegners – der natürlich das Gleiche im Sinn hat. Im Laufe des Spiels darf man den eigenen Hubschrauber mit weiteren Waffen aufrüsten.

Abbildung 5: Die kleinen Fluggeräte sind in Hammerfight recht schlecht zu erkennen.

Ungewöhnlich an Hammerfight ist die Steuerung, die ausschließlich per Maus erfolgt. Um beispielsweise den Stein möglichst bedrohlich pendeln zu lassen, muss man langsame Kreisbewegungen mit der Maus ausführen. Die nette Hintergrundgeschichte erzählen vor allem zahlreiche englische Texte.

And Yet It Moves

Im Jump and Run Spiel And Yet It Moves steuert man ein kleines Männchen durch eine Landschaft aus zerrissenen Papierfetzen [8]. Die lässt sich wiederum jederzeit in 90-Grad-Schritten rotieren. Steht man beispielsweise in einer Sackgasse, dreht man die Umgebung auf die Seite und läuft dann einfach an der Wand weiter. Dabei gilt jedoch weiterhin die Schwerkraft: Mit einer unachtsamen Rotation verwandeln sich harmlose Steine oder Äste in gefährliche Geschosse. Allerdings lassen sich durch eine geschickte Drehung auch mit Geröll blockierte Durchgänge wieder frei räumen. Im späteren Spielverlauf trifft man noch auf Affen und Bienen, die dem Helden nachhaltig ans Leder wollen. Und da das immer noch nicht reicht, muss man die einzelnen Level auch noch möglichst schnell durchqueren.

Abbildung 6: And Yet It Moves wirkt, als hätte man die Grafiken aus Versandhauskatalogen ausgerissen.

Fazit

Das Humble Indie Bundle 3 lohnt sich schon alleine für Crayon Physics Deluxe. Die Bundstiftmalerei hat nicht umsonst den Hauptpreis beim Independent Games Festival 2008 abgeräumt. Die Grafik ist ungewöhnlich, das Spielgefühl stimmig – man hat wirklich den Eindruck, die selbst gezeichneten Figuren auf dem zerknitterten Papier zum Leben zu erwecken.

Abbildung 7: Dieses Rätsel in Crayon Physics Deluxe löst man mit einem selbstgezeichneten Gewicht.

Cogs versucht sehr geschickt das Prinzip des alten 15-Puzzle zu variieren. Die Fassade täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass man mit der Maus immer nur möglichst schnell Platten herumschiebt. Wer nicht gerade Fan dieses Spielprinzips ist, bei dem dürfte schnell die Motivation in den Keller sacken. Nichtsdestotrotz bleibt Cogs eine nette Knobelei für Zwischendurch.

VVVVVV sieht spartanischer und einfacher aus, als es tatsächlich ist. Hat man es einmal angefangen, lässt einen das Spiel nicht wieder los: Man möchte nur noch eben diesen einen Bildschirm durchqueren. Einfache Passagen wechseln sich dabei mit schwierigen bis teilweise unglaublich kniffligen ab. Erstaunlicherweise tritt dabei nur selten Frust auf, vielmehr schafft es VVVVVV den Ehrgeiz zu wecken, eine Passage doch noch zu meistern. Die minimalistische Grafik war für den zeichnerisch unbegabten Entwickler eigentlich nur Mittel zum Zweck, sorgt aber für eine erstaunlich stimmige Retro-Atmosphäre.

Abbildung 8: In Cogs muss man auch häufiger um die Ecke decken: Hier muss man die Zahnräder über die Würfelseiten so miteinander verbinden, dass sich der gelbe Rotor in Bewegung setzt.

Hammerfight stellt sich mit seiner innovativen Steuerung selbst ein Bein. Nur wer mit seiner Maus auf Du und Du lebt, hat eine Chance sein Fluggerät unter Kontrolle zu halten. Alle Besitzer einer billigen Office-Maus müssen gerade zu Beginn äußert Gutmütig sein, um den kleinen Nager nicht frustriert in die Ecke zu pfeffern. Die Mehrfachbelegung der Maustasten tut schließlich ihr Übriges. Eigentlich schade, bietet der Hubschrauberkampf doch ein interessantes, unverbrauchtes Szenario.

And Yet It Moves treibt das Konzept von VVVVVV in jeder Form noch auf die Spitze. Die Grafik hat zwar ihren eigenen Charme, wirkt aber an einigen Stellen durch ähnliche Farben und Formen etwas chaotisch. Durch die Rotationen geht auch immer wieder mal die Orientierung verloren, wodurch man meist erst ein paar Anläufe braucht, um den Level richtig kennen zu lernen.

Abbildung 9: In And Yet It Moves kann man seinen letzten Versuch als Geisterbild einblenden lassen. Auf diese Weise sieht man sehr gut, ob man in diesem Durchlauf schneller ist.

Alle Spiele sind zwar nicht mehr ganz taufrisch, faszinieren aber nach wie vor mit ungewöhnlichen Spielideen. Dummerweise stellen die einzelnen Entwickler keine Demoversionen für Linux bereit. Einzige löbliche Ausnahme ist And Yet It Moves [7]. Folglich muss man die fünf Spiele mehr oder weniger Blind kaufen – oder unter Windows testen. Mit seiner Entscheidung sollte man sich allerdings beeilen: Das Angebot gilt nur noch eine Woche. Wer die spaßigen Spiele einzeln kauft, zahlt übrigens fast 50 Dollar.

Humble Indie Bundle

Bezugsquelle: http://www.humblebundle.com
Entwickler: Verschiedene
Lizenz: Kommerziell
Preis: Nach Wahl
Voraussetzungen: Unterschiedlich, in der Regel aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://www.humblebundle.com

[2] Tim Schürmann, "Heiße Tiefkühlkost" – Das Spiel zum Wochenende: Humble Frozenbyte Bundle http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Humble-Frozenbyte-Bundle

[3] Crayon Physics Deluxe: http://www.crayonphysics.com/

[4] Cogs: http://www.cogsgame.com/

[5] VVVVVV: http://thelettervsixtim.es/

[6] Hammerfight: http://www.koshutin.com/

[7] And Yet It Moves: http://www.andyetitmoves.net/

[8] Tim Schürmann, "Zeit, dass sich was dreht" – Das Spiel zum Wochenende: And Yet It Moves: http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-And-Yet-It-Moves

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Kommentare
VVVVVV Frust
Anonymer Feigling (unangemeldet), Samstag, 30. Juli 2011 17:55:37
Ein/Ausklappen

Naja, ganz so stimmt das ja mit dem Frustfrei nicht. Ich bin jetzt im Level wo ich Virginia gefunden habe und in einem Raum, wo drei Plattformen hoch und runter fahren und ich Virgina über diese Plattformen an den Speeren vorbeimanövrieren muss. Ich weiss nicht, wieviel hundert mal ich jetzt schon diesen Raum betreten habe und Virginia spätestens nach der dritten Plattform den Sprung über die Speere nicht geschafft hat ...


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