Kleinkrieg hinterm Gartenzaun

In einer bunten Comic-Landschaft übernehmen mehrere Spieler jeweils die Befehlsgewalt über eine kleine Gruppe niedlicher Igel (englisch Hedgehog). Jedes der possierlichen Tierchen verfügt über ein ansehnliches Waffenarsenal, mit dem es sukzessive die gegnerische Partei zu vernichten versucht.

Die Mischung aus Action- und Strategiespiel läuft streng rundenbasiert ab: Abwechselnd erhalten die Spieler die volle Kontrolle über einen ihrer Igel. Innerhalb einer festgelegten Zeitspanne von nur wenigen Sekunden dürfen sie ihren Schützling über die Landschaft bewegen, eine neue Waffe zücken und diese abfeuern. Anschließend ist der nächste Spieler an der Reihe.

Über das Menü oder die entsprechenden F-Tasten wählt man schnell zwischen den vorhandenen, teils kuriosen Waffen und Arbeitsgeräten.

Zuckerbrot und Peitsche

Dummerweise sind die Igel ziemlich fußkrank und können auch nicht besonders weit springen. Deckung in den zerklüfteten Landschaften zu suchen ist somit alles andere als einfach. Mit Fallschirmen oder Seilen lassen sich zumindest größere Schluchten überwinden, Bohrer und Schweißgerät fräsen Stollen in auftürmende Felswände. Um die Situation etwas aufzulockern, verteilt das Spiel noch ein paar fiese Minen auf der Karte. Als Ausgleich wirft ein Flugzug immer mal wieder Kisten mit nützlichen Gegenständen über dem Kampfgebiet ab. Mal versteckt sich darin eine Heilmöglichkeit, mal eine besondere Waffe. Allerdings wollen die Kisten erst einmal erreicht und aufgesammelt werden.

Die Schrotflinte eignet sich besonders für solche kurze Distanzen und richtet sich hier auf den Igel namens „Ankh“ aus dem „Metal“-Team.

Auch der Einsatz der Waffen will gut überlegt sein. Während der Raketenwerfer große Distanzen überbrückt, streut eine Cluster Bombe und fügt so mehreren Gegnern gleichzeitig Schaden zu. Eine Schrotflinte ist hingegen im Nahkampf eine Überlegung wert. Bevor man den Abzug betätigt, sollte man noch einen Blick auf die Windrichtung und -Geschwindigkeit werfen. Bläst ein kleiner Orkan, kann es durchaus passieren, dass eine Rakete wieder zurück kommt – und den eigenen Igel ins Nirwana befördert.

Auf diesem Käseberg schlägt gleich eine Rakete ein...
... und schleudert „Delicous“ aus dem Früchte-Team durch die Luft. Raketen verwunden zwar schwer, führen aber selbst bei direktem Treffer nicht gleich zum Ableben des Igels.

Hedgewars simuliert nicht nur die Flugbahnen der Geschosse physikalisch nachvollziehbar, sondern auch die Auswirkungen der Einschläge und Explosionen. So sprengt eine Granate Löcher in den mürben Fels und eine Druckwelle wirbelt schon einmal das eigene Tierchen von der Karte. Diese umgibt ein tiefer Ozean, in dem ein Igel unweigerlich ertrinkt – und somit für immer verloren ist.

Nach jedem Treffer büßen die kleinen Igel Lebenspunkte ein. Sind alle 100 aufgebraucht, sprengt sich das stachelige Tierchen in die Luft. Man sollte folglich nicht nur von gebeutelten Gegnern, sondern auch von eigenen Todeskandidaten Abstand halten.

Freie Wahlen

Bevor man eine neue Partie gegen einen menschlichen Gegner antritt, darf man an zahlreichen Schrauben drehen: Angefangen bei den Namen und dem Aussehen der eigenen Igel, bis hin zu Regeländerungen, wie etwa die Zeitdauer eines Zuges. Bei den Schlachtfeldern greift man entweder zu vorgefertigten Karten, zeichnet eigene oder aber wirft den eingebauten Zufallsgenerator an. Wem der menschliche Partner fehlt, tritt gegen den halbwegs intelligenten Computer an.

Auf diesem überdimensionalen Komposthaufen bekriegen sich die Teams „Clowns“ und „Zauberer“. Beide unterscheiden sich nur im Aussehen, verschiedene Fähigkeiten gibt es nicht.

Die Grafik von Hedgewars ähnelt der des großen Vorbilds Worms und erreicht sogar die Qualität eines kommerziellen Spiels. Die Umgebung wurde mit viel Liebe zum Detail gezeichnet, wodurch man allerdings teilweise die kleinen Igel fast aus den Augen verliert. Dafür sind die vorhandenen Szenarien abwechslungsreich und mitunter schön schräg – die Palette reicht von der Hölle über Käseberge bis zu überdimensionalen, grasenden Schafen.

Installation

Hedgewars schlummert bereits in den Repositories vieler aktueller Distributionen, ein Griff zum Paketmanager sollte in diesen Fällen genügen. Andernfalls muss man sich den Quellcode von der Homepage angeln, seine Übersetzung gestaltet sich jedoch etwas mühsam: Zunächst installiert man die Entwicklerpakete zu Qt ab Version 4.4, FreePascal mindestens in Version 2.2.0 (bei Ubuntu beispielsweise im Paket fpc), CMake ab Version 2.6.0 und SDL ab Version 1.2.5, sowie die darauf aufbauenden Bibliotheken SDL_net, SDL_mixer, SDL_image, SDL_ttf. Wie die Versionsnummern zeigen, verlangt Hedgwares möglichst aktuelle Programme und Bibliotheken. Nach dem Entpacken des Quellcodearchivs übersetzt dann ein

cmake .

gefolgt von

make

das Spiel, make install verankert es schließlich im System.

Bedienung!

Nachdem man sich für einen der Spielmodi und eine Karte entschieden hat, steuert man die Igel über die Pfeiltasten, die Eingabetaste löst einen Sprung aus. Waffen wählt man über die mehrfach belegten F-Tasten oder nach einem Rechtsklick mit der Maus. Letztere liefert bei sanften Bewegungen einen Überblick über das Schlachtfeld. Hat man sein Ziel anvisiert, löst man die Waffe mit der Leertaste aus. Je länger man sie dabei gedrückt hält, desto weiter wirft der Igel die Bombe beziehungsweise desto stärker erfolgt der Schuss. Der sich dabei aufbauende, rote Streifen vor dem Zielkreuz zeigt diese Kraft bildlich an. Weitere Bedienelemente erklärt das etwas knappe, aber gut bebilderte Wiki.

Fazit

Hedgewars ist ein extrem dreister Klon des Kultspiels Worms – macht aber genau so viel Spaß und ebenso süchtig. Für ein OpenSource-Projekt erreicht das Spiel zudem eine extrem hohe Qualität, die an kommerzielle Vertreter heranreicht. Auch wenn Hedgewars einen Netzwerkmodus kennt, sind gemeinsamen Partien vor einem Computer eindeutig vorzuziehen – das fluchende Gesicht des Gegners beim Verlust eines seiner wichtigsten Igel möchte man unter keinen Umständen missen.

Bezugsquelle: hedgewars.org
Lizenz: GPLv2
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution

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Einzelne Ausgabe
 

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Kommentare
URL die richtige? O_o
opu.e (unangemeldet), Samstag, 07. November 2009 11:48:38
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Sollte es nicht http://www.hedgewars.org/ sein?


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Re: URL die richtige? O_o
Tim Schürmann, Samstag, 07. November 2009 18:44:50
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Ja, stimmt, Danke für den Hinweis. Bei der Veröffentlichung ist übrigens auch der Punkt hinter dem Befehl

cmake .

verloren gegangen.

Leider kann den Artikel nur noch ein Moderator ändern, sonst hätte ich diese beiden Punkte schon korrigiert.


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URL und Punkt hinter cmake gefixt.
Marcel Hilzinger, Samstag, 07. November 2009 19:30:47
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Schönes WE :-)


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