Wie im großen Vorbild steuert der Spieler in Greedy Car Thieves einen gewaltbereiten Kleinkriminellen durch eine fiktive Großstadt. Aus der Vogelperspektive durchkämmt man die belebten Straßen, schmalen Gassen und idyllischen Parks nach achtlos herumliegenden Waffen, mit denen man hemmungslos auf alles Bewegliche ballern darf. Neben klassischen Pistolen und Maschinengewehren findet man auch exotisches Schießgerät, wie etwa einen Flammenwerfer oder einen mehrere Meter weit brizzelnden Elektroschocker.
Zur schnelleren Fortbewegung klaut man einfach eines der am Straßenrand geparkten Autos. Alternativ hält man kurzerhand einen Wagen auf offener Straße an, zerrt den Fahrer heraus und klemmt sich selbst hinter das Steuer. Im Gegensatz zu Grand Theft Auto (GTA) darf man auch auf den Beifahrersitz klettern. Dann kann man zwar nicht mehr den Wagen lenken, dafür aber aus dem offenen Fenster schießen. Mehrfach getroffene Autos gehen irgendwann in einer gewaltigen Explosion auf. Das gleiche passiert, wenn man als Fahrer den Wagen zu sehr demoliert – sei es, weil man zu oft in den Gegenverkehr gerät oder Häuserwände touchiert. Stehen mehrere Wagen dicht nebeneinander, kann eine Explosion zu einer kleinen Kettenreaktion führen. Die verschiedenen Automodelle unterscheiden sich leicht in ihrem Fahrverhalten. Während eine Ferrari-Imitation stark beschleunigt, bricht eine kleine Smart-Variante weniger schnell mit dem Heck aus.
Wo das Vorbild Grand Theft Auto noch nervenzerreißende Verfolgungsjagden mit der Polizei in einer spannend erzählten Einzelspielerkampagne bot, setzt GCT derzeit vollständig auf einen Mehrspielermodus. Folglich benötigt man ein paar menschliche Kontrahenten, gegen die man im lokalen Netzwerk antritt. Server im Internet scheinen noch nicht zu existieren – zumindest in unseren Tests war der voreingestellte Server stets gähnend leer.
Hat man ein paar Mitstreiter gefunden, darf man in den von vielen Actionspielen gewohnten Modi gegeneinander antreten. So gewinnt bei Free for All derjenige, der die meisten Kontrahenten ins Jenseits befördern konnte. Im Capture the Flag-Modus gilt es hingegen die Fahne des gegnerischen Teams in den Häuserschluchten zu finden und in das eigene Versteck zu bringen. Im ausgefallen Hunting-Modus muss schließlich noch ein ausgewählter, wehrloser Spieler vor allen anderen flüchten. Für zukünftige GCT-Versionen sind weitere spezielle Spielmodi geplant, wie etwa ein klassisches Autorennen.
Für Abwechslung im Spielgeschehen sorgen wechselnde Tageszeiten und Wetterbedingungen: Während man bei Sonnenschein am Mittag jeden Hinterhof einsehen kann, mutieren bei regnerischem Gewitter in der Nacht dunkel lackierte Autos zu überraschenden Hindernissen. Obendrauf gibt es noch zahlreiche Bonusgegenstände, die etwa Schutz vor Explosionen bieten, eine kugelsichere Weste nachrüsten oder Verletzungen heilen.
Um Greedy Car Thieves spielen zu können, installiert man zunächst über den Paketmanager das NVIDIA-CG-Toolkit, WxWidgets GTK 2.8 und SDL_Image 1.2. Unter Ubuntu wären das die Pakete nvidia-cg-toolkit, libwxgtk2.8-dev und libsdl-image1.2. Anschließend angelt man sich auf der GCT-Homepage aus dem Download-Bereich das passende Linux-Archiv und entpackt es auf der Festplatte. Abschließend startet man das dabei herausgepurzelte Programm gct-game-startup (und nicht seinen Kollegen gct-game).
Es erscheint nun ein Fenster, auf dem man zunächst unter Options eine passende Auflösung wählt (Resolution) und sich unter Nickname einen Spielernamen verpasst. Anschließend geht es weiter auf das Register Host, wo man einen Spielmodus unter Gametype einstellt und eine dazu passende Map wählt. Max Players nimmt noch die maximal mögliche Spieleranzahl auf. Mit einem Klick auf Host startet man schließlich die Partie. Alle anderen Mitspieler tippen auf dem Register Join unter Adress die IP-Adresse des gastgebenden Computers ein. Anschließend sollte die laufende Partie in der Liste erscheinen. Per Join! nehmen sie dann Kontakt auf.
Im Spiel selbst tritt man der Partie mit [j] bei und wählt dann je nach Spielmodus das Team oder In Game. Via Spectator wird man zu einem reinen Zuschauer. Sobald man die Kontrolle über seine Spielfigur erhalten hat, kann man zunächst die Umgebung erkunden, erst via F3 nimmt man aktiv teil. Die Spielfigur gehorcht auf die Tasten [w],[a],[s],[d], die Lauf- und Schießrichtung gibt man mit der Maus und dem kleinen weißen Fadenkreuz vor. Sobald man eine Waffe aufgesammelt hat, wählt man sie über die Zifferntasten an. Die linke Maustaste löst einen Schuss aus, [r] lädt die Waffe nach.
Um in einen Wagen einzusteigen, stellt man sich in seine Nähe und drückt die Eingabetaste, mit der Rückschritttaste (Backspace) setzt man sich auf den Beifahrersitz. Ein übernommenes Auto steuert man am Besten mit den Pfeiltasten, die Leertaste zieht die Handbremse und sorgt so für spaßige Drifts. Die weitere Tastaturbelegung findet man in der Textdatei controls.txt im Unterverzeichnis docs des entpackten GCT-Archivs. Die anderen zwei dort deponierten Dateien liefern Informationen zu den vorhandenen Bonusgegenständen und den verfügbaren Waffen.
Die aktuelle GCT-Version hat noch einen kleinen Fehler: Sobald man einmal eine Partie gestartet hat, kann man über das gct-game-startup-Fenster immer nur eine neue Partie mit den gleichen Einstellungen starten. Um beispielsweise den Spielmodus oder die Karte zu wechseln, muss man zunächst das Programm verlassen und den im Hintergrund laufenden Spieleserver mit killall gct-server beenden.
GTA wurde einst für seine ziemlich gewalttätigen Inhalte kritisiert. Auch in GCT fließt ständig irgendwo Pixelblut, wenngleich es nicht ganz so martialisch wie in aktuellen 3D-Shootern zugeht. GTA hat damals eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten, in diesem Bereich wäre sicherlich auch Greedy Car Thieves anzusiedeln. Die Grafik bietet den Charme des Vorbildes, erreicht aber nicht ganz dessen Detailverliebtheit. Durch die fehlenden Polizeieinsätze geht zudem ein wichtiger und spannender Spielbestandteil verloren. Richtig Spaß macht GCT daher nur mit vielen realen Mitspielern, für zwei Personen sind die Karten teilweise etwas zu groß geraten, die Lauf- und Fahrwege somit zu weit.
Wohin die Reise des Spiels geht, wissen die polnischen Entwickler offenbar selbst noch nicht so ganz genau. Ein Einzelspielermodus, Verfolgungsjagden mit der Polizei und eine spannende Hintergrundgeschichte sind eigentlich fest eingeplant. Ob und wenn ja wann es sie geben wird, steht derzeit genau so in den Sternen, wie die Frage nach der Lizenz. Die erhältliche Vorabversion ist noch eine proprietäre Freeware, den Quellcode halten die Macher unter Verschluss. Eine kommerzielle Ausrichtung ist bei steigendem Interesse recht wahrscheinlich. Bis dahin können GTA-Fans mit den Vorabversionen im LAN spaßige Autodiebstähle erleben – vorausgesetzt sie finden genügend menschliche Mitspieler.
Greedy Car Thieves
| Bezugsquelle: | http://gct-game.net |
| Entwickler: | GCT Team |
| Lizenz: | eigene, proprietär |
| Preis: | derzeit kostenlos |
| Voraussetzungen: | mindestens Prozessor mit 1,6 GHz, 1 GB Hauptspeicher, GeForce 6150 M und aktivierter 3D-Grafik. |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://www.hemispheregames.com/osmos/
[2] GTA-Serie: http://de.wikipedia.org/wiki/Grand_Theft_Auto