Flutschender Teerklumpen

Ein Kanalschacht verbirgt mitunter so manche Überraschung. In diesem Fall springt eine dunkle Gestalt heraus, schnappt sich die liebreizende Bea und verschwindet mit ihr in der Unterwelt. So hatte sich Gish den Sonntagsspaziergang mit seiner Liebsten nicht vorgestellt. Ganz Gentleman springt er hinterher – oder vielmehr wabbert hinterher: Gish ist ein stattlicher schwarzer Teerklumpen.

Auf der Suche nach seiner Freundin Bea erkundet der Teerklumpen Gish die unfreundliche Kanalisation der Stadt Dross.

Die Kanalisation gehört zu Dross, einer längst vergessenen Stadt. Ihre Erbauer hatten offenbar ein Faible für Labyrinthe, anders kann man die verwinkelten, mit zahlreichen Fallen gespickten Gänge nicht erklären. Zu allem Überfluss hausen im Abwassersystem auch noch merkwürdige Kreaturen, die Gish immer wieder ans Leder wollen.

Gegnern wie diesem merkwürdigen grünen Monster sollte man besser nicht zu nahe kommen.

Schwere Gleitcreme

Der Spieler übernimmt die Geschicke des 12 Pfund schweren Teerklumpens Gish. Dieser kann nur durch die Gänge rollen, besitzt aber glücklicherweise noch ein paar Spezialfähigkeiten. Zunächst kann er sein Gewicht erhöhen. Auf diese Weise durchbricht er beispielsweise brüchige Mauern, zerquetscht seine Gegner oder sinkt im Wasser. Um durch Rohre oder schmale Ritzen zu flutschen, kann sich Gish ein klein wenig dünnflüssiger machen. Schließlich fährt Gish auf Kommando kleine Stahlnadeln aus. Mit ihnen klebt er an Wänden, hangelt sich an Decken entlang oder hebt kleinere Gegenstände hoch. Hüpfen kann der Teerklumpen ebenfalls. Dazu muss er sich allerdings erst zusammenziehen und dann seine glibbernde Masse mit Schwung nach oben katapultieren. Je besser das gelingt, desto höher springt er.

Dank der ausfahrbaren Stacheln kann Gish Wände hochklettern und an der Decke entlangfahren.

Seine Fähigkeiten muss Gish wohlüberlegt und häufig sogar noch kombiniert einsetzen. Um beispielsweise eine Tür zu öffnen, muss er zunächst eine Kiste mit den Stacheln aufnehmen und sie dann auf einem im Boden eingelassenen Schalter abstellen. Ein anderes Mal rutscht er schwer und schleimig in Hochgeschwindigkeit eine schiefe Ebene herunter. Bis Gish seine Freundin wiedergefunden hat, muss er 34 Level durchqueren, in denen über 10 verschiedene Gegnertypen auf ihn warten.

Freie Auswahl

Zusätzlich und unabhängig von der Hintergrundgeschichte gibt es noch spezielle Collection-Level. In ihnen muss Gish möglichst schnell alle herumliegenden Bernsteine einsammeln. Darüber hinaus darf man gegen einen Freund in fünf verschiedenen Mehrspieler-Duellen antreten. So muss man beispielsweise im Sumo-Modus den Gegner von einer rotierenden Plattform stoßen, während man beim Fußball natürlich der Ball in das gegnerische Tor gehört. Wem das alles samt zahlreicher Bonuslevel noch nicht ausreicht, kann sich mit dem eingebauten Editor eine eigene Kanalisation zusammenbasteln.

In Collection-Leveln wie diesem muss man möglichst schnell die goldenen Klümpchen einsammeln. Das gelingt meist nur, wenn man Gishs Fähigkeiten meisterlich beherrscht.

Entwickler Chronic Logic verkauft Gish auf seiner Homepage für einen frei wählbaren Preis [1]. Im Einzelhandel findet man vereinzelt noch eine Box-Version, auf dessen DVD jedoch die Linux-Version fehlt. Der Kauf über die Homepage stellt zudem sicher, dass die Entwickler den vollen Preis bekommen.

Macht man Gish etwas dünnflüssiger, rutscht er auch schmale Spalten herab.

Erste Rutschversuche

Wer noch unschlüssig ist, darf Gish mit einer Demo-Version ausprobieren. Sie erhält man auf der Homepage mit einem Klick auf Free Demo. Auf der neuen Seite lädt man sich die LINUX Demo herunter, entpackt das Archiv auf der Festplatte und startet dann das Programm gishdemo. Wer ein 64-Bit-System nutzt, führt hingegen gishdemo_64 aus. Bereits installiert sein müssen die Bibliotheken SDL, OpenAL, libvorbis und libogg.

Im Practice-Modus darf man in einem speziellen Level Gishs Steuerung gefahrlos ausprobieren und einüben.

Im Hauptmenü wählt man Start, klickt einen der Slots an, vergibt einen Namen, klickt auf Create, entscheidet sich für New Game und startet nach der kleinen Einführung schließlich den ersten Level über Start. Mit den Pfeiltasten bewegt man Gish, [a] fährt die Nägel aus, [s] lässt den Teerklumpen erweichen, [d] macht ihn schwerer und die Leertaste lässt ihn hüpfen. Letzteres gelingt aber nur in geschickter Kombination mit den Pfeiltasten.

Fazit

Gish erfindet das Jump-and-Run-Prinzip nicht neu, bietet aber mit dem Teerklumpen und seinen physikalischen Eigenschaften eine erfrischende Idee. Die 2D-Grafik im Comic-Stil ist nett anzuschauen, aber nicht überragend. Man erkennt deutlich, dass sich die Landschaften aus einigen wenigen Bausteinen zusammensetzen. Da die Level zudem teilweise recht groß sind, verliert man schon einmal die Orientierung. Die Steuerung ist recht fummelig geraten, weshalb es ein klein wenig Übung kostet, die ganzen Talente punktgenau abzurufen.

Damit sich die Tür öffnet, muss Gish den Stein auf den kleinen Knubbel rechts neben ihn setzen. Nur dann öffnet sich rechts das Tor.

Nichtsdestotrotz macht es Spaß, den kleinen grinsenden Teerklumpen durch die Kanalisation zu treiben. Der Einzelspielermodus dürfte eine ganze Weile an den Bildschirm fesseln und wartet zudem am Ende mit einer kleinen Überraschung auf. Der Collection-Modus und die unkomplizierten Mehrspielermodi bieten hingegen nur einen schnellen Spaß für die Mittagspause. Wer Jump-and-Run-Spiele mag, sollte zunächst die Demo-Version anspielen, sich überlegen, was ihm das Spiel wert ist und es dann direkt bei den Entwicklern kaufen.

Grish

Bezugsquelle: http://chroniclogic.com/gish.htm
Entwickler: Chronic Logic
Lizenz: Kommerziell
Preis: Frei wählbar
Voraussetzungen: Mindestens 1 GHz Prozessor, 3D-Grafikkarte, 256 MB Hauptspeicher

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://chroniclogic.com/gish.htm

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