Flotter Hüpfer

Das Spiel zum Wochenende: Frogatto and Friends

04.09.2010 Ein kleiner grüner Frosch hüpft in diesem klassischen Jump and Run durch wunderschön gezeichnete Landschaften und versucht mit seiner waffenscheinpflichtigen Zunge sein Heimatdorf von bösen Monstern zu befreien.

Langschläfer Frogatto hat heute Morg… ähm Mittag kein Glück: Fürs Frühstück ist es schon zu spät, das Mittagessen noch nicht fertig und zu allem Überfluss soll er sich auch noch eine Arbeit suchen. Da kommt es gerade recht, dass der fiese Milgram im Dorf ausstehende Gelder eintreibt. Mit der Aussicht auf eine hohe Belohnung nimmt der kleine Frosch den Kampf mit dem bösen Schergen auf.

Abbildung 1: Frogatto hüpft durch liebevoll gezeichnete Landschaften.

Klassische Hüpfburg

In Frogatto & Friends blickt der Spieler seitlich auf ein ziemlich unwegsames Gelände, durch das er den grünen Hauptdarsteller bugsieren muss. Wie jeder ordentliche Frosch kann er Hindernisse überspringen und erreicht mit einem Spezialsprung auch höher gelegene Plattformen. Feindlich gesinnte Pelztierchen fängt Frogatto mit der Zunge ein, stellt sie in seinem Mund vorübergehend ruhig und setzt dann den zerkauten Gegner bei Bedarf als Geschoss ein.

Abbildung 2: Mit der Zunge fängt Frogatto die angriffslustige Fauna ein.

Frogatto orientiert sich sichtlich an den klassischen Jump and Run-Spielen der 80er und 90er Jahre, wie etwa Giana Sisters, Super Mario Bros. oder Donkey Kong Country. Die exzellent gezeichnete Grafik weist einen leicht pixeligen Charme auf und erzeugt damit eine dezente Retro-Atmosphäre. Obwohl das Jump and Run in zwei Dimensionen einher kommt, benötigt man eine aktuelle Grafikkarte mit aktivierter 3D-Beschleunigung.

Abbildung 3: Bossgegner wie dieser Rote Baron erfordern eine gut geplante Angriffstaktik.

Kartograf

In den riesigen, verwinkelten Leveln sind nicht nur zahlreiche Plattformen, Gewässer und andere Hindernisse zu überwinden, überall herumliegende Bonusgegenstände und Geheimverstecke laden auch zum Erkunden ein. Zahlreiche kuriose Monster mit unterschiedlichen Angriffstaktiken, größere Zwischengegner ("Bosskämpfe") und kleine Puzzles sorgen für weitere Abwechslung. So muss man beispielsweise für Frogattos Freundin Nene den Keller von zwei Ameisen befreien. Als Belohnung winkt ein Bonusgegenstand.

Abbildung 4: Ein Plausch mit wohlgesinnten Freunden treibt nicht nur die Handlung voran, Frogatto erhält auch so Aufträge.

Der Frosch besitzt ein eigenes Bankkonto, das sich im Laufe des Spiels durch eingesammelte Münzen füllt. Mit dem mühsam Angesparten rüstet man Frogatto in einem Laden auf. Unter anderem darf man ihm eine längere Zunge oder eine höhere Spuckkraft verpassen. Sterben kann man nicht, sobald Frogatto seine Lebensenergie aufgebraucht hat, setzt ihn das Spiel zum letzten Speicherpunkt zurück.

Abbildung 5: In solchen Klohäuschen darf man den Zwischenstand speichern. Die Fragezeichen geben wertvolle Tipps zum Spielablauf.

Dicker Brocken

Wer Frogatto unter Linux spielen möchte, muss auf der Projekt-Homepage [1] mangels Alternative zum circa 130 MB großen Source-Archiv greifen und das Spiel per Hand übersetzen. Nur für Ubuntu-Nutzer stehen fertige DEB-Archive unter [2] bereit.

Abbildung 6: Solche Felsspalten erklimmt Frogatto mit einem speziellen Kombinationssprung. Der Springsbrunnen zu linken Hand frischt die Lebensenergie wieder auf.

Um Frogatto zu erstellen, installiert man zunächst über den Paketmanager den C++ Compiler nebst make, sowie die Entwicklerpakete zu Boost, SDL, SDL_Image, SDL_Mixer, SDL_ttf, libpng, GLEW sowie ccache und libz (alias zlib). Unter openSUSE 11.3 wären dies beispielsweise die Pakete gcc-c++, boost-devel, libsdl-devel, libsdl_image-devel, libsdl_mixer-devel, libsdl_ttf-devel, ccache, zlib-devel, libpng14-devel und glew-devel. Jetzt ruft man im Verzeichnis des entpackten Quellcode-Archivs make auf und hofft das Beste. Fehlern oder Problemen muss man selbst auf den Grund gehen, mitunter bedeutet dies sogar das kryptische Makefile anzupassen. Ging alles glatt, startet man das erstellte Programm game.

Abbildung 7: Mit seiner Zunge räumt Frogatto auch leicht zerstörbare Hindernisse, wie diese Kisten aus dem Weg.

Auf dem Sprung

Im Eingangsbildschirm steuert man Frogatto mit der linken Pfeiltaste zur Tür und startet dann das eigentliche Spiel mit der Pfeiltaste nach oben. Die nun folgenden, ersten Bildschirme führen langsam in die Bedienung und die Hintergrundgeschichte ein.

Frogatto steuert man auch hier über die Pfeiltasten, der Pfeil nach oben liest einen Hinweis oder öffnet eine Tür, mit dem Pfeil nach unten duckt sich der Frosch. Zum Sprung setzt er mit [a] an, die Zunge streckt er mit [s] aus. Einen darüber geschluckten Gegner spuckt man wieder per [s] aus. Sofern man dabei keinen anderen Gegner getroffen hat, bleibt das durchgekaute Pelztier einen Moment bewusstlos liegen. In dieser Zeit kann man es mit einem gezielten Sprung endgültig ins Nirwana schicken. Gegenstände wie etwa einen Schlüssel, nimmt Frogatto ebenfalls mit seiner Zunge auf, beim Ausspucken wendet der Frosch sie automatisch an.

Abbildung 8: Viele Plattformen erfordern gezielte Sprünge. Zum Glück bleibt ein Sturz in die Tiefe ohne Folgen.

Quanta Costa

Neben der Linux-Version gibt es Frogatto auch für Windows, Mac OS X und das iPhone. Während Computerbesitzer kostenlos hüpfen dürfen, müssen Mobiltelefonierer im App-Store die Geldbörse zücken und 5 Dollar berappen.

Während der eigentliche Programmcode unter der GPL steht, bleiben die Grafiken, die Musik und alle übrigen Spielinhalten unter Verschluss. Interessenten können so zwar auf Basis von Frogatto ihr eigenes 2D-Spiel entwickeln, es aber nicht noch einmal kostenlos auf dem iPhone veröffentlichen und so den Entwicklern hinten herum den Geldhahn abdrehen.

Immerhin planen sie, das Spiel um weitere Inhalte zu ergänzen und die vorhandenen aufzupolieren. So sind unter anderem automatisch generierte Level in Arbeit, die niemals enden und somit aus Frogatto ein kleines Arcade-Spiel machen.

Abbildung 9: Frogatto kann zwar als Frosch schwimmen, unter Wasser aber seine Zunge nicht benutzen. Im hier gezeigten Fall sollte man sich Bad folglich gut überlegen.

Fazit

Frogatto and Friends ist schon längst kein Geheimtipp mehr, einige Internetseiten zählen das Jump and Run sogar schon zur Riege der besten kostenlosen Linuxspiele. Nicht ganz zu unrecht: Die Pixel-Art Grafik [3] ist auf dem Niveau von Vollpreisspielen, die Hintergrundgeschichte motiviert, der Schwierigkeitsgrad steigt langsam an, die Landschaften sind abwechslungsreich und herausfordernd. Da verzeiht man gerne, dass die piepsende Hintergrundmusik schon nach wenigen Sekunden an den Nerven zerrt, die Bedienung gerade bei den Spezialsprüngen etwas fummelig geraten ist und das gesamte Spiel sehr stark an Superfrog aus dem Jahr 1993 erinnert [4]. Mit dem Klempner-Duo auf Nintendos Spielekonsole hält der grüne Frosch aber locker mit – und das unter Linux auch noch vollkommen kostenlos.

Frogatto and Friends

Bezugsquelle: http://www.frogatto.com/
Entwickler: Hemisphere Games
Lizenz: Programm GPL, Spieldaten proprietär
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://www.frogatto.com/

[2] Fertige Pakete für Ubuntu: http://www.frogatto.com/forum/index.php?topic=20.0

[3] Pixel-Art Grafikstil: http://de.wikipedia.org/wiki/Pixel-Art

[4] Superfrog: http://en.wikipedia.org/wiki/Superfrog

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Kommentare
dem kann ich nur zustimmen
Ghost (unangemeldet), Sonntag, 05. September 2010 20:09:35
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Ich kann dem auch nur zustimmen aber das schönste ist wenn es sich bei der Spielvorstellung um ein Freewaregame handelt.

wünsche noch viel Spaß
Ghost


Bewertung: 69 Punkte bei 1 Stimme.
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Ich finde die "Kolumne" toll
anonymer feigling (unangemeldet), Samstag, 04. September 2010 22:23:07
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Ich finde die "Das Spiel zum Wochenende" Serie super :)
Habe dabei schon viele schöne Spiele entdeckt auf die ich sonst nie gekommen wäre.


Bewertung: 95 Punkte bei 3 Stimmen.
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Re: Ich finde die "Kolumne" toll
Tim Schürmann, Sonntag, 05. September 2010 22:56:12
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Vielen Dank für die Blumen. :)

Wir werden uns auch in Zukunft bemühen interessante Linux-Spiele auszugraben.


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