In einer fernen Zukunft hat der Computerkonzern MegaSys die Herrschaft übernommen. Die mit seinem Betriebssystem ausgestatteten Roboter zettelten jedoch dummerweise eine Rebellion an, in der sie fast die gesamte Menschheit vernichteten. Übrig blieb nur noch eine kleine Widerstandsgruppe, die sich nun Hilfe von einem mannshohen, außerirdischen Pinguin erhofft.
Im Spiel FreedroidRPG übernimmt natürlich der Spieler die Geschicke dieses einsamen Helden. Wie in anderen klassischen Rollenspielen streift er mit ihm durch ausgedehnte Landschaften und kämpft dort mit unterschiedlichen Waffen gegen mordlustige Roboter. Während seiner Reise trifft er immer wieder auf gut gesinnte wie kuriose Charaktere, die sowohl die Handlung vorantreiben, als auch Aufträge erteilen. Erfüllt man diese, erhält man nützliche Objekte oder wichtige Informationen.
Mehr oder weniger nützliche Gegenstände verstecken sich auch immer wieder in den zahlreich wie achtlos in der Landschaft herumstehenden Truhen. Darüber hinaus lässt sich so manch besiegter Roboter gewinnbringend ausschlachten. Die gesammelten Objekte darf man im Dorf der Menschen verkaufen oder in Reparatur geben. Wer liquide genug ist, kann dort natürlich auch neue Ausrüstungsgegenstände erwerben. Alternativ betreiben einige Charaktere am Wegesrand regen Tauschhandel.
Ähnlich wie im Klassiker Diablo [3] laufen die Kämpfe in Echtzeit ab: Ein Klick auf einen Gegner genügt und schon drischt der Pinguin auf ihn ein. Die in anderen Rollenspielen üblichen Zaubersprüche ersetzt FreedroidRPG durch Computerprogramme. Sie heilen unter anderem den Helden oder machen angreifende Roboter für einen kurzen Zeitraum bewegungsunfähig.
Darüber hinaus kann der Held seine Kontrahenten nicht nur mit Waffengewalt zu Schrott verarbeiten, sondern sie auch "hacken" und so für sich selbst kämpfen lassen. Dazu muss der Spieler allerdings ein kleines Logikspiel gewinnen, das aus dem legendären Knobelspiel Paradroid stammt [2]: In einem, nach dem Zufallsprinzip erstellten Schaltplan gilt es unter Zeitdruck möglichst viele Leitungen unter Strom setzen und sie so in der eigenen Farbe einzufärben. Hat man nach Ablauf der Zeit mehr Leitungen angeknipst als der gegnerische Roboter, gilt er als übernommen.
FreedroidRPG liegt derzeit nur im Quellcode vor. Wer es spielen möchte, muss daher zunächst über den Paketmanager die Entwicklerpakete zu SDL, SDL_Image, SDL_Mixer und libjpeg, sowie alle ihre Abhängigkeiten installieren. Unter Ubuntu genügen dazu die Pakete libsdl1.2-dev, libsdl-image1.2-dev, libsdl-mixer1.2-dev und libjpeg62-dev. Anschließend angelt man sich von der FreedroidRPG-Homepage im Download-Bereich die aktuelle Version. Linux-Nutzer benötigen das .tar.gz.-Archiv. Nachdem man es auf der Festplatte entpackt hat, öffnet man ein Terminalfenster und übersetzt das Spiel im neu entstandenen Verzeichnis mit dem üblichen Dreisatz:
./configure make sudo make install
Das Rollenspiel startet dann der Befehl freedroidRPG.
Als Neuling sollte man unbedingt als erstes das Tutorial durchlaufen. Es führt in die relativ komplexe Bedienung ein. Schon alleine dafür sollte man allerdings durchaus eine Stunde Zeit reservieren. Ganz kurz gefasst steuert man den Pinguin hauptsächlich mit der linken Maustaste. Ein Klick auf eine Stelle genügt und schon watschelt er los. Einem angeklickten Feind zieht der Held sofort seine Waffe über den Blechschädel, einen Freund spricht er hingegen automatisch an. Auf die gleiche Weise nimmt man Gegenstände auf, die umgehend ins Inventar wandern. Dies öffnet wiederum die Taste [i]. Jeder Gegenstand nimmt dort mehrere Felder ein, per Drag & Drop sortiert man sie um oder schmeißt sie wieder in die Karte. Gegenstände in den Feldern um den Pinguin trägt der Held am Körper beziehungsweise in der Hand.
FreedroidRPG ist ein klassisches Rollenspiel, das stundenlang an den Bildschirm fesselt. Die isometrische 2D-Grafik kann sich durchaus sehen lassen, wenngleich die Animationen arg hölzern wirken. Der Spieler muss gute Englischkenntnisse, sowie den Willen mitbringen, sich durch Unmengen Text zu lesen. Viele darin versteckte Anspielungen verstehen zudem nur Computerkenner und Liebhaber von Open Source-Software.
Das Übernehmen der Roboter bietet eine interessante strategische Komponente, die jedoch etwas lieblos aufgesetzt wirkt. Meist ist es einfacher, eine dicke Wumme zu zücken und den Gegner in Altmetall zu verwandeln.
Liebhaber von Echtzeitrollenspiel dürften jedoch über diese Details hinwegsehen und mit FreedroidRPG zahlreiche Regentage überbrücken. Und wem die mitgelieferten, teilweise riesigen Karten immer noch nicht ausreichen, der erschafft kurzerhand mit dem eingebauten Karteneditor neue eigene Welten.
FreedroidRPG
| Bezugsquelle: | http://www.freedroid.org/ |
| Entwickler: | Freedroidrpg-Projekt |
| Lizenz: | GPL v2 |
| Preis: | kostenlos |
| Voraussetzungen: | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://www.freedroid.org/
[2] Paradroid: http://de.wikipedia.org/wiki/Paradroid
[3] Diablo: http://de.wikipedia.org/wiki/Diablo_(Computerspiel)