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Redselige Verschrottungsorgie

Das Spiel zum Wochenende: FreedroidRPG

30.04.2011
Wenn der Spieleklassiker Paradroid aus den 80ern auf das zehn Jahre ältere Diablo trifft, entsteht ein interessantes Action-Rollenspiel, das nicht nur mit seinen langatmigen Dialogen stundenlang vor den Bildschirm fesselt.

In einer fernen Zukunft hat der Computerkonzern MegaSys die Herrschaft übernommen. Die mit seinem Betriebssystem ausgestatteten Roboter zettelten jedoch dummerweise eine Rebellion an, in der sie fast die gesamte Menschheit vernichteten. Übrig blieb nur noch eine kleine Widerstandsgruppe, die sich nun Hilfe von einem mannshohen, außerirdischen Pinguin erhofft.

Abbildung 1: Ein Klick auf einen Gegner genügt, um ihn anzugreifen. Zu Beginn kann man sich nur mit einem einfachen Schraubenschlüssel draufhauen – was in den meisten Fällen jedoch schon ausreicht.

Same Procedure

Im Spiel FreedroidRPG übernimmt natürlich der Spieler die Geschicke dieses einsamen Helden. Wie in anderen klassischen Rollenspielen streift er mit ihm durch ausgedehnte Landschaften und kämpft dort mit unterschiedlichen Waffen gegen mordlustige Roboter. Während seiner Reise trifft er immer wieder auf gut gesinnte wie kuriose Charaktere, die sowohl die Handlung vorantreiben, als auch Aufträge erteilen. Erfüllt man diese, erhält man nützliche Objekte oder wichtige Informationen.

Abbildung 2: In der Stadt der Menschen lassen sich Waren handeln und Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Mehr oder weniger nützliche Gegenstände verstecken sich auch immer wieder in den zahlreich wie achtlos in der Landschaft herumstehenden Truhen. Darüber hinaus lässt sich so manch besiegter Roboter gewinnbringend ausschlachten. Die gesammelten Objekte darf man im Dorf der Menschen verkaufen oder in Reparatur geben. Wer liquide genug ist, kann dort natürlich auch neue Ausrüstungsgegenstände erwerben. Alternativ betreiben einige Charaktere am Wegesrand regen Tauschhandel.

Abbildung 3: Im Laufe des Spiels gewinnt der kleine Pinguin an Erfahrung. Die dabei als Belohnung erhaltenen Punkten darf man auf seine Eigenschaften und Fähigkeiten verteilen und sie so gezielt verbessern.

Hau drauf

Ähnlich wie im Klassiker Diablo [3] laufen die Kämpfe in Echtzeit ab: Ein Klick auf einen Gegner genügt und schon drischt der Pinguin auf ihn ein. Die in anderen Rollenspielen üblichen Zaubersprüche ersetzt FreedroidRPG durch Computerprogramme. Sie heilen unter anderem den Helden oder machen angreifende Roboter für einen kurzen Zeitraum bewegungsunfähig.

Abbildung 4: Die Templar-Roboter schießen zurück. Ob ein Charakter feindlich gesinnt ist, verrät sein roter Balken über dem Kopf.

Darüber hinaus kann der Held seine Kontrahenten nicht nur mit Waffengewalt zu Schrott verarbeiten, sondern sie auch "hacken" und so für sich selbst kämpfen lassen. Dazu muss der Spieler allerdings ein kleines Logikspiel gewinnen, das aus dem legendären Knobelspiel Paradroid stammt [2]: In einem, nach dem Zufallsprinzip erstellten Schaltplan gilt es unter Zeitdruck möglichst viele Leitungen unter Strom setzen und sie so in der eigenen Farbe einzufärben. Hat man nach Ablauf der Zeit mehr Leitungen angeknipst als der gegnerische Roboter, gilt er als übernommen.

Abbildung 5: Wer dieses Minispiel gewinnt, übernimmt den gegnerischen Roboter.

Einschalter

FreedroidRPG liegt derzeit nur im Quellcode vor. Wer es spielen möchte, muss daher zunächst über den Paketmanager die Entwicklerpakete zu SDL, SDL_Image, SDL_Mixer und libjpeg, sowie alle ihre Abhängigkeiten installieren. Unter Ubuntu genügen dazu die Pakete libsdl1.2-dev, libsdl-image1.2-dev, libsdl-mixer1.2-dev und libjpeg62-dev. Anschließend angelt man sich von der FreedroidRPG-Homepage im Download-Bereich die aktuelle Version. Linux-Nutzer benötigen das .tar.gz.-Archiv. Nachdem man es auf der Festplatte entpackt hat, öffnet man ein Terminalfenster und übersetzt das Spiel im neu entstandenen Verzeichnis mit dem üblichen Dreisatz:

./configure
make
sudo make install

Das Rollenspiel startet dann der Befehl freedroidRPG.

Abbildung 6: Die Welt von FreedroidRPG kennt auch unterschiedliche Tageszeiten. Über Terminals wie dem rechts im Bild, öffnet man unter anderem verschlossene Türen.

Als Neuling sollte man unbedingt als erstes das Tutorial durchlaufen. Es führt in die relativ komplexe Bedienung ein. Schon alleine dafür sollte man allerdings durchaus eine Stunde Zeit reservieren. Ganz kurz gefasst steuert man den Pinguin hauptsächlich mit der linken Maustaste. Ein Klick auf eine Stelle genügt und schon watschelt er los. Einem angeklickten Feind zieht der Held sofort seine Waffe über den Blechschädel, einen Freund spricht er hingegen automatisch an. Auf die gleiche Weise nimmt man Gegenstände auf, die umgehend ins Inventar wandern. Dies öffnet wiederum die Taste [i]. Jeder Gegenstand nimmt dort mehrere Felder ein, per Drag & Drop sortiert man sie um oder schmeißt sie wieder in die Karte. Gegenstände in den Feldern um den Pinguin trägt der Held am Körper beziehungsweise in der Hand.

Abbildung 7: Über Computerprogramme ruft man Spezialfähigkeiten ab. Ein Klick auf das Fragezeichen liefert eine Kurzbeschreibung.

Fazit

FreedroidRPG ist ein klassisches Rollenspiel, das stundenlang an den Bildschirm fesselt. Die isometrische 2D-Grafik kann sich durchaus sehen lassen, wenngleich die Animationen arg hölzern wirken. Der Spieler muss gute Englischkenntnisse, sowie den Willen mitbringen, sich durch Unmengen Text zu lesen. Viele darin versteckte Anspielungen verstehen zudem nur Computerkenner und Liebhaber von Open Source-Software.

Abbildung 8: Dialoge wie dieser hier laufen nach dem Multiple-Choice-Prinzip ab.

Das Übernehmen der Roboter bietet eine interessante strategische Komponente, die jedoch etwas lieblos aufgesetzt wirkt. Meist ist es einfacher, eine dicke Wumme zu zücken und den Gegner in Altmetall zu verwandeln.

Liebhaber von Echtzeitrollenspiel dürften jedoch über diese Details hinwegsehen und mit FreedroidRPG zahlreiche Regentage überbrücken. Und wem die mitgelieferten, teilweise riesigen Karten immer noch nicht ausreichen, der erschafft kurzerhand mit dem eingebauten Karteneditor neue eigene Welten.

FreedroidRPG

Bezugsquelle: http://www.freedroid.org/
Entwickler: Freedroidrpg-Projekt
Lizenz: GPL v2
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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Einzelne Ausgabe
 

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Kommentare
FreedroidRPG 0.15rc1
Matthias Krüger (unangemeldet), Samstag, 26. November 2011 13:18:13
Ein/Ausklappen

FreedroidRPG 0.15rc1 ist seit kurzem draußen, hier http://www.freedroid.org/ne...le/freedroidrpg-015rc1-is-out/ ist die offizielle Ankündigung, hier http://sourceforge.net/proj...reedroid/files/latest/download geht's zum Download.


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