Ablenkungsmanöver

Force:Leashed sperrt den Spieler in eine Art Lagerhalle. Mittendrin steht ein Schuhkarton, der unablässig kleine Raketen abfeuert. Diese Raketen gilt es auf eine große Spezialwand zu lenken. Nach einer vorgegebenen Anzahl von Treffern öffnet sich ein Rolltor, durch das man in die nächste Lagerhalle flieht.

Die Kiste rechts im Bild verschießt Raketen, die auf die Spezialwand links im Bild treffen müssen – wie die Lampen zeigen, müssen es in diesem Fall mindestens sechs Raketen sein. ...

Anziehend

Dummerweise steht die große Spezialwand nie direkt in der Schusslinie. Man kommt daher nicht umhin, die Raketen während des Fluges abzulenken. Das übernehmen spezielle Leuchtstäbe. Diese sogenannten Attractors kann man einsammeln und neben der Raketenflugbahn aufstellen. Um sich herum erzeugen die Leuchtstäbe ein Gravitationsfeld. Je näher ein Stab an der Raketenflugbahn steht, desto stärker lenkt er die Raketen von ihrer geraden Fluglinie ab – die Rakete fliegt eine mehr oder weniger große Kurve. Diesen Effekt kann man zusätzlich verstärken oder abschwächen, indem man den Stab über das Mausrad vergrößert beziehungsweise verkleinert.

... Also schnappt man sich den Leuchtstab von seinem Podest und setzt ihn rechts neben die Flugbahn ...

Gemeinerweise stehen die Stäbe immer nur in limitierter Anzahl zur Verfügung. Zusätzlich rotieren sie um die eigene Achse – oder besser gesagt: Sie eiern vor sich hin. Folglich lenken sie die Raketen nicht nur nach links und rechts ab, sondern auch nach oben und unten. Häufig kommt man daher nicht umhin, auch die Wände, Rampen und andere Hindernisse mit in seine Überlegungen einzubeziehen.

... womit sein Gravitationsfeld die Raketen nach rechts auf die Wand ablenkt.

Als wäre das noch nicht genug, unterscheidet das Spiel auch noch zwischen roten und blauen Raketen: Die roten können nur rote Stäbe ablenken, die blauen lassen sich nur von blauen Stäben beeinflussen. In einigen Lagerhallen kann man die Raketen immerhin über Spezialwände umfärben.

Solche Wände färben die auftreffenden Raketen um.

Quickie

Der Finne Pekka Väänänen entwickelte Force:Leashed ursprünglich im Rahmen des 7DFPS-Wettbewerbes [2]. Wie die Zeichenkürzel andeuten, mussten die Teilnehmer in sieben Tagen einen First-Person-Shooter erstellen. Auf der Assembly 2012 reichte Pekka Väänänen eine verbesserte Version ein und landete damit prompt auf dem zweiten Platz [3].

Spätere Rätsel verlangen das Denken in allen drei Dimensionen: Hier muss man die von der Decke regnenden Raketen über den Boden und dann zur Decke im hinteren Teil lenken.

Auf seiner Homepage steht Force:Leashed zum kostenlosen Download bereit [1]. Man muss lediglich auf den großen Linux-Knopf klicken und das so erhaltene ZIP-Archiv auf der Festplatte entpacken. Der Aufruf des Skripts run.sh startet das Spiel. Besitzer eines 64-Bit-Systems müssen zuvor die run.sh mit einem Editor öffnen und die Zeichenkette darkplaces-linux-686-glx gegen darkplaces-linux-x86_64-glx austauschen.

Im Spiel bewegt man sich über die Tasten [w], [a], [s], [d] und blickt sich mit der Maus um. Die linke Maustaste nimmt einen Stab auf und lässt ihn auch wieder fallen. Mit dem Mausrad schraubt man an der Größe des Stabes, mit der rechten Maustaste verändert man seine Höhe.

Gerade in den späteren Rätseln trifft man immer wieder auf solche fest installierten Gravitationsfelder.

Fazit

Force:Leashed erinnert ziemlich stark an Portal, hat mit diesem aber eigentlich nichts gemein. Es dauert eine Weile, bis man sich mit der Physik und den Eigenheiten der Leuchtstäbe angefreundet hat. Dann jedoch macht es unglaublich viel Spaß, sich eine möglichst effiziente Route durch die teilweise recht verwinkelten Lagerhallen auszudenken. Da sieht man dann auch über die extrem karge und hässliche Umgebung hinweg.

Durch diese Barrieren kann man keine Leuchtstäbe (Attractors) mitnehmen.

Allerdings hätten es durchaus ein paar Rätsel mehr sein dürfen: Gerade wenn man das Hirn auf Betriebstemperatur geknobelt hat, ist der Spaß auch schon wieder vorbei. Hier merkt man deutlich, dass Force:Leashed unter Zeitdruck entstanden ist. Bleibt zu hoffen, dass Pekka Väänänen noch ein paar Rätsel nachreicht – oder die Fangemeinde einspringt.

Force:Leashed

Bezugsquelle: http://www.kepuli.com/force_leashed/
Entwickler: Pekka Väänänen (alias Kepuli Games)
Lizenz: GPL
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.kepuli.com/force_leashed/

[2] 7DFPS:
http://7dfps.org/

[3] Assmebly Summer 2012, Ergebnisse des Spielewettbewerbs:
http://www.assembly.org/summer12/news/assembly-summer-2012-final-results

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Kommentare
Leider nichts für Debian (das fertige Paket)
Björn (unangemeldet), Samstag, 25. August 2012 14:45:54
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Aufgrund fehlender passender Bibliothek erst mal nichts für Debian
./data/darkplaces-linux-x86_64-glx: /lib/x86_64-linux-gnu/libc.so.6: version `GLIBC_2.14' not found (required by ./data/darkplaces-linux-x86_64-glx)

Package libc-bin
squeeze (stable) (libs): Embedded GNU C Library: Binaries
2.11.3-3
wheezy (testing) (libs): Embedded GNU C Library: Binaries
2.13-35
sid (unstable) (libs): Embedded GNU C Library: Binaries
2.13-35

Quelle: http://packages.debian.org/...&suite=all&section=all

Da hilft wohl nur neu übersetzen. Hat das schon jemand getan?


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Re: Leider nichts für Debian (das fertige Paket)
Tim Schürmann, Montag, 27. August 2012 09:42:54
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Die Übersetzung habe ich (noch) nicht ausprobiert. Es sollte aber eigentlich kein Problem sein, weil das Spiel die DarkPlaces-Engine benutzt:

http://icculus.org/twilight/darkplaces/

Und die sollte sich auch problemlos auf Debian übersetzen lassen.



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Re: Leider nichts für Debian (das fertige Paket)
Pit (unangemeldet), Montag, 27. August 2012 15:22:18
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Die Quellen der verwendeten Version sind ja dabei. Also
cd data
unzip darkplacesenginesource20120126beta1.zip
cd darkplaces
make release
cp darkplaces-glx ../

Dann noch die run.sh im TopLevelDir anpassen damit Dein Binary verwendet wird.

Eventuell fehlen Dir development-Pakete. Das gibt dann Fehlermeldungen beim 'make'. I.a. fehlt dann eine include-datei. Log anschauen was fehlt und entsprechende Pakete installieren...
(genauer geht nicht - hab OS)


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