Gelbe Tonnen

Das Spiel zum Wochenende: Dead Cyborg

Im Adventure Dead Cyborg erwacht der Spieler plötzlich aus einem Kälteschlaf. Das Gedächtnis scheint im Laufe der Zeit verloren gegangen zu sein, jedenfalls kann man sich weder daran erinnern, wer man war, noch wo man sich befindet. Die Umgebung wirkt auf den ersten Blick wie eine verlassene Raumstation, die langsam vor sich hin zerfällt und mit starker Radioaktivität kontaminiert ist.

Abbildung 1

Abbildung 1: In dieser Kammer mit vier Kältekammern wacht der Spieler ohne Gedächtnis auf.

Die übrige Besatzung scheint tot oder geflohen zu sein. Daraufhin weisen zumindest kleine grüne Holo-Würfel, die bei Berührung kleine Erinnerungsfetzen ihrer ehemaligen Besitzer wiedergeben. Einzig zurückgeblieben sind zahlreiche Roboter, die meist in Form von großen gelben Tonnen weiterhin stur ihrer Arbeit nachgehen. Sie versperren aber nicht nur den Weg und geben dumme bis lustige Kommentare von sind, sondern liefern teilweise auch wertvolle Informationen. Die sind dringend nötig, denn die hochkonzentrierte Radioaktivität in der Luft schwächt zunehmend auch den eigenen Körper. Höchste Zeit also, einen Weg aus dem beklemmenden, rostigen Müllhaufens zu finden.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die großen gelben Roboter sind manchmal Hindernis, manchmal Helfer. Dieser Kerl hier hat erst den Weg nach einem kleinen Geschenk freigegeben.

Bleibt alles anders

Wie in anderen Adventures muss man dazu auch in Dead Cyborg die kleinen grauen Zellen anstrengen und zahlreiche Rätsel lösen. Das ist aber auch schon das einzig gewohnte. Statt mit der Maus Gegenstände anzuklicken, durchstreift man ähnlich wie in der Penumbra-Reihe [2] die Gänge aus der Ich-Perspektive. In dieser Beziehung ähnelt Dead Cyborg einem 3D-Actionspiel. Des Weiteren lässt sich der Spielstand nicht speichern. Stattdessen erhält man nach einem gelösten Abschnitt ein Passwort, mit dem man dann den nächsten "Level" in Angriff nehmen kann.

Abbildung 3

Abbildung 3: Überall in den Katakomben stehen Fässer mit radioaktiven Inhalten, sowie kleinere Atomreaktoren herum.

Ungewöhnlich ist auch das Vertriebsmodell: Dead Cyborg selbst darf man kostenlos von seiner Homepage laden. Wem das Spiel gefällt, der zahlt über PayPal eine kleine Spende. Solange die in ausreichender Höhe eintrudeln, werkelt der Autor Endre Barath an einer weiteren Episode. Was passiert, wenn die Spenden ausbleiben, weiß der Ungar selbst noch nicht. Vermutlich stellt er dann die Entwicklung ein, womit die Spieler wiederum nie erfahren werden, wie die komplette Geschichte ausgeht. Insgesamt sind drei Episoden von jeweils 2 bis 3 Stunden Spielzeit geplant.

Abbildung 4

Abbildung 4: Wimmelbild: In den vermüllten Räumen verstecken sich viele kleine, nützliche Gegenstände.

Erkundungstour

Um die vollständig mit Blender [3] entwickelte erste Episode zu spielen, installiert man zunächst über den Paketmanager die Pakete zu OpenAL, SDL, ffmpeg, libpng, libtiff, zlib und Python (ab Version 2.6). Anschließend wechselt man auf der Dead-Cyborg-Homepage [1] in den Download-Bereich, folgt Click here to download page, lädt sich das Paket für die Linux-Version herunter und entpackt es auf der Festplatte. Dort muss man dann nur noch start-game.sh aufrufen. Sollte der Ton fehlen, beendet man das Spiel wieder und startet es zukünftig über start-game_pulseaudio.sh. Letzteres ist beispielsweise unter Ubuntu nötig.

Abbildung 5

Abbildung 5: Diese grünen Holo-Würfel funktionieren wie Tagebuchseiten und treiben gleichzeitig Stück für Stück die Handlung voran.

Im Hauptmenü navigiert man mit den Pfeiltasten, die Leertaste wählt aus. Den Punkt Language braucht man gar nicht erst ansteuern, da er nur die Wahl zwischen Englisch und Ungarisch lässt. Via Start New Game findet man sich direkt in der Kammer mit den Schlafkapseln wieder. Mit den Pfeiltasten oder wahlweise [w],[a],[s],[d] läuft man durch den Raum. Sobald sich das Fadenkreuz in ein anderes Symbol verändert, löst die Leertaste eine Aktion aus. Aufgenommene Gegenstände schaltet die Eingabetaste durch, die Leertaste kombiniert das angezeigte Objekte mit dem gerade angeblickten in der Umgebung. Um einen Gegenstand ansehen oder manipulieren zu können, muss man allerdings teilweise recht nah herangehen. [Esc] und [Alt]+[F4] beenden das Spiel.

Abbildung 6

Abbildung 6: Insbesondere das Licht- und Schattenspiel sorgt für eine beklemmende Atmosphäre.

Fazit

Dead Cyborg ist ein ungewöhnliches Adventure. Ständig hat man das Gefühl in einem 3D-Actionspiel herumzulaufen und dringend eine Waffe in die Hand nehmen zu müssen. Auch die Aufteilung in einzelne Abschnitte ist äußerst ungewöhnlich und für eingefleischte Adventurespieler genau so gewöhnungsbedürftig, wie die Steuerung über die Tastatur. Demgegenüber verbreitet die gelungene und detaillierte 3D-Grafik eine extrem beklemmende Atmosphäre. Für die zweite Episode sollte Endre Barath allerdings noch einmal an den Rätseln feilen. Die beschränken sich meist darauf, dass man die Umgebung nach klitzekleinen und teilweise ziemlich gut versteckten Gegenständen absucht.

Abbildung 7

Abbildung 7: Im späteren Verlauf trifft man auch auf merkwürdige Maschinen, wie diese große Waffe.

Dead Cyborg

Bezugsquelle: http://deadcyborg.com
Entwickler: Endre Barath
Lizenz: Kommerziell
Preis: beliebig
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://deadcyborg.com

[2] Wikipedia Eintrag zur Penumbra-Reihe: http://de.wikipedia.org/wiki/Penumbra_(Computerspiel)

[3] 3D-Software Blender: http://www.blender.org

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