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Das Boot

Das Spiel zum Wochenende: Danger from the deep

11.12.2010
Waschechte Simulationen richten sich an eine überschaubare Fangemeinde und sind folglich nicht nur unter Linux äußerst rar. Umso erstaunlicher, dass eine kleine Entwicklertruppe unablässig an einer U-Boot-Simulation bastelt, die sich schon jetzt mehr als sehen lassen kann.

Danger from the deep, kurz dangerdeep oder DftD, versetzt den Spieler auf die Brücke eines deutschen U-Bootes im zweiten Weltkrieg. Als Kapitän gilt es verschiedene fiktive wie auch reale Missionen erfolgreich abzuschließen. Dabei legen die Entwickler den Fokus auf eine möglichst realistische Simulation der Schiffsphysik, sowie spannende, taktische Gefechte.

Abbildung 1: Beim Blick durch das Fernglas taucht der Konvoi am Horizont auf. Zeit zum abtauchen.

Flache Gewässer

Über die Tastatur oder die Maus wechselt man zwischen den verschiedenen Anzeigen, Steuer- und Kommandoständen, die durchweg aus animierten Standbildern bestehen. Diese wurden allerdings mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und vermitteln ein stimmungsvolles Bild eines alten U-Bootes aus dem zweiten Weltkrieg. Die Hintergrundmusik im Stile der damaligen Zeit verstärkt die dichte Atmosphäre. Dennoch wirkt das Schiff etwas leblos und statisch, andererseits kann man sich so als Spieler komplett auf die Anzeigen und die ausgedachte Taktik konzentrieren.

Abbildung 2: Die Instrumente bedient man entweder mit einem Mausklick oder – insbesondere im Gefecht wesentlich schneller – über die Tastatur.

Wer sich auf den Geschützturm stellt, einen Blick durch das Periskop wirft oder die Außenansicht des U-Bootes aktiviert, sieht seine Umgebung in einer 3D-Grafik. Diese glänzt mit schicken Wassereffekten und für ein kostenloses Spiel äußert fein modellierten, gegnerischen Schiffen. Über die Tastatur oder mit Mausklicks auf die gerade angezeigten Geräte, setzt der Spieler Kommandos ab, wie etwa die Geschwindigkeit auf Halbe Fahrt, oder löst Aktionen aus, indem er zum Beispiel einen Torpedo abfeuert.

Abbildung 3: Nur selten hat man Zeit vom Geschützturm aus den hübschen Wellen oder dem Sonnenaufgang zuzuschauen.

Schiffe versenken

Danger from the deep kennt drei verschiedene Spielmodi: Bei der Gleitzugschlacht gilt es einen kompletten Schiffsverband frei wählbarer Größe zu versenken, während man in den Historischen Missionen ein Ereignis aus den Kriegsjahren zwischen 1939 bis 1945 nachspielen muss. Von letzten gibt es derzeit gerade einmal eine Hand voll. Glücklicherweise liegt ein Missionsbaukasten bei, den die Entwickler allerdings noch als experimentell und unfertig gekennzeichnet haben.

Abbildung 4: Die blaue Karte hilft beim Festlegen der Taktik.

In zukünftigen Versionen soll man zudem noch den Angriff auf ein einzelnes Kriegsschiff durchführen können. Dieser Modus ist allerdings in der aktuellen Version 0.3.0 noch nicht verfügbar, auch wenn bereits ein entsprechender Menüpunkt dafür existiert. Spätestens an dieser Stelle merkt man deutlich, dass die Marinesimulation immer noch in einer frühen, wenn auch schon gut spielbaren Phase steckt.

Abbildung 5: Das Interieur aller steuerbaren U-Boote unterscheidet sich nur unwesentlich, diese liebevoll gezeichnete Kapitänskajüte ist beispielsweise überall gleich.

Stapellauf

Wen das nicht abschreckt, der findet auf der Homepage des Projekts [1] unter den Downloads (am rechten Rand unter Pages) einen fertigen Installer für Linux. Er ist auch auf Debian beziehungsweise Ubuntu-Rechnern vorzuziehen, da er als "Rundumsorglos-Paket" alle notwendigen Dateien mitbringt. Auf dem eigenen Computer angekommen, macht man die Datei ausführbar und startet sie als Administrator beziehungsweise Benutzer root. Normale Benutzer dürfen Danger from the deep nicht installieren. Die Bildschirme des erscheinenden Assistenten nickt man nach der Sprachauswahl (German) einfach mit Ok beziehungsweise Vor ab. Das Spiel landet übrigens grundsätzlich im Ordner /usr/share/games/dangerdeep, egal welchen Installationspfad man auch angibt.

Abbildung 6: Mit den wenigen Torpedos heißt es gut Haushalten.

Sobald die Installation abgeschlossen ist, startet man Danger from the deep in einem Terminalfenster per dangerdeep. Unter Umständen bemeckert es jetzt noch fehlende Bibliotheken, die man über den Paketmanager nachholen muss. Unter Ubuntu sind beispielsweise die Pakete libsdl-mixer1.2, libsdl-net1.2 und libfftw3-3 zu installieren.

Abbildung 7: Nachtmissionen sind aufgrund der eingeschränkten Sicht schwieriger zu meistern.

Im Hauptmenü angekommen, sollte man zunächst hinter Select language die Sprache auf Deutsch stellen. Anschließend entscheidet man sich für eine der Einzelspielermissionen, die nachfolgenden Schirme sollten selbsterklärend sein. Das endet jedoch abrupt, sobald man an Bord gegangen ist.

Über die F-Tasten wechselt man die Ansicht, [1] bis [9] regulieren die Geschwindigkeit, die Pfeiltasten bewegen Seiten- und Tiefenruder, [T] feuert einen Torpedeo und per [ESC] kommt man immer wieder zum Menü zurück. In 3D-Ansichten blickt man sich bei gedrückter linker Maustaste um, die rechte holt ein kleines Menü hervor. Alle weiteren Maus- und Tastenfunktionen erklärt das etwas karge englischsprachige Handbuch, das auf der Homepage [1] im Bereich Documentation zum Download bereitsteht. Anfänger sollten sich die darin aufgeführte Tastenbelegung ausdrucken und zumindest in den ersten Spielstunden auf den Schreibtisch legen.

Abbildung 8: Diese Karte protokolliert penibel jeden erlittenen Schaden. In diesem Fall wurde das U-Boot noch nicht getroffen.

Fazit

Danger from the deep ist ein Nischenprodukt, das vorwiegend Freunde von Marinesimulationen und U-Booten anspricht. Alle anderen dürften es rasch gelangweilt wieder von der Platte putzen. Wer mit seinem Boot durch das Meer streift, braucht zudem viel Zeit. Bis ein Konvoi in Schlagdistanz kommt, vergehen wie im realen Leben einige Minuten. Damit ist Danger from the deep allerdings auch ein idealer Kandidat für lange Winterabende.

In seinem Genre ist das Spiel unter Linux weitgehend konkurrenzlos. Man merkt an allen Ecken und Enden, mit welcher Detailverliebtheit die Entwickler ans Werk gehen. Dafür schreitet die Arbeit am Spiel nur schleppend voran: Die Version 0.3.0 hat bereits drei Jahre auf dem Buckel. Wann die nächste Version 0.4.0 erscheint, ist im Moment noch ungewiss, die Macher meldeten sich auf ihrer Homepage zuletzt im Juni zu Wort. Bleibt zu hoffen, dass Danger from the deep nicht sang und klanglos untergeht.

Danger from the deep

Bezugsquelle http://dangerdeep.sourceforge.net/
Entwickler Danger from the deep-Team
Lizenz Programm GPL, Spieldaten Creative Commons (Attribution/NonCommercial/Non-Derivative works)
Preis kostenlos
Voraussetzungen Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://dangerdeep.sourceforge.net/

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Einzelne Ausgabe
 

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Kommentare
Tolle Grafik
max. (unangemeldet), Samstag, 11. Dezember 2010 18:44:35
Ein/Ausklappen

Ich finde die Grafik ganz klasse und das Spiel auch toll.


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