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Elf Freunde

Das Spiel zum Wochenende: Bolzplatz 2006

25.06.2011
Im Nachlass der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 finden sich neben angestaubten Sammelbildern und Deutschlandfahnen auch einige Fußballer mit überdimensionalen Riechkolben. Die über den Platz zu scheuchen, bereitet auch fünf Jahre später immer noch eine Menge Spaß.

Das Comic-Fußballspiel Bolzplatz 2006 wurde von der Firma Xenoage eigens zur Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland entwickelt. Im Gegensatz zu hochglanzpolierten Konkurrenzprodukten steuert man hier kleine knollnasige Fußballmännchen über mal mehr, mal weniger gut gepflegte Rasenflächen. Insgesamt stehen 20 verschiedene Stadien bereit, angefangen beim einfachen Ascheplatz mit Mülltonnen als Torersatz bis zur überdachten Arena mit angeschlossenem Würstchenstand.

Abbildung 1: Hier setzt der FC Halde 04 zum Torschuss an.

Das Spielgeschehen verfolgt man aus der vom Fernsehen bekannten Seitenansicht, die Kamera verfolgt dabei immer den gerade ballbesitzenden Fußballer. Bei Freistößen oder Elfmetern schaltet das Spiel in eine Ego-Perspektive, in der man die Schussrichtung vorgibt, die Schussstärke einstellt und dann abzieht. Wie in anderen Fußballspielen kontrolliert man immer nur ein Mannschaftsmitglied, die übrigen bewegt solange der Computer über den Platz. Mit einem gezielten Tastendruck wechselt man zum jeweils nächstgelegenen Kammeraden. Neben einfachen Pässen und Grätschen kennen die virtuellen Fußballer allerdings keine weiteren speziellen Schussmanöver.

Abbildung 2: Strafstöße und Elfmeter schießt man aus dieser Ich-Perspektive.

Aufbauarbeit

Dafür glänzt Bolzplatz 2006 mit interessanten, motivierenden Spielmodi. Neben einem schnellen Einzelspiel für Zwischendurch darf man die komplette Weltmeisterschaft von 2006 nachspielen. Dabei bleibt einem selbst überlassen, mit welchem der 32 beteiligten Länder man antritt.

Abbildung 3: Die verschiedenen Mannschaften besitzen unterschiedliche Stärken und Schwächen.

Besonderes Highlight ist jedoch der Karrieremodus. In ihm gilt es, ein Team aus der Dorfliga bis zur deutschen Meisterschaft zu führen. Für jede gewonnene Partie und verkaufte Bandenwerbung erhält man Geld, das man wiederum in den Ausbau des Stadions stecken kann. Das besteht zu Beginn der Karriere aus einem kleinen Schlammplatz ohne Tribünen. Wer schneller zum Ziel kommen möchte, kann auch in die Trickkiste greifen und den Schiedsrichter bestechen – oder es zumindest versuchen. Apropos Schiedsrichter: Bolzplatz 2006 kennt gleich zehn verschiedene Unparteiische, die wiederum alle unterschiedlich streng pfeifen.

Abbildung 4: In der Dorfliga beginnt die Karriere auf einfachen matschigen Plätzen, bei denen Mülltonnen die Tore markieren.

Witziger Mensch

Da die Entwickler keine realen Spieler- und Vereinsnamen verwenden durften, machten Sie aus der Not eine Tugend und ersetzten sie durch teilweise fiese Anspielungen. So darf man beispielsweise mit dem FC Hollywood gegen Martha BSE kicken. Analog kleben auf den Banden Werbeplakate von Blue Strom, Bromkracher oder Grufthansel.

Wem die Computergegner auf Dauer zu langweilig werden, darf sich im Mehrspielermodus mit einem realen Mitspieler messen. Beide Kontrahenten müssen dabei allerdings vor dem gleichen Bildschirm sitzen und sich zwangsweise eine Tastatur teilen. Alternativ und mit weniger Fingerhakelpotential scheucht man die Knollennasen per Gamepad über das Spielfeld.

Abbildung 5: Bolzplatz 2006 kennt sogar verschiedene Wetterlagen.

Aufstellung

Die Installation von Bolzplatz 2006 ist etwas umständlich geraten. Da das Spiel in der Programmiersprache Java geschrieben wurde, benötigt man zunächst eine entsprechende Umgebung in Form des Java Runtime Environments (kurz JRE). Viele Distributionen installieren ein solches bereits standardmäßig. Um das zu überprüfen, tippt man in ein Terminalfenster java -version ein. Es sollte jetzt eine Meldung erscheinen, die auf eine Java Version 1.5 oder höher hinweist.

Als nächstes angelt man sich von der Projekthomepage [1] aus dem Downloads-Bereich die Linux-Version, genauer gesagt das 85 MB große Paket unter Allgemein (32bit). Es funktioniert auch unter aktuellen openSUSE-Versionen, die ebenfalls bereitstehenden, alten SuSE-Pakete haben wir nicht getestet.

Abbildung 6: Grobe Fouls bestraft der Schiedsrichter mit gelben und roten Karten.

Das heruntergeladene Archiv entpackt man jetzt auf der Festplatte und startet das Skript ./settings.sh. Im erscheinenden Fenster wählt man aus der oberen Liste unter Video eine passende Auflösung und klickt auf OK. Jetzt startet man probeweise das Skript ./bolzplatz2006.sh. Sollte sich das Spiel mit einer Fehlermeldung umgehend wieder verabschieden, bemüht man noch einmal ./settings.sh und deaktiviert die Tonausgabe, indem man unter Audio den Punkt Kein Audio (Null Device) einstellt (alternativ kann man auch auf die langwierige Suche gehen, welche andere Software Bolzplatz 2006 an der Soundausgabe hindert).

Anpfiff

Nach einem kurzen Rundflug über das Stadion erscheint das Hauptmenü, in dem man als erstes den Punkt Einstellungen aufruft. Weiter geht es zur Steuerung Spieler 1, wo man die Tasten für den Pass, den Schuss und das Sprinten neu belegt (indem man den jeweiligen Punkt mit den Pfeiltasten ansteuert und die Eingabetaste, gefolgt von der neuen Taste drückt). Per Speichern geht es anschließend wieder zurück zum Untermenü, wo man unter den Match-Einstellungen die Spieldauer festlegt. Standardmäßig dauert eine Partie immer nur eine reale Minute. Für den Einstieg und die Mittagspause empfehlen sich fünf Minuten, echte Fußballfans spielen über die gesamten 90.

Abbildung 7: Den Spieler mit dem blauen Kreis steuert man gerade.

Wieder im Hauptmenü beginnt Schnellstart umgehend eine Partie. Dabei wählt allerdings Bolzplatz 2006 die beteiligten Mannschaften. Mit den Pfeiltasten steuert man das gerade umkringelte Männchen, die Belegung der sonstigen Sondertasten hat man vorhin im Menü festgelegt. Bei Strafstößen dreht man die Sicht mit den Pfeiltasten in die Richtung, in die der Ball fliegen soll und schießt ihn dann mit der entsprechenden Taste ins Feld.

Abbildung 8: Einen solchen Überblick hat man nur zu Beginn einer Partie.

Fazit

Bolzplatz 2006 ist auf unkomplizierte, schnelle Partien ausgelegt und erinnert leicht an das legendäre Kick Off [2]. Dessen Spielgeschwindigkeit und Spielfluss erreicht das Xenoage-Spiel allerdings nicht.

Die Grafik ist nicht überragend, aber durchaus witzig und liebevoll gestaltet. Zudem hinterlassen die Knollnasenmännchen einen eher etwas schlurfenden denn rennenden oder gar agilen Eindruck. Die Steuerung per Tastatur fällt etwas fummelig und gewöhnungsbedürftig aus. Wer die Möglichkeit hat, sollte daher ein Gamepad ausprobieren.

Unter dem Strich ist Bolzplatz 2006 auch nach fünf Jahren immer noch ein nettes Fußballspiel für Zwischendurch – und gleichzeitig die ideale Einstimmung auf die Fußball WM der Frauen.

Bolzplatz 2006

Bezugsquelle: http://www.bolzplatz2006.de/
Entwickler: Xenoage Software
Lizenz: General Public License und Creative Commons Public License
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: mindestens 800 Mhz Prozessor, 256 MB Hauptspeicher, 3D-Grafikkarte, 200 MB freier Festplattenplatz

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