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Yeeeehaaa!

Das Spiel zum Wochenende: Bang! Howdy

27.08.2011
Der Wilde Westen war ganz schön wild. Zumindest wenn man dem Spieleentwickler Three Rings Design glauben schenkt. In seinem rundenbasierten Echtzeitstrategiespiel schickt er den Spieler auf Goldsuche in den trockenen Wüstenstaub – auch wenn dann am Ende doch mehr Blei durch die Luft fliegt.

In Bang! Howdy schaut der Spieler auf ein schachbrettartiges, in Wüstensand getunktes Spielfeld. In seiner Befehlsgewalt befinden sich mehrere Spielfiguren, die über unterschiedliche Fähigkeiten und Talente verfügen. Während beispielsweise eine Kanone große Feuerkraft besitzt, kommt der Kavallerist auf seinem Pferd schneller voran. Jede dieser Einheiten kann nur eine begrenzte Anzahl Felder laufen, anschließend muss sie ein paar Sekunden verschnaufen. Durch diese Zwangspausen mutiert Bang! Howdy zu einem ungewöhnlichen Zwitter aus Echtzeit- und rundenbasiertem Strategiespiel.

Abbildung 1: Die hell erleuchteten Felder zeigen an, wohin die gerade selektierte Figur in einer Runde laufen kann. Das weiße Totenkreuz weist darauf hin, dass die eigenen Truppen in der nächsten Runde die entsprechende Einheit über den Haufen schießen werden.

Wo ist die Kuh?

Natürlich ist man auf der Karte nicht alleine unterwegs, sondern sieht sich bis zu vier anderen Mitspielern gegenüber. Deren Figuren zieht wahlweise der Computer oder ein realer Spieler aus dem Internet. Verliert eine der eigenen Figuren im Kampf das Leben, kehrt sie wie in 3D-Actionspielen nach ein paar Sekunden wieder zurück auf das Spielfeld ("respawn").

Abbildung 2: Im Spielmodus Gold Rush muss man lediglich die Goldnuggets einsammeln (in diesem Spiel hier mindestens vier) und zu seinem Wagen bringen.

Für Abwechslung sorgen verschiedene Spielmodi. Mal muss man auf der Karte verteilte Goldnuggets einsammeln und in die eigene Basis bringen, ein anderes Mal die wertvollen Klumpen aus der Mine des Gegners stibitzen. Beim Cattle Rustling gewinnt der Spieler, der die meisten Kühe mit dem eigenen Brandzeichen abstempeln konnte. In einem vierten Modus gilt es schließlich möglichst viele Wachtürme einzunehmen und bis zum Spielende zu halten.

Abbildung 3: Beim Cattle Rustling muss man möglichst viele der Kühe mit dem eigenen Brandzeichen bestücken. Die kann der Gegner allerdings mit seinen eigenen wieder überschreiben (was den Kühen offenbar nichts auszumachen scheint).

Intelligenzbolzen

Zu Beginn einer Partie muss sich der Spieler entscheiden, welche Figuren aus seinem Arsenal zum Kampf antreten sollen. Darunter befinden sich auch sogenannte Big Shot-Einheiten, die ganz spezielle Fähigkeiten aufweisen. Beispielsweise können nur sie Kühe mit einem Brandzeichen versehen. Darüber hinaus darf der Spieler auch noch drei Spielkarten wählen. Diese kann er in der Partie ausspielen und so etwa einer der Spielfiguren die volle Gesundheit wiedergeben oder ihr Siebenmeilenstiefel verpassen. Ergänzend erscheinen auf dem Spielfeld hin und wieder Bonusgegenstände, die eine Spielfigur etwa unverwundbar machen oder ihre Lebensenergie auffrischen.

Abbildung 4: Zu Beginn einer Partie muss man auswählen, mit welchen der Spielfiguren man in die Schlacht ziehen möchte.

Jede Partie ist auf eine vorgegebene Zeit begrenzt, meist nur ein paar Minuten. Wer anschließend als Gewinner hervorgeht, hängt vom vorgegebenen Spielmodus und einer zuvor gestellten Aufgabe ab. Beispielsweise muss man etwa bei Ablauf der Zeit mindestens vier Goldnuggets sein Eigen nennen.

Ich kauf' mir was

Für jeden Sieg, sowie einige spezielle Züge innerhalb einer Partie, erhält man Punkte gutgeschrieben. Diese tauscht das Spiel in virtuelles Geld um, für das man wiederum in einem Laden Ausrüstung, Bonusgegenstände und neue Spielfiguren einkaufen darf. Wer ganz bestimmte Aufgaben löst, erhält zudem Abzeichen (Badge), die ebenfalls spezielle Einheiten und Bonusgegenstände freischalten. Mit genügend Geld in der Tasche kann man ein Zugticket lösen und in eine andere Stadt reisen. Dort warten dann unter anderem neue Spielmodi – und Indianer.

Abbildung 5: Im Übungsmodus darf man die Fähigkeiten und Eigenschaften einer Spielfigur austesten. In diesem Fall treten drei Männer mit Schrotflinte gegen drei vom Computer gesteuerte an.

Wie viele andere Online-Spiele folgt Bang! Howdy dem sogenannten Free-To-Play-Prinzip. Danach kann man das Spiel vollkommen kostenlos und beliebig lange spielen. Wer über das Internet gegen reale Spieler antreten möchte, muss sich allerdings auf der Homepage registrieren. Außer der E-Mail-Adresse und dem (beliebig wählbaren) Geburtsdatum muss man dabei keine persönlichen Angaben hinterlassen. Wer die vielen tollen Einheiten und Bonusgegenstände nicht erst langwierig frei spielen möchte, kann sie sich auch gegen echtes Geld erkaufen. Über diese Einnahmen finanziert sich wiederum der Hersteller Three Rings Design.

Sattelt die Pferde

Bang! Howdy ist vollständig in Java geschrieben. Das hat den Vorteil, dass es unter Linux und sogar direkt im Browser läuft. Man muss lediglich das Java-Plugin für den Browser installieren und kann direkt auf der Homepage in den Wilden Westen abtauchen [1].

Abbildung 6: Beim Claim Jumpin gilt es zum einen die Nuggets in die eigene Mine zu bringen, die des Gegners zu plündern und die eigene auch noch gleichzeitig vor den gegnerischen Truppen zu schützen.

Alternativ darf man sich das Spiel auch auf den eigenen Computer herunterladen. Die Installation ist allerdings etwas knifflig: Auf der Homepage klickt man zunächst den etwas unscheinbaren Link Or Download To Ter Desktop an (unterhalb des riesigen Play Now-Knopfes). Die dabei heruntergeladene Datei macht man ausführbar (beispielsweise in den Eigenschaften im Kontextmenü der rechten Maustaste). Anschließend stellt man über den Paketmanager sicher, dass das Java Runtime Environment installiert ist. Wenn dies der Fall ist, startet man die heruntergeladene Datei bang-install.bin. Es folgt nun ein ellenlanger Lizenztext, durch man mit der Leertaste blättert. Anschließend stimmt man ihm durch die Eingabe von yes zu. Findet das Installationsprogramm das Java Runtime Environment nicht, muss man den Pfad dorthin selbst angeben. Unter den meisten Distributionen genügt es, /usr einzutippen und die Eingabetaste zu drücken. Die nachfolgenden Fragen kann man dann mit der Eingabetaste abnicken. Das Spiel startet man dann über das Skript bang im Installationsverzeichnis.

Abbildung 7: Das ausführliche und etwas längliche Tutorial führt in die Spielmodi und Steuerung ein. Hier erklärt der nette Herr die Bedeutung und den Einsatz der Spielkarten.

Das Hauptmenü des Spiels besteht aus einer kleinen Stadt. Jedes Gebäude steht für eine ganz bestimmte Aktion: Im Frisörladen (Barber Shop) kann man etwa das Aussehen der eigenen Spielfigur ändern, beim Sheriff hingegen ein Einzelspiel starten. Als Einsteiger sollte man jedoch zunächst einen Blick an den unteren linken Seitenrand werfen. Dort führt das Tutorial langsam in das Spiel ein.

Fazit

Durch seine interessante Spielmechanik läuft eine Partie in Bang! Howdy schneller ab, als in manch anderen rundenbasierten Strategiespielen. Durch die Zwangspausen bricht jedoch nie Hektik aus, man hat immer genügend Zeit, sich eine geeignete Strategie auszudenken. Im Gegensatz zu Vollpreistiteln aus dem Regal fehlt Bang! Howdy allerdings Spieltiefe – trotz der unzähligen verschiedenen Bonusgegenstände und Einheiten.

Abbildung 8: In dieser Land Grab Partie hat das blaue Team schon ein paar der Türme erobert. Die Eisenbahn links unten im Bild rauscht übrigens mit jeder Runde weiter voran. Eine Begegnung mit ihr auf den Schien kann schmerzhafte bis tödliche Folgen haben.

Three Rings Design haben ihr Strategiespiel auf unkomplizierte Partien ausgelegt, die zudem in wenigen Minuten vorbei sind und strikt nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip ablaufen. Jedem Spieler stehen folglich prinzipiell die gleichen Einheiten zur Verfügung, deren Schaden und Aktionen er im Voraus abschätzen kann (eine Kanone hat beispielsweise immer mehr Durchschlagskraft als eine einfache Schrotflinte). Um möglichst viele abwechslungsreiche Spielfiguren und Einheiten anbieten zu können, greift Bang! Howdy hin und wieder zu Steampunk-Elementen, was aber nie aufgesetzt oder störend wirkt [2]. Man sollte zudem einigermaßen gute Englischkenntnisse mitbringen, da gerade das Tutorial mit entsprechenden Texten nur so um sich wirft.

Das unverbrauchte Szenario samt der originellen Spielmodi macht dennoch Spaß. Obwohl das Spiel bereits 2006 erschienen ist, kann sich sogar die Grafik immer noch sehen lassen. Das Alter ist vermutlich auch der Grund, warum wir in unseren Tests Mitspieler im Internet mit der Lupe suchen mussten, ein williger Gegner fand sich jedoch fast immer. Taktiker sollten unbedingt einen Blick riskieren – zumal der vollkommen kostenlos ist.

Bang! Howdy

Bezugsquelle: http://www.banghowdy.com
Entwickler: Three Rings Design, Inc.
Lizenz: Kommerziell
Preis: Basisspiel kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://www.banghowdy.com

[2] Wikipedia-Eintrag zum Thema Steampunk: http://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk

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