Die Karawane zieht weiter ...

Anomaly: Warzone Earth

Das Spiel zum Wochenende: Anomaly: Warzone Earth

16.06.2012
In Tower-Defence-Spielen muss man mit geschickt platzierten Abwehrtürmen heranstürmende Angreifer abwehren. Die 11 bit studios drehen in ihrem Echtzeistrategiespiel den Spieß einmal um: Dort steuert man eine wild um sich schießende Blechkarawane durch postapokalyptische Häuserschluchten.

Ein außerirdisches Raumschiff bricht bei seinem Eintritt in die Erdatmosphäre in zwei Teile. Ein Bruchstück stürzt auf Bagdad, das andere schlägt in Tokyo ein. Zu allem Überfluss bilden sich über beiden Absturzstellen blickdichte Kuppeln. Was es mit diesen Anomalien auf sich hat, ob es darunter noch Überlebende gibt und vor allem wer die Außerirdischen sind, soll eine kleine Militäreinheit herausfinden. Dieser Konvoi aus Panzern und futuristischen Militärfahrzeugen bewegt sich unaufhaltsam durch die Straßen der zerstörten Gebiete. Seine Route legt der Spieler auf einer einfachen Straßenkarte fest. Direkt steuern kann er nur einen einsamen Soldaten, der als Begleitschutz nebenher läuft.

Auf der Straße versperrt eine schwarze Mine aus der Anomalie den Weg. Also plant man besser ...

Schadensregulierung

Die Außerirdischen versuchen der Karawane Einhalt zu gebieten, indem sie auf den herumstehenden Hochhäusern Geschütztürme errichten. Darüber hinaus verschießt die Anomalie schwarze Energiebälle, die mitunter mitten auf der Straße liegen bleiben. Um möglichst wenig Schaden zu erleiden, muss der Spieler immer wieder die Route des Konvois anpassen beziehungsweise durch andere Stadteile verlegen. Wie viele Treffer die Vehikel einstecken können, hängt vom jeweiligen Fahrzeugtyp ab. Beispielsweise halten schwere Panzer recht viel aus, brauchen dafür aber auch länger zum Nachladen. Ein spezielles Schild-Fahrzeug schützt wiederum benachbarte Kollegen unter einer Energieglocke, kann jedoch selbst nicht feuern.

... eine Ausweichroute.

Glücklicherweise gibt es noch den nebenher laufenden Soldaten. In seinen Taschen finden sich verschiedene Bonusgegenstände, wie etwa Rauchgranaten. Mit ihnen kann er kurzzeitig die Umgebung vernebeln und so wiederum die Geschütztürme verwirren. Viel wichtiger sind jedoch die Reparaturpakete. Sobald man eines von ihnen auspackt, erscheint für einige wenige Sekunden ein grüner Kreis auf der Straße. Solange sich ein Fahrzeug in diesem Kreis befindet, wird es automatisch repariert. Da diese Bonusgegenstände nur begrenzt zur Verfügung stehen, sollte man gut mit ihnen haushalten. Ab und an werfen Flugzeuge zwar Nachschub ab, den muss man aber mit dem Soldaten erst einmal einsammeln – in der Regel unter dem unaufhaltsamen Beschuss der Geschütztürme. Stirbt der Soldat dabei, reanimiert ihn zwar die Kommandozentrale. Während dieser Zeit fährt jedoch der Konvoi unaufhaltsam weiter.

Alle Fahrzeuge, die unter dem aufgespannten, grünen Reparatursymbol durchfahren werden während dieser Zeit automatisch repariert.

Quanta Costa

Für jeden abgeschossenen Geschütztürm erhält man umgehend Geld auf sein virtuelles Konto überwiesen. Von diesen Einnahmen darf man jederzeit weitere Fahrzeuge nachkaufen, die dann wiederum umgehend den Konvoi verstärken. Dieser darf allerdings nur maximal sechs Fahrzeuge umfassen. Der Kauf will folglich genau so gut überlegt sein, wie die Anordnung: Das Fahrzeug an der Spitze zieht immer als erstes die Aufmerksamkeit der Geschütztürme auf sich.

Im Baumenü darf man jederzeit neue Fahrzeuge nachordern und schnell per Drag-and-Drop in im Konvoi umsortieren.

Weitere Abwechslung ins Geschehen bringen unterschiedliche Missionsziele. So muss man zunächst ohne eigene Verluste ein Ziel erreichen, später dann etwa einen speziellen Panzer eskortieren. Am Ende einer Mission bewertet das Spiel alle Aktionen mit einem Punktwert und verleiht bei besonders klugen beziehungsweise effizienten Zügen Medaillen.

Anomaly: Warzone Earth erschien für Linux zunächst ausschließlich im Rahmen einer Humble-Bundle-Aktion [2]. Mittlerweile bietet es der Hersteller auch für knapp 10 Dollar auf seiner Homepage an. Den kompletten Soundtrack gibt es dabei gratis obendrauf. Eine Testversion steht leider nur für Windows zur Verfügung, das Spielgeschehen zeigen jedoch ein paar Videos auf der Homepage [1].

Die Geschütztürme nehmen immer zunächst das erste Fahrzeug im Konvoi unter Beschuss.

Fazit

Anomaly: Warzone Earth dreht das mittlerweile reichlich ausgelutsche Tower-Defense-Prinzip gekonnt um. Dabei waren die Entwickler sichtlich bemüht, Abwechslung ins Spielgeschehen zu bringen. Der Schwierigkeitsgrad steigt genau im richtigen Maß an, zudem darf man zu Beginn einer Mission zwischen drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen wählen.

Zu Beginn einer Mission heißt es clever planen: Je mehr der roten Geschütztürme man zerlegt, desto mehr Geld bekommt man. Allerdings muss man zunächst auch ihrem Beschuss standhalten.

Dennoch können eine Handvoll unterschiedlicher Militärfahrzeuge, im Prinzip nur leicht wechselnde Missionsziele und die an einen schlechten B-Movie erinnernde Hintergrundgeschichte nicht über das einfache Spielprinzip hinwegtäuschen.

Erstaunlicherweise müssen sie das aber auch gar nicht: Es macht einfach einen diebischen Spaß, einmal die Seiten zu wechseln und von unten die Geschütztürme unter Beschuss zu nehmen. Zugreifen sollten daher nicht nur Echtzeitstrategiefans und Tower-Defense-Liebhaber, sondern auch alle Gelegenheitsspieler, die sich mit dem Science-Fiction-Szenario anfreunden können. Seine 10 10 Dollar ist das Spiel jedenfalls Wert.

Anomaly: Warzone Earth

Bezugsquelle: http://www.anomalythegame.com/
Entwickler: 11 bit studios
Lizenz: Kommerziell
Preis: 9,99 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.anomalythegame.com

[2] Humble Bundle:
http://www.humblebundle.com

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