Alter Ego

Tauschrausch

Das Spiel zum Wochenende: Alter Ego

21.07.2012 Wie man sich als gespaltene Persönlichkeit fühlt, vermittelt ein simples, aber geniales Jump-and-Run-Spiel in charmanter Retro-Grafik. In ihm wechselt der Protagonist bei Bedarf den Standort mit einem spiegelverkehrt agierenden Phantom.

In Alter Ego steuert der Spieler einen recht kantigen Helden, der in einem mit Leitern und Plattformen ausgestatteten Level die überall verteilten lilafarbenen Klötzchen einsammeln muss. Genretypisch erschweren dies zahlreiche Gegner, die über die Plattformen wuseln und dem Helden ans Leder wollen.

Um auf die andere Seite der Mauer zu gelangen ...

Um auf die andere Seite der Mauer zu gelangen ...

Wechselspiel

Hilfe erhält der Protagonist von seinem Phantom-Zwilling. Dieses „Alter Ego“ steht als Schemen auf der anderen Seite des Levels und bewegt sich immer spiegelverkehrt mit dem Helden. Läuft dieser beispielsweise nach links, rennt das Phantom nach rechts. Auf Knopfdruck tauschen Held und Phantom die Plätze. Wie oft man wechseln darf, gibt allerdings der jeweilige Level vor. Mehr als eine Handvoll Positionsänderungen sollte man jedoch grundsätzlich nicht erwarten.

... tauscht man einfach mit seinem Phantom die Plätze.

... tauscht man einfach mit seinem Phantom die Plätze.

Anstatt also einfach irgendwie durch den Level zu düsen, gilt es schon vor dem Loslaufen eine möglichst effiziente Route mit möglichst wenigen Tauschaktionen zu planen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass dem Phantom weder Wände noch luftige Höhen etwas ausmachen. Manche Level lassen sich sogar nur dann lösen, wenn man während des Fallens die Plätze tauscht. Alter Ego wartet aber noch mit weiteren Gemeinheiten auf. Beispielsweise zerbröseln einige Bodenplatten unter den Schritten des Helden, während sich blaue Klötzchen wiederum nur vom Phantom einsammeln lassen.

Das Phantom kann auch in der Luft schweben und auf diese Weise die hier ebenfalls schwebenden blauen Klötzchen einsammeln.

Das Phantom kann auch in der Luft schweben und auf diese Weise die hier ebenfalls schwebenden blauen Klötzchen einsammeln.

Am Drücker

Entwickler RetroSouls stellt sein Jump-and-Run-Spiel kostenlos auf seiner Homepage bereit [1]. Angaben zur Lizenz gibt es nicht, der Quellcode bleibt aber unter Verschluss. Über einen einsamen Donate-Knopf bitten die Macher um eine kleine Spende. Der komplette Soundtrack steht unter [4] kostenlos zum Download bereit.

Für Abwechslung sorgen unterschiedliche Umgebungen, hier eine Winterlandschaft.

Für Abwechslung sorgen unterschiedliche Umgebungen, hier eine Winterlandschaft.

Um Alter Ego spielen zu können, muss man zunächst über den Paketmanager die Laufzeitumgebung Mono ab Version 2.10, sowie SDL_Mixer ab Version 1.2 installieren. Anschließend wechselt man auf die Alter-Ego-Homepage, lädt sich die Linux Version herunter, entpackt das Archiv auf der Festplatte und startet dann im Unterverzeichnis AlterEgo das Skript AlterEgo.sh.

Diese Ketten zerbröseln unter den Schritten des Helden.

Diese Ketten zerbröseln unter den Schritten des Helden.

Im Hauptmenü wechselt man via Start Game zur Level-Auswahl. Zu Beginn hat man nur die Wahl des ersten Levels (das Feld mit der 01), alle anderen muss man erst nach und nach freispielen. Den Hauptdarsteller steuern die Pfeiltasten über den Schirm, per Leertaste tauscht man die Position mit seinem Alter Ego. Wie viele Wechsel noch übrig sind, zeigt die Zahl rechts unten in der Ecke.

Wie kommt man von der unteren Plattform wieder weg?

Wie kommt man von der unteren Plattform wieder weg?

Fazit

Alter Ego erinnert an eine Mischung aus dem 80er-Jahre-Klassiker Lode Runner [2] und Me and My Shadow [3]. Es fordert sowohl einen klugen Kopf als auch eine Portion Geschicklichkeit. Die bonbonbunte Grafik ist zwar simpel, aber stimmungsvoll. Zum Retro-Charakter passt die piepsige Musik, die jedoch nach einer Weile an den Nerven zerrt. Auch hätten es ruhig mehr als 40 Level sein dürfen, auch ein Level-Editor wäre als Dreingabe nicht schlecht gewesen.

Das gelbe Klötzchen müssen Held und Phantom gemeinsam einsammeln.

Das gelbe Klötzchen müssen Held und Phantom gemeinsam einsammeln.

Die Idee ist frisch, der Schwierigkeitsgrad steigt genau im richtigen Maße an, der Aufbau der einzelnen Level ist zumindest meistens gut durchdacht und Dank der zahlreichen Spielelemente und Gegner ist auch für genügend Abwechslung gesorgt. Kurzum: Alter Ego macht eine Menge Spaß und ist auf jeden Fall eine kleine Spende wert.

Übrigens gibt es Alter Ego nicht nur für Linux und Windows, sondern auch den Heimcomputer ZX Spectrum und die Videospielkonsole Nintendo NES – beide standen in den 80er Jahren in zahlreichen Wohnzimmern.

Alter Ego

Bezugsquelle: http://www.retrosouls.net/?page_id=614
Entwickler: RetroSouls
Lizenz: Unbekannt / Eigene
Preis: kostenlos (Spende erwünscht)
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.retrosouls.net/?page_id=614

[2] Wikipedia-Eintrag zu Lode Runner:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lode_Runner

[3] Das Spiel zum Wochenende (und Ostern): Me and My Shadow, Tim Schürmann: „Schattenspiele“, LinuxCommunity, 07.04.2012,
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-und-Ostern-Me-and-My-Shadow

[4] Alter Ego Soundtrack:
http://ubiktune.org/releases/ubi032-kulor-alter-ego-ost

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