Wurmlöcher

Im Computerspiel Portal von Valve dreht sich alles um Teleporter. Mit einem speziellen Gerät in den Händen, dem so genannten Portal Device, erzeugt der Spieler an Wänden, Decken oder Böden zwei Löcher. Springt er in eines von beiden hinein, kommt er direkt aus dem anderen wieder heraus. Allein mit dieser lustigen Fähigkeit gilt es Räume zu durchqueren und kleinere Rätsel zu lösen.

Das grüne A ist die eigene Spielfigur, das angeflanschte Minus zeigt die Schussrichtung des Portal Device. Die gelben Dinger repräsentieren Leitern, blaue Punkte Schalter, die ein Ereignis auslösen.

Portal setzt dabei auf schicke 3D-Grafik, das Geschehen sieht der Spieler wie in einem Actionspiel aus der Ich-Perspektive. Joe Larson warf beides über Bord und reduzierte so das Spielprinzip auf das gerade Nötigste. Statt schicker 3D-Einblicke gibt es hochauflösende ASCII-Textzeichen. Die eigene Spielfigur repräsentiert ein „A“, die Umgebung baut sich aus Sonder- und Leerzeichen auf. Zudem blickt man nun von der Seite in die Räumlichkeiten, aus denen es zu entfliehen gilt.

Die Klötzchen mit Herz lassen sich wie Kisten verschieben.

Das Ergebnis erinnert mehr an ein Jump-and-Run-Spiel aus den Anfangstagen der Videospiele – Loderunner und Super Mario lassen grüßen. Nichtsdestotrotz bleibt der Suchtfaktor erhalten, ASCIIpOrtal entwickelt sogar seinen ganz eigenen Charme.

What are you doing here?

Im Vorbild Portal übernimmt der Spieler die Rolle einer Testkandidatin, die in einer Forschungseinrichtung verschiedene Testkammern durchqueren muss. Eine Computerstimme gibt ihr immer wieder Anweisungen und Tipps. Dieses Szenario übernimmt weitgehend auch ASCIIpOrtal - nur dass hier ein Laufband am oberen Rand die Stimme ersetzt.

Mit den Pfeiltasten steuert man seine Spielfigur durch die Testkammern, die Leertaste schießt ein Portal in die, mit dem Minuszeichen anvisierte Wand. Falls nötig, peilt man das Ziel über den Ziffenblock der Tastatur an. Ein Tutorial führt langsam in die Bedienung, die Bedeutung der einzelnen ASCII-Zeichen und den Gebrauch des Portal Device ein. Der Schwierigkeitsgrad steigt dabei langsam an.

Die blaue Tür in der Mitte öffnet sich nur, wenn man auf dem gelben Klotz steht. Also wurde ein Portal an die linken Wand, ein weiteres bei geöffneter Tür an die rechten „geschossen“. Spaziert man nun durch das linke Portal, kommt man auf der anderen Seite der Tür wieder heraus.

In allen Räumen gelten übrigens die physikalischen Gesetze: Wer ein Portal in die Decke bohrt, fällt aus diesem nach unten heraus. Die Schwerkraft lässt sich allerdings auch für spektakuläre Sprünge, so genannte „Flings“ ausnutzen. Springt man beispielsweise in ein Portal auf dem Boden und kommt an einer Wand wieder heraus, fliegt man ähnlich wie ein geworfener Ball einen kleinen Bogen.

Sobald ein Portal erstellt wurde, stellt ASCIIpOrtal die darin sichtbare Umgebung innerhalb eines blau, beziehungsweise gelben Kegels dar.

Auf diese Weise erreicht man beispielsweise etwas weiter entfernte Plattformen. Portale helfen auch dabei, Gegenstände zu bewegen: Steht eine Kiste an der Wand, lässt sie sich ähnlich wie in Sokoban nicht mehr bewegen. Ein Portal unter ihr platziert, den Ausgang an einer strategisch günstigen Position angebracht und das Problem ist Geschichte.

You're not supposed to be here

Um die Testkammern von ASCIIpOrtal zu betreten, lädt man sich einfach das Linux-Archiv von der Homepage herunter, entpackt es, öffnet ein Terminalfenster und startet darin das Programm ./asciiportal.

Wer alle Räume durchquert hat, darf eigene Karten basteln oder von Fans angefertigte aus dem Internet herunterladen. Sie bestehen konsequenterweise aus den im Spiel verwendeten ASCII-Zeichen, ein Texteditor ist somit alles, was man für die eigene Testkammer benötigt. Programmierer finden zudem den kompletten Quellcode im Unterverzeichnis source.

Fazit

Die Bildschirmfotos sehen ziemlich konfus und abgedreht aus, die Dokumentation verwirrt ebenfalls teilweise mehr, als dass sie hilft. Um das Spiel zu verstehen, muss man ASCIIpOrtal einmal selbst angespielt haben – dann lässt es aber einen so schnell nicht wieder los. Das zugrunde liegende Spielprinzip ist recht simpel, gleichzeitig aber auch extrem suchterzeugend. Mit seinem kleinen Programm beweist Joe Larson, dass man auch mit minimaler Grafik ein tagelang fesselndes Spiel auf die Beine stellen kann.

Bezugsquelle: http://cymonsgames.com/asciiportal/
Lizenz: unbekannt, Open-Source
Preis: kostenlos, Spenden oder Kauf eines Fan-T-Shirts erbeten
Voraussetzungen: halbwegs aktuelle Linux-Distribution

Video konnte nicht eingebettet werden, denn die URL passt nicht zu der Liste der erlauben Hoster.

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Einzelne Ausgabe
 

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Kommentare
Voraussetzungen
René Franke (unangemeldet), Sonntag, 18. Oktober 2009 16:32:02
Ein/Ausklappen

>> Voraussetzungen: halbwegs aktuelle Linux-Distribution

Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass libsdl(-mixer) benötigt wird. Unter Debian also z.B.
aptitude install libsdl-mixer1.2



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