Knackiges Kunstobjekt

A House in California

Das Spiel zum Wochenende: A House in California

27.10.2012
Auf der Grenze zwischen Kunst, Poesie und Adventure balanciert ein kleines Spiel von Cardboard Computer. Es erzählt seine Geschichte mit minimalistischer Grafik, starken Texten und einem Schuss Nostalgie.

Was machen Groß- und Ur-Großmütter, wenn ein kleiner Junge nicht schlafen kann? Sie erzählen eine Geschichte. Beispielsweise darüber, wie sie früher Glühwürmchen gefangen haben, um mit ihnen eine Laterne zu erleuchten. In A House in California erzählen gleich vier Damen aus der ihrer Vergangenheit, von der Familie und dem titelgebenden Haus in Kalifornien. Da sich die Geschichten nicht von selbst erzählen, muss der Spieler mit seiner Maus etwas nachhelfen.

A House in California sieht aus, wie ein Spiel aus den 80er Jahren.

Monochrome Handlungsreisende

Wie in herkömmlichen Point-and-Click-Adventures erteilt man mit dem Mauszeiger der gerade erzählenden Dame Befehle. Dazu klickt man erst am unteren Bildschirmrand ein Verb und dann in der Szene einen Gegenstand an. A House in California wartet jedoch nicht mit den üblichen Verben wie „öffne“, „schließe“ und „benutze“ auf. Stattdessen kann man sich je nach Talent der jeweiligen Dame etwas ansehen, sich erinnern, vergessen, kochen, schreiben oder fangen. Dieses ungewöhnliche Angebot fordert ständig um die Ecke zu denken. Die schwirrenden Glühwürmchen vor dem Laternenmast lassen sich noch fangen. In das Computerzimmer reist man hingegen, indem man sich an den Raum erinnert.

Um in das Computerzimmer zu gelangen, muss man sich daran erinnern.

Optisch orientiert sich das Spiel an alten Adventures aus den 80er Jahren, allen voran dem legendären Mystery House [2]. In die minimalistische Schwarz/Weiß-Grafik streut A House in California gezielt ein paar dezente Grafikeffekte. Beispielsweise hebt es Glühwürmchen mit einem hellen gelben Schein hervor. Eine Sprachausgabe gibt es nicht, A House in California erzählt seine Geschichte komplett in Textform. Gutes Schulenglisch reicht jedoch aus, um die durchweg poetischen Texte zu verstehen.

Zu fast jeder Aktion gibt es einen mehr oder weniger poetischen Text zu lesen.

Flash-back

A House in California fand bereits einige Beachtung. So war es ein Finalist beim Independent Game Festival 2010 und Teil der Ausstellung Learn to Play des Euphrat Museum of Art. Um die Entwicklung von weiteren Spielen zu finanzieren, bat der Entwickler Jake Elliott auf der Kickstarter-Plattform um Spenden [4]. Als Ziel angesetzt waren 600 Dollar, am Ende kam sogar fast das Doppelte zusammen.

Auch der Mond zählt zu den Schauplätzen. Er beherbergt eine Glaskuppel mit Glühwürmchen und eine zerstörter Tritt-Maschine.

Dennoch steht A House in California kostenfrei zum Download bereit. Man muss nur auf der Homepage [1] neben Download auf Linux klicken, das dabei erhaltene Archiv auf der Festplatte entpacken und das Programm AHouseInCalifornia_Linux starten. Da das Spiel komplett in Flash geschrieben ist, öffnet sich als Erstes der mitgelieferte Flash-Player, der wiederum seinerseits automatisch A House in California startet. Im Hauptmenü wählt man einfach Play.

Jede Dame hat ihre ganz individuellen Fähigkeiten. Beulah hier ist unter anderem Buchautorin und Köchin.

Fazit

Auf A House in California muss man sich einlassen. Zwar kommt es im Gewand eines Adventures daher, ist aber mehr ein interaktives Kunstwerk. Jake Elliott bezeichnet sein Spiel zurecht als „Imagist Poem“ [3]. Die erzählte Geschichte ist surreal und mitunter verworren. Ständig ist man gezwungen Dinge auszuprobieren und mit den vorhandenen Verben zu experimentieren. Teilweise ergeben bestimmte Aktionen noch nicht einmal einen Sinn. Die Grafik ist bewusst karg gehalten und erzeugt mit ihren wenigen Farben eine beklemmende Atmosphäre, welche die gut geschriebenen Texte noch verstärken. Wer jetzt immer noch nicht abgeschreckt ist, der sollte A House in California unbedingt eine Chance geben und anspielen – auch wenn man es an einem Nachmittag gelöst hat.

A House in California

Bezugsquelle: http://cardboardcomputer.com/games/a-house-in-california/
Entwickler: Cardboard Computer (Jake Elliott)
Lizenz: Eigene, Open Soure
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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