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Alte Strategen

Das Spiel zum Wochenanfang: Humble Introvision Bundle

28.11.2011
Schon wieder eins! Da hat man sich gerade erst mit den Spielen aus dem letzten Humble Bundle warm gespielt, da buhlt schon wieder ein neues Paket um zahlungswillige Käufer. Diesmal kommen vor allem Strategen auf ihre Kosten.

Die Humble-Bundle-Aktionen scheinen extrem beliebt zu sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass nur wenige Tage nach der letzten schon wieder eine neue anläuft. Diesmal stehen gleich vier Spiele des britischen Entwicklers Introvision zum Verkauf. Was man für sie zahlen möchte, darf man selbst bestimmen. Wer mehr als den aktuell gezahlten Durchschnitt überweist, bekommt sogar noch die zwei Bonusspiele Aquaria und Crayon Physics Deluxe obendrauf. Die Einnahmen erhalten nicht nur die Entwickler der Spiele, sondern auch der Humble-Bundle-Betreiber, die Electronic Frontier Foundation und Child's Play Charity. Letztgenannte versorgen Kinderkrankenhäuser kostenlos mit Spielzeug. Wer welchen Anteil vom eigenen Kaufpreis abbekommen soll, darf man über Schieberegler ebenfalls selbst festlegen.

Darwinia

Dr. Sepulveda hat ein eigenartiges Hobby. In seinem ziemlich großen Computernetz hat er einen virtuellen Vergnügungspark geschaffen. Bewohner sind die Darwinians, kleine Strichmännchen, von denen jedes über seine ganz persönliche künstliche Intelligenz verfügt. Dummerweise gab es eine kleine Sicherheitslücke, durch die Computerviren in die beschauliche Welt eingefallen sind. Natürlich kann man Dr. Sepulveda in dieser Situation nicht hängen lassen und greift ihm als digitaler Kammerjäger etwas unter die Arme.

Abbildung 1: Darwinia: Die kleinen grünen Strichmännchen sind die Darwinians, die drei gelben Stifte dazwischen eine Squat-Einheit und die roten Leuchtspuren einfache Viren.

Der Schauplatz des Geschehen ist eine dreidimensionale Landschaft, die ausschließlich aus Dreiecken besteht. Das Ganze erinnert stilistisch leicht an den Film Tron. Der Spieler kann Computerprogramme abrufen, die sich in Form von futuristischen Militäreinheiten materialisieren. Während das Squat-Team die als kleine rote Schlangen durch die Landschaft pulsierenden Viren beschießt, vereinnahmen Engineer-Roboter herumstehende Portale und andere nützliche Stationen.

Abbildung 2: Im späteren Verlauf werden die Viren immer anspruchsvoller. Die roten Centipede-Monster teilen sich bei Beschuss in mehrere unabhängige Ketten auf. Die Rauten links unten repräsentieren getötete Viren-Seelen.

Im späteren Verlauf kommen natürlich auch die Darwinians ins Spiel. Die kleinen grünen Strichmännchen betreiben unter anderem Minen, Generatoren und Geschütze. Anleiten und steuern lassen sie sich ähnlich wie im Klassiker Lemmings: Man erhebt per Mausklick einen Darwinian zum "Officier", den man dann wiederum mit einem Schild beispielsweise in eine ganz bestimmte Richtung zeigen lässt. Alle anderen Darwinians in seiner direkten Umgebung laufen dann umgehend dorthin. Die "Seelen" getöteter Darwinians und Viren lassen sich einsammeln und wiederbeleben. Einige der Viren im späteren Verlauf besitzen jedoch ebenfalls diese Fähigkeit und verwandeln so die einst netten Darwinians in fiese Gegner.

Abbildung 3: Multiwinia: Im Capture The Statue-Modus müssen die Teams die Statuen einsammeln und in ihre Kreise zu transportieren – und gleichzeitig den Gegner daran hindern.

Multiwinia

Darwinia besitzt lediglich eine Kampagne für Solospieler. Wer gegen reale Spieler antreten möchte, greift zu Multiwinia. Es basiert auf dem Konzept von Darwinia, konzentriert sich aber auf reine Mehrspielerpartien. Dabei kontrolliert jeder menschliche Mitspieler ein Völkchen aus Multiwinianern, mit dem er eine von sechs verschiedenen, teils ziemlich originellen Aufgaben erfüllen muss. Mal gilt es mit dem eigenen Team die ganze Karte zu erobern, mal nur bestimmte strategische Punkte. In Blitzkrieg müssen die Multiwinians die Fahne des Gegners stibitzen. Eine Abwandlung davon ist Capture The Statue, bei der es möglichst viele Statuen in die eigene Basis zu schleppen gilt. Beim Rocket Riot müssen die Multiwinians eine Rakete betanken, diese besteigen und schließlich zünden – wie man sich leicht vorstellen kann, ist eine vollgetankte Rakete ein leichtes Ziel für gegnerische Angriffe. Im Assault-Modus schließlich verteidigt ein Team eine ziemlich große Bombe bis zu ihrer Zündung, während das andere Team genau das zu verhindern versucht.

Abbildung 4: In Multiwinia geht es ziemlich wuselig zu. Hier müssen die Multiwinians die großen Kreise möglichst lange besetzt halten. Über die Leitungen eilen dabei neue Multiwinians herbei.

Defcon

Auch das Strategiespiel Defcon bietet kurze, schnelle Mehrspielerpartien. Auf einer rudimentären Weltkarte besetzt jeder Spieler einen Kontinent. Ziel ist es, die eigenen Städte vor dem Bombardement der Gegner zu schützen und umgekehrt deren Städte in Schutt und Asche zu legen.

Abbildung 5: Defcon zeigt das Kampfgeschehen auf einer reduzierten Karte. Die militärischen Einheiten repräsentieren leuchtende Symbole, Städte erscheinen als Rauten.

Defcon bezeichnet in den USA den Alarmzustand des Militärs, wobei die höchste Stufe 1 auch für einen Nuklearschlag steht. Daran orientiert sich auch Defcon, bei dem eine Partie in mehreren Phasen abläuft: Zunächst platziert jeder Spieler auf seinem Gebiet Geschütze, Flughäfen und Radarstationen. Letztgenannte helfen bei der Aufklärung der feindlichen Gebiete und decken heranfliegende Geschosse auf. Die Geschütze können entweder den Feind beschießen oder aber Angriffe abwehren – beides gleichzeitig geht nicht. Vor der Küste stationiert man schließlich noch Flugzeugträger, Schlachtschiffe und U-Boot-Flotten.

Abbildung 6: In der ersten Phase (Defcon 5) Platziert man in Defcon seine Einheiten.

In den nächsten Phasen versucht man die Stellungen des Gegners auszukundschaften und ihn mit konventionellen Waffen anzugreifen. Zum Abschluss darf man schließlich auch durchschlagskräftige Atombomben zünden. Jede Phase läuft eine festgelegte Zeitspanne. Es dauert zudem immer etwas, bis die Raketen ihr Ziel erreichen – eine gute vorausschauende Planung ist folglich überlebenswichtig.

Abbildung 7: In Defcon 4 bläst man schließlich zum Angriff. Seegefechte laufen dabei von alleine ab, wer mag, kann aber auch eingreifen.

Uplink

Wer schon immer einmal Hacker spielen wollte, ist bei Uplink goldrichtig. Darin erhält man von der namensgebenden Uplink AG mehr oder weniger zwielichtige Aufträge angeboten. Jeder erfolgreich abgeschlossene Auftrag erhöht die eigene Reputation, wodurch man wiederum Zugang zu besseren, aber auch schwierigeren Aufträgen bekommt. Die bringen zudem mehr Geld ein, mit dem man schließlich sukzessive seine Hard- und Software aufrüstet.

Abbildung 8: Nur mit dem richtigen Knackprogramm in der passenden Versionsnummer lässt sich in Uplink ein Auftrag diskret durchführen.

Die einzelnen Aufträge verbindet eine Hintergrundgeschichte, in der ein Konzern das weltweite Internet zerstören möchte. Als Spieler hat man die Wahl, für diesen Konzern zu arbeiten, ihn zu zerstören oder aber die Hintergrundgeschichte komplett zu ignorieren und als freier Hacker das Netz unsicher zu machen.

Abbildung 9: Um nicht erwischt zu werden, führt man die Verbindung über mehrere Server im Ausland.

Crayon Physics Deluxe

Das ungewöhnliche Denkspiel Crayon Physics Deluxe war bereits Teil eines älteren Humble Bundles [8]. In ihm muss der Spieler einen Ball über einen Stern bugsieren. Dazu sind meistens irgendwelche Gegenstände notwendig, wie etwa Rampen oder Wippen. Die malt der Spieler mit einem virtuellen Buntstift einfach direkt in die Landschaft. Sobald man seine Kreation bestätigt, wird die Zeichnung lebendig und unterliegt der Schwerkraft. Was einfach klingt, erfordert jedoch gerade im späteren Spielverlauf extrem viel Köpfchen.

Abbildung 10: Das Tutorial in Crayon Physics Deluxe zeigt wie es geht: Mit dem Stift malt man eine Kiste, die wiederum herunterfällt, den Ball anstößt, der wiederum den Stern berührt.

Aquaria

Die kleine Unterwassernixe Naija findet sich alleine in einer Höhle wieder. Auf der Suche nach ihrer Familie und ihren Erinnerungen steuert sie der Spieler durch die Weiten des Ozeans. In den stimmungsvollen handgezeichneten Landschaften warten neben hilfreichen Pflanzen auch gefährliche Gegner.

Abbildung 11: In Aquania erkundet das Unterwassenwesen Naija die Tiefen des Ozeans.

Glücklicherweise besitzt die Protagonistin eine magische Stimme. Indem sie bestimmte Tonfolgen singt, löst sie einen Zauber aus, der dann beispielsweise ein Schutzschild bildet. Die Lieder muss sie allerdings erst auf ihrer Reise nach und nach lernen. Unterstützend liegen in der Landschaft zahlreiche nützliche Gegenstände herum. Diese setzt Naija entweder direkt ein, um etwa Türen oder Portale zu öffnen oder sie backt aus ihnen nach Rezepten magische Kuchen, die sie dann beispielsweise kurzzeitig schneller schwimmen lassen.

Abbildung 12: In Aquania holt man über die rechte Maustaste eine bunte Orgel hervor. Beim Überfahren eines Objektes singt Naija den entsprechenden Ton. Bestimmte Kombinationen lösen schließlich einen Zauberspruch aus oder bringen die Fruchtkörper von Blumen zum Platzen.

Fazit

Wer Strategiespiele liebt, kann bei diesem Bundle fast blind zugreifen – vorausgesetzt man kann sich mit den teilweise recht mutigen und ungewöhnlichen Konzepten anfreunden.

Abbildung 13: Hier nimmt in Darwinia die gelb hervorgehobene Squat-Einheit die roten Virenketten rechts unter Beschuss. Die Landschaft setzt sich vollständig aus bunten Dreiecken zusammen.

Darwinia spielt sich durch die vielen abgedrehten Einfälle, wie etwa der Seelenwanderung der Darwinians, vollkommen ungewohnt und neuartig. Im Gegenzug muss man sich auf das teilweise etwas wirre Szenario einlassen. Die karge Grafik ist stimmig und passt zum Spiel. Überall findet man liebevolle Anspielungen auf Spieleklassiker. So erinnern beispielsweise die raupenartigen Viren an Centipede, während Luftangriffe kleine Space-Invaders ausführen. Multiwinia-Partien spielen sich ziemlich rasant und eignen sich somit für ein schnelles Spiel in der Mittagspause. Einsteiger benötigen allerdings bei beiden Spielen eine etwas längere Einarbeitungszeit.

Abbildung 14: Über diese Teleskope lassen sich die Multiwinians auf die andere Seite "übertragen".

Schnelle Partien bietet auch Defcon. Unter der Haube verbirgt sich ein extrem einfaches, aber durchaus spaßiges Echtzeitstrategiespiel – sieht man einmal von dem ethisch etwas fragwürdigen Atomschlagszenario ab. Grafisch und inhaltlich lehnt sich Defcon sichtlich an den Film Wargames an. Die Karte ist karg und in einer 80er-Jahre-Neonoptik gehalten, auf der umherfliegende Bomben bunte Linien hinter sich herziehen. Gerade deshalb geht in hitzigen Gefechten aber auch schnell mal die Übersicht verloren.

Abbildung 15: In der letzten Spielphase kann es in Defcon schon einmal heiß und auch unübersichtlich hergehen: Jede Linie steht für einen Angriff.

Um in Uplink einen Auftrag zu gewinnen muss man wiederholt passende Angriffsprogramme kaufen, diese einsetzen, neue Programme kaufen, einsetzen und so weiter – spannend ist was anderes. Wer sich allerdings gerne in klassischen Wirtschaftssimulationen durch lange Tabellen klickt, kann durchaus seine Freude an Uplink finden.

Abbildung 16: In Uplink klickt man sich durch blaue Textwüsten. Hier entscheidet man sich, mit welchem Server man eine Verbindung aufbauen möchte.

Aquaria lässt sich am ehesten als Action-Adventure oder Rollenspiel einstufen. Sein Reiz liegt vor allem in der Erkundung der relativ offenen Welt. Das Unterwasserszenario ist unverbraucht und die Landschaft lockt mit immer neuen Details. Es fällt allerdings gerade am Anfang etwas schwer, die gut gesinnten Meeresbewohnern von den fiesen zu unterschieden. Wer alle Gänge und Geheimverstecke erkundet hat, darf mit einem Leveleditor eigene Unterwasserhöhlen zusammenbasteln.

Abbildung 17: Den Spielstand speichern kann man in Aquania nur in diesen roten Edelsteinen.

Crayon Physics Deluxe hat ein originelles, simples wie auch geniales Spielprinzip, das extrem süchtig macht. Wer es noch nicht besitzt, sollte es schnellstens probespielen – beispielsweise mit der offiziellen Demoversion [3].

Abbildung 18: Dieses Rätsel lässt sich lösen, indem man ein Gewicht einzeichnet.

Sieht man einmal vom langweiligen Uplink ab, enthält das Humble Introvision Bundle keine Gurken. Besonders hervor stechen Crayon Physics Deluxe, Aquaria, sowie die ungewöhnlichen Darwinia und Multiwinia. Die meisten Spiele sind allerdings schon etwas älter, Darwinia beispielsweise über sechs Jahre. Nichtsdestotrotz machen sie immer noch Spaß und überbrücken garantiert zahlreiche usselige Wintertage.

Humble

Bezugsquelle: http://www.humblebundle.com
Entwickler: Introvision
Lizenz: Kommerziell
Preis: beliebig
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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Kommentare
Bonusspiel
Tim Schürmann, Dienstag, 29. November 2011 22:39:52
Ein/Ausklappen

Heute ist noch das Rollenspiel "Dungeons of Dredmor" hinzugekommen. Man erhält es allerdings nur, wenn man mehr als den aktuellen Durchschnittspreis bezahlt - oder bezahlt hat. Käufer sollten deshalb einen Blick auf ihre persönliche Download-Seite werfen.


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