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Wer hat's gesehen?

Das Spiel zu Weihnachten: The Clockwork Man

24.12.2010
Wimmelbildspiele erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Während Windows-Spürnasen in entsprechenden Produkten ertrinken, schaut man unter Linux weitgehend in die Röhre. Total Eclipse bietet mit ihrer Reihe The Clockwork Man gleich zwei ansehnliche Lichtblicke.

Die Post fördert für Miranda Calomy eine gute und eine schlechte Nachricht zu Tage: Das ersehnte Stipendium für ein Ingenieursstudium an der Londoner Universität wurde zwar bewilligt, es fehlt aber noch ein Essay über eine interessante Erfindung. Da kommt ein Brief von ihrem Großvater gerade gelegen. Der weltberühmte Erfinder bittet seine Enkelin um ein paar ganz spezielle Gegenstände für ein neues Gerät, an dem er gerade bastelt. In der Hoffnung auf seine Hilfe bei der Studienarbeit macht sich Miranda umgehend mit einem Luftschiff auf den Weg. Doch kurz vor dem Ziel greifen Piraten das Luftschiff an, dieses schlägt Leck und die mitgebrachten Gegenstände verteilen sich über das Städtchen New Coventry. Wieder eingesammelt, suchen Diebe Mirandas Hotelzimmer heim und ihr Großvater scheint auch spurlos verschwunden.

Abbildung 1: Das Bestickte Kissen ist bereits gefunden, die anderen sechs Gegenstände (vom Abakus bis zur Porzellanpuppe verstecken sich noch irgendwo hier in Mirandas Wohnung (The Clockwork Man, Teil 1).

Argusaugen

Um der Lösung der Geschehnisse und dem Verbleib des Großvaters auf die Spur zu kommen, muss man immer wieder liebevoll gezeichnete Umgebung nach fitzeligen und gut versteckten Gegenständen absuchen. So gilt es etwa in Mirandas Wohnung, einer Mischung aus Werkstatt und Schlafzimmer, die besagten Briefe zu finden. Wer nicht weiterkommt, darf auf die Hilfe des kleinen Roboters Sprocket zurückgreifen. Allerdings verbraucht Mirandas Weggefährte mit jedem Fingerzeig wertvolle Energie, die sich nur langsam regeneriert.

Abbildung 2: The Clockwork Man bietet gleich mehrere Hilfen: Zunächst melden sich zu Beginn des Spiels immer wieder solche Tafeln, die in die Bedienung einführen. Beim Aufspüren von Gegenständen assistiert zudem der Roboter Sprocket (The Clockwork Man, Teil 1).

Für Abwechslung sorgen hin und wieder klassische Adventure-Elemente. Beispielsweise muss Miranda nach dem Piratenangriff ein Rohr im Luftschiff flicken. Die dafür nötigen Zutaten sind selbstverständlich zuvor im ebenfalls ziemlich chaotischen Maschinenraum einzusammeln.

Abbildung 3: Solche Adventure-Einlagen sind selten (The Clockwork Man, Teil 1): Die Radioröhre hat Miranda bereits eingesetzt, als nächstes muss sie noch das Rohr rechts oben flicken. Dabei stehen ihr die Zutaten und Werkzeuge am unteren Rand zur Verfügung.

Die Geschichte treiben primär Dialoge zwischen Miranda und anderen Personen voran, Zwischensequenzen fehlen. The Clockwork Man setzt durchgehend auf gezeichnete 2D-Grafiken, die sich am sogenannten Steampunk-Szenario orientieren. Das Geschehen spielt dabei im viktorianischen Zeitalter, in der jedoch die Dampfkraft gegenüber der Elektrizität gewonnen hat.

Abbildung 4: Gespräche, wie hier mit dem Portier des Hotels in New Coventry, treiben die Handlung voran. Große Literatur sollte man dabei allerdings nicht erwarten (The Clockwork Man, Teil 1).

Mit dem Zweiten sieht man besser

Für das griechische Entwicklerstudio Total Eclipse war The Clockwork Man ein so großer Erfolg, dass man einen zweiten Teil mit dem Untertitel The Hidden World hinterher schob. In ihm begibt sich Miranda auf die Spuren ihrer verstorbenen Eltern und entdeckt dabei eine vergesse Welt.

Abbildung 5: The Same Procedure: Auch im Sequel "The Hidden World" sucht man überfüllte Szenen nach kleinen Gegenständen ab. In dieser verlassenen Mine wurden Mirandas Eltern zuletzt gesehen.

Das Konzept des ersten Teils wurde unverändert beibehalten: Der Spieler sucht nach wie vor kleine Gegenstände in nett gezeichneten Landschaften. Die Adventure- und Rätselanteile haben die Macher jedoch erhöht und die Hintergrundgeschichte mit comicartigen Zwischensequenzen etwas spannender in Szene gesetzt.

Abbildung 6: In "The Hidden World" treiben Standbilder im Comic-Stil die Handlung voran.

Detektiv auf Probe

Der erste Teil kostet auf der Homepage des Herstellers ca. 15 Dollar, für die "Ultimate Edition" der zweiten Folge sind knappe 20 Dollar zu berappen. Den ersten Teil gibt es auch mit deutschen Untertiteln und Menüs, die Hidden World muss man derzeit noch vollständig in Englisch erkunden. Für unschlüssige Rätselfreunde stehen Testversionen bereit, deren Linux-Varianten allerdings recht gut versteckt sind: Auf der Homepage des jeweiligen Spiels ([1], [2]) klickt man More Systems & Languages an und dann in der Spalte Download Demo auf das Pinguin-Symbol neben der gewünschten Sprache. Das dabei erhaltene Archiv entpackt man auf der Festplatte und startet das darin mitgelieferte Programm.

Abbildung 7: Auf Landkarten wie dieser von New Coventry verraten die Zahlen, wie viele gesuchte Gegenstände an den jeweiligen Orten bereits gefunden wurden. In diesem Fall wurde noch kein einziger aufgespürt.

Das Spiel selbst ist Dank zahlreicher Hilfestellungen weitgehend selbsterklärend: Mit der Maus klickt man einen Gegenstand in der Szene an. Steht er auf der Liste, streicht ihn das Programm von dieser, andernfalls passiert nichts. In einigen Szenen kann man mit den Pfeilen in der Mitte des unteren Bildschirmrandes den Blickwinkel verändern.

Clevere Blechbüchse

Den Roboter Sprocket rüstet Miranda im Laufe des Spiels mit neuen Funktionen aus. Ein Drucker zeigt dem Spieler beispielsweise, wie ein gesuchter Gegenstand aussieht, ein Spezialauge spürt ihn direkt in der Szene auf. Um diese Hilfen in Anspruch zu nehmen, klickt man auf den Roboter links unten und dann auf das entsprechende Symbol.

Abbildung 8: Sprocket erhält im Laufe des Spiels immer mal wieder eine Erweiterung. Der Drucker hier spuckt ein Bild des gesuchten Gegenstandes aus und verbraucht recht wenig Energie.

In The Hidden World liegen diese Funktionen als kleine Kugeln um das Robotergesicht links unten. Auf der rechten Bildschirmseite kommt ein Tagebuch hinzu, in dem Miranda maßgeblich die Hintergrundgeschichte weiterführt. Über den kleinen Kreis darüber gelangt man an eine Aufgabenliste, der Kreis unterhalb des Buches führt zu einer Landkarte, über die man – falls möglich – seinen Aufenthaltsort wechselt. Um eine spezielle Nahansicht wieder zu verlassen, positioniert man den Mauszeiger am unteren Bildschirmrand. Alle aufgenommenen Gegenstände verstaut Miranda in der Leiste am oberen Bildschirmrand, die aufklappt, sobald man sie mit der Maus anstößt.

Abbildung 9: Gefundene Gegenstände zeigt das Spiel als Großaufnahme und streicht sie dann von der Liste (The Clockwork Man, Teil 1).

Fazit

The Clockwork Man ist ein klassisches Wimmelbildspiel, dessen Rätsel allerdings immer wieder aufgesetzt wirken. So muss man beispielsweise gleich mehrere Gegenstände aus einer Dachkammer fischen, obwohl man der Geschichte zu Folge nur einen einzelnen Schlüssel braucht. Besonders schwierig ist die Fahndung zudem nicht: Meist reicht es schon aus, einfach wild durch das Bild zu klicken, alle übrigen Gegenstände findet man schnell mit der Hilfe des Roboters.

Insbesondere die Hintergrundgeschichte des zweiten Teils motiviert jedoch ungemein und ist spannend inszeniert. Für Fans klassischer Adventures dürften die beiden Teile viel zu einfach und eintönig sein, begeisterte Wimmelbild-Spieler können jedoch blind zugreifen. Mit der englischen Version kann man übrigens auch auf unterhaltsame Weise seine Englischkenntnisse prüfen.

The Clockwork Man

Bezugsquelle: http://www.theclockworkman.com
Entwickler: Total Eclipse
Lizenz: Kommerziell
Preis: 14,95 Dollar (Teil 1), 19,95 Dollar (Teil 2)
Voraussetzungen: Halbewegs aktuelle Distribution (offiziell ab Fedora 6, Ubuntu 6, openSUSE 10.2, Mandriva 2007) 1,6 GHz Prozessor, 512 MB Hauptspeicher, freier 126 MB Festplattenplatz

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Kommentare
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch
Tim Schürmann, Freitag, 24. Dezember 2010 16:13:10
Ein/Ausklappen

Mit The Clockwork Man verabschiedet sich das Spiel zum Wochenende in eine kleine Winterpause. Im nächsten Jahr geht es dann wieder mit neuen Spielen weiter. Wer nicht so lange warten möchte, kann noch einmal alle 45 in diesem Jahr vorgestellten Spiele ausprobieren:

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Autor und Redaktion wünschen allen Lesern frohe Weihnachten, einen guten Rutsch und natürlich ein tolles, erfolgreiches 2011!

Tim Schürmann


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