Neues von Qualcomm
ARM-Netbooks, Opensource-Initiativen und neue Techniken
Opensource & Qualcomm
Unser Haupt-Interesse gilt allerdings den ARM-Netbooks mit Qualcomms neuer CPU: Mit dem Snapdragon schickt sich Qualcomm an, eine neue Klasse von ARM-basierten Netbooks zu etablieren (siehe Interview im aktuellen LinuxUser 12/09). ARM-Netbooks stellen eine große Chance für Linux dar, da Microsoft dank der anderen Prozessorarchitektur hier seinen Windows-Software- und Treibervorteil nicht ausspielen kann - Linux hingegen ist hochportabel und funktioniert auf ARM genauso wie unter x86. Erst vor wenigen Wochen gab Qualcomm die Gründung des QuIC (Qualcomm Innovation Center) bekannt. Wir sprachen mit Sy Choudhury, bei Qualcomm Director für Product Management, darüber. Er sagt uns, dass Opensource für Qualcomm einen sehr hohen Stellenwert hat - was auch in der Keynote zuvor mehrmals betont wurde. Das QuIC soll unabhängig von anderen Entwicklern bei Qualcomm operieren, damit es keine Patentprobleme beim Veröffentlichen von eigenem Code gibt. Und das Team hat seine Arbeit schon begonnen: ARM-Patches für den Linux-Kernel, fürs Gstreamer-Framework, das Video-Framework v4l2 und für Googles stark auf x86 optimierte V8-Javascript-Engine wurden bereits submittet, ARM-Optimierungen für ffmpeg sind in der Planung. Erklärtes Ziel des QuIC ist es, möglichst viel an die Entwicklergemeinde zurückzugeben, um die Popularität der ARM-Plattform allgemein zu steigern, die Nutzung von Opensource, um eigene Software zu entwickeln (wie Apple dies beispielsweise gerne macht) ist für Qualcomm sekundär. Das Code Aurora-Forum soll dabei eine zentrale Anlaufstelle für Opensource im Mobilbereich werden, bei dem QuIC nur ein Mitglied unter vielen ist.
Profitieren tut davon nicht nur Qualcomms eigener Snapdragon, sondern alle ARM-CPUs, die sich aufs V7 Instructionset verstehen, also auch beispielsweise ARM-Chips von Marvell, Texas Instruments oder sogar Apple, deren iPhone auch einen Cortex A8 beinhaltet. Wir wollten von Choudhury wissen, ob und wenn ja wann Qualcomm auf das neue Cortex A9-Design umstellt, welches ARM vor wenigen Wochen vorgestellt hat und das in ARM-CPUs erstmalig Out-of-order-Execution, bessere Fließkommaleistung, Multicore bis Quadcore und über 2 GHz Takt verspricht. Der Product Manager wollte sich noch nicht konkret festlegen, sagte aber, dass die Zusammenarbeit und der Ideenaustausch mit ARM sehr eng sei - Qualcomm lizensiert nicht wie die meisten anderen Hersteller fertige ARM-Kerne, sondern hat dank seiner Architectural License völlige Freiheit bei der Implementierung und Verbesserung der sogenannten "Hard Macros" von ARM. Man darf vermuten, dass Qualcomm erst einmal 2010 die neue, in 45 Nanometer gefertigte QSD8672-Generation des Snapdragons mit Dualcore und bis zu 1.5 GHz Takt ausliefert und dass die Nachfolgergeneration dann Cortex A9-basiert sein wird.
An Snapdragon-Hardware waren neben zahlreichen Handys und einem größeren Windows-Mobile MID auch zwei Netbook-Prototypen zu sehen, die beide mit Googles Android liefen. Die Geräte waren beide äußerst flach und hatten laut Qualcomm Akkulaufzeiten von über 10 Stunden.



