Bei einem Hersteller, der traditionell im mobile Chipset-Bereich verwurzelt ist, hatten natürlich viele der vorgestellten Techniken damit zu tun, beispielsweise der kommende Mobilfunk-Standard HSPA+, der Datenraten bis 28 Megabit erlaubt oder der 3G-Nachfolger LTE. Mit "Femtocell" will Qualcomm quasi kleine Handymasten in hochfrequentierte Gebäude bringen, um darin maximale HSPA-Datenraten und bessere Versorgung zu gewährleisten. Der "Gobi"-Chipsatz soll es den Herstellern attraktiv machen, 3G direkt in ihre Notebooks zu integrieren. Das macht nicht nur hässliche externe USB-Dongles oder Express/PCMCIA-Karten überflüssig, sondern bietet auch Vorteile beim Empfang, da die Antennen ins Gehäuse integriert und speziell auf optimale Empfangsleistung ausgelegt werden können.
Mobile Software-Initiativen
Auf der Softwareseite gibt es "Plaza" zu sehen, eine App-Store-Lösung, die es Mobile-App-Entwicklern und Providern sehr leicht macht, einen App-Store aufzusetzen und ihre Anwendungen ausliefern zu können, ohne sich um die Kompatibilität zu hunderten verschiedene Handy-Modellen zu kümmern. Auch um die einzelnen gesetzlichen Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern müssen sich die Plaza-Entwickler keine Sorgen machen. Qualcomm brüstet sich damit, mit BREW schon deutlich länger als Apple, Google und Co eine Entwicklungsplattform für Handys anzubieten, mit der man bereits 2 Milliarden Programme ausgeliefert hat. Mittels "Skifta" will Qualcomm Medien-Content via Internet und UPnP/DLNA von allen Geräten auf allen Geräten verfügbar machen.
Stromsparende Displays und kabelloses Laden
Besonders interessant sind einige grundlegende Techniken, die Qualcomm für Mobilgeräte entwickelt: Mirasol nennt sich beispielsweise eine neue passive Displaytechnologie, quasi die farb- und videotaugliche Version des in sämtlichen eBook-Readern genutzten e-Ink Displays. Wie e-Ink funktioniert Mirasol auch ohne eigene Lichtquelle und benötigt nur zur Änderung des Displayinhaltes Strom. Dieser geht auch ohne den von e-Ink gewohnten "Reset" der Bildpixel vonstatten, weswegen sich Mirasol auch zum Darstellen von Video eignet. Qualcomm hatte um das zu demonstrieren ein kleines 2.2"-Display in QVGA-Auflösung, das mit 30 fps Video abspielte. Gelegentlich war zwar noch vertikales Tearing zu sehen, aber es handelte sich um einen Prototypen, Qualcomm will das Problem bald behoben haben. Die Pixeldichte von 221 dpi liegt über den 160 dpi von e-Ink-Displays, und die Farbwiedergabe war brilliant und völlig blickwinkelunabhängig. Laut Qualcomm sind die Displays nicht nur hervorragend im hellen Sonnenlicht nutzbar, sondern lassen sich auch von oben (Frontlight) beleuchten, was eine wesentlich effizientere Licht-Nutzung darstellt als bei LCDs, die im Schnitt nur 6% des erzeugten Lichts effektiv abstrahlen. Da der Stromverbrauch von Mirasol davon abhängt, was sich auf dem Bildschirm wie schnell ändert, variieren die Einsparungen: Für Videowiedergabe, wo sich der gesamte Bildschirminhalt ständig ändert, verspricht Qualcomm beispielsweise eine Senkung des Display-Anteils am Gesamt-Stromverbrauch von 29% auf 4% im Vergleich zu einem LCD-Display. Beim SMS-schreiben ist die CPU wenig gefordert, hier beträgt der Display-Anteil bei LCD 73%, mit Mirasol nur noch 10% - beides übrigens inklusive Beleuchtung, Backlight bei LCD, Frontlight bei Mirasol.
Ebenfalls spannend war eZONE, eine Technik zum kabellosen Aufladen von Mobilgeräten. Wird das Gerät auf die Ladematte gelegt, lädt es sich automatisch auf, die Ladezeit ist dabei nicht länger als normal per Kabel. Mehrere Geräte können gleichzeitig irgendwo auf der Ladematte (beziehungsweise bis zu 15 cm entfernt davon, bei abnehmender Ladeleistung) geladen werden. Mit zunehmender Gerätezahl funktioniert das Laden zwar langsamer, aber der Anwender kann gewissen Geräten eine höhere Ladepriorität geben. Bemerkenswert daran ist, dass eZONE nicht per Induktion funktioniert, weswegen es keine Gefahr für magnetische Datenträger oder Kreditkarten darstellt. Über die technischen Details wollte Qualcomm nicht zuviel erzählen, ließ aber zumindest durchblicken, dass sie stattdessen auf niederfrequente RF-Strahlung setzen. Erste Geräte mit eZONE sollen bereits 2010 auf den Markt kommen.


