Turion II: K10-Leistung mobil in 45 Nanometer

Der "Caspian"-Die des Turion II

AMDs neue Mobilgeneration Turion II im Test

23.10.2009
Lange wurden modernisierte Turions der K10-Generation im 45 Nanometer-Prozess erwartet. Nun sind sie endlich da: Immer noch keine Stromsparwunder, aber deutlich schneller.

Das Acer Aspire 7540G gehört zu den ersten Notebooks, die mit dem AMD Turion II X2 M520 ausgestattet sind. Der auf 2,3 GHz getaktete Prozessor ist Teil der neuen Tigris-Plattform. Informationen über die neuen Caspian-Turions sind im Netz spärlich gesät , nach den bisher bekannten Informationen sollte es sich nur um eine Strukturverkleinerung auf 45 Nanometer mit etwas mehr Takt und geringerem Stromverbrauch handeln.

Aber der Turion II ist mehr als eine Strukturverkleinerung: AMD hat auch die Architektur des Chips selbst auf den aktuellen Stand gebracht. Anstatt eine CPU mit gleicher Leistung aber geringerem Stromverbrauch zu produzieren, entschieden sich die AMD-Entwickler, dem Turion II X2 lieber mehr Takt und damit bis zu 30 Prozent mehr Rechenpower zu verpassen: Laut aktuellen Messungen mit der LinuxUser-Benchmark-Suite erreicht der Turion II X2 M520 im Vergleich zum Turion X2 RM-74 mit 2,2 GHz bei gerade mal 4,5% mehr Takt satte 23,2% mehr Leistung mit 32-Bit-Systemen.

Auf einem 64-Bit-Rechner beträgt der Unterschied sogar 30% im direkten Vergleich zur Vorgängergeneration - beide haben 1MB L2-Cache. Damit liegt das Gerät auf demselben Niveau wie das im aktuellen LinuxUser getestete HP ProBook 4710s mit Intel Core 2 Duo 2.1 GHz, wobei der Core 2 Duo auf 64-Bit-Systemen noch einen hauchdünnen Vorsprung hat.

Leistung top

AMD zieht damit seit langer Zeit bei der Notebook-Leistung endlich wieder ungefähr gleich mit Intel. Zumindest im Einstiegs- und Midrange-Bereich, mit Intels Top-Mobilchips wie etwa dem Core 2 Duo T9900 mit 3 GHz oder auch dem Core-2-Quad-Extreme mit 2,53 GHz kann AMD immer noch nicht konkurrieren. Auch wenn das neue Topmodell Turion II X2 M640 Ultra mit 2MB L2-Cache seit Kurzem auch in einer 2,6-GHz-Version erhältlich ist.

Wie es aussieht basieren die Caspian-Chips auf dem "Regor"-Design der im Juni 2009 vorgestellten neuen Athlon II-Generation und damit auf der K10-Architektur (Vorgänger: K8). Die allgemein verbesserte Leistung sowie die 16,2 % Zugewinn im 64-Bit-Modus sind laut AMD hauptsächlich der 128-Bit-Fließkommaeinheit zu verdanken, die AMD damals im Phenom erstmalig vorgestellt hat.Beim Turion I bemängelten wir im Test den mageren Zugewinn von nur 10,3% in 64 Bit.

Interessant ist auch der Radeon-HD-4200-Grafikkern im begleitenden RS880M-Chipsatz, denn dieser kann nicht nur 2 HD-Streams gleichzeitig dekodieren, er ist auch ATIs erste OpenCL-fähige Chipsatzgrafik -- was zeitlich gut zur aktuellen Veröffentlichung von ATIs OpenCL SDK passt. Er soll Mutmaßungen diverser Hardware-Webseiten zufolge der momentan leistungsfähigste Vertreter integrierter Grafikkerne sein und sogar Nvidias Ion (Geforce 9400m) schlagen.

Überzeugen kann Tigris auch in Sachen I/O: Mit satten 6.4 GByte/s Speicherdurchsatz über zweikanaligen DDR2-Speicher setzt das Pavilion 7540G nicht nur eine neue Bestmarke für Laptops im LinuxUser-Testlabor, sondern ist zudem mehr als die Hälfte schneller als ein Core 2 Quad mit ebenfalls zweikanaligem DDR3-1066-Speicher (4,2 GByte/s).

Als sehr flott erweist sich auch die Festplatte (73 MByte/s) und USB 2.0: Mit dem neuen RS880M-Chipsatz hat AMD wohl nun endlich die Probleme des Vorgängers beim USB-Durchsatz behoben: Statt 16 Megabyte pro Sekunde messen wir nun das Doppelte: 32 Megabyte/s. Der RS880M ist also genausoschnell in USB wie Intels neuere Chipsätze, die in Sachen USB-Geschwindigkeit bisher die Referenz darstellten.

Kaum Änderungen im Stromverbrauch

In Sachen Stromverbrauch sind die Ergebnisse gemischt: Obwohl Vergleiche zwischen unterschiedlichen Laptops grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen sind, ist das Aspire 7540G doch recht gut mit dem Pavilion dv7 2070eg von HP mit dem Vorgänger-Turion vergleichbar: Beide haben einen 17,3"-Bildschirm und eine Radeon-Grafikkarte der 4000er-Serie.

Im Leerlauf verbraucht das Aspire 30 Watt, das sind rund 4 Watt weniger als beim HP Pavilion. Unter 100% CPU-Last auf allen Kernen benötigt es mit 57 Watt sogar 12 Watt weniger, ebenso unter Volllast auf allen CPU-Kernen und Grafikchip (65 Watt). Das bedeutet, dass die beiden Grafikchips (Radeon HD 4650 im Pavilion und Radeon HD 4570 im Aspire) mit 8 Watt zusätzlich genausoviel Strom verbrauchen.

Unabhängig vom Gesamt-Laptop ist das Verbrauchs-Delta zwischen voller CPU-Last und Leerlauf, und das beträgt beim Turion II 27 Watt, während es beim Turion I noch bei 35 Watt lag. Ein Mysterium ist jedoch die Akkulaufzeit: Diese liegt beim Aspire im Leerlauf bei 3:22 Stunden und damit 8 Minuten unter dem Pavilion (3:30). Das Aspire hat mit 71 Wattstunden jedoch einen größeren Akku (Pavilion: 63 Wattstunden).

Unter 100% CPU-Last zeigt sich das genaue Gegenteil, hier hält das Aspire mit 1:25 acht Minuten länger durch als das Pavilion. Diese seltsame Diskrepanz lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass der Kernel 2.6.28 im für den Test verwendeten Ubuntu 9.04 gewisse Stromspar-Features der sehr neuen Turion IIs wohl noch nicht unterstützt -- und der Turion I ist ja nun schon viele Jahre auf dem Markt. Multiplizieren wir die Lautzeit des Pavilion unter 100%-CPU-Last um den Faktor, den der Akku größer ist, kommen wir ziemlich genau auf die Akkulaufzeit des Aspire unter Last.

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  • Blaumann
    Das Acer Aspire 7540G hat den neuen Turion II X2 und bietet ordentlich Ausstattung fürs Geld.
  • Phenomenal
    AMD tritt mit seinen Quad-Core-Prozessoren gegen die starke Konkurrenz von Intel an. Wir testen einen Phenom X4 gegen die mobile CPU Turion X2 und einen Core-2-Duo-Prozessor von Intel.
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