Bislang bot nur Dell mit dem Mini 12 ein Netbook mit einer Bildschirmdiagonale von 12 Zoll und einer Auflösung von 1280 x 800 Bildpunkten an. Seit ein paar Monaten gibt es nun von Samsung ein Konkurrenzprodukt. Es heißt NC20 und benutzt anstelle der üblichen Atom-CPU ein VIA-Mainboard mit entsprechender CPU, VX800-Chipsatz und integrierter Chrome-9-Grafik.
Das NC20 kommt mit einem relativ stark spiegelnden aber auch sehr hellen Display. Der Einschaltknopf befindet sich nicht an der gewohnten stelle, sondern wie beim Aspire One im rechten Scharnier. Bei den Schnittstellen hat Samsung nicht sehr viel Kreativität gezeig: mit 3 x USB 2.0, Audio-In/Out, VGA-Out, einer 1.3-Megapixel-Webcam und einem Kartenleser an der Frontseite bietet das Netbook nur die Standard-Ausstattung. Im Inneren ist neben dem WLAN-Modul zusätzlich auch ein Bluetooth-Adapter vorhanden. Einen SIM-Kartenslot für eine UMTS-Verbindung bringt das Modell nicht mit.
Als Festplatte kommt eine traditionelle 160-GByte-Festplatte zum Einsatz. Der RAM-Slot ist mit einem 1-GByte-Modul vorbestückt und lässt sich bis zu 2 GByte ausbauen. Der 6-Zellen-Akku mit 5200 mAh hält je nach Nutzung zwischen 4 und 5 Stunden durch.
Sehr gut gefiel uns am Gerät die Wartungsklappe an der Netbook-Unterseite. Wer dem NC20 eine Solid State Disk spendieren oder den Hauptspeicher aufrüsten möchte, muss kein Techniker sein. Ebenfalls zu überzeugen vermochte die sehr angenehme Tastatur und das Touchpad. Einzig die Steuerungstasten und BildAuf BildAb sind etwas gar klein ausgefallen.
Als erstes wollten wir unser Testgerät mit einer Solid State Disk beglücken. Dummerweise weigerte sich das BIOS, diese zu erkennen. Eine kurze Recherche im Netz ergab, dass ich über die Tastenkombinationen [Fn]+[11] und [Fn]+[F12] zusätzliche Features des BIOS freischalten lassen. Hier lag denn auch der Hund begraben: UnterVIA_ADV war im Menü Advanced Chipset Control der Eintrag SATA GenI/II Control auf GenI gesetzt. Unsere SSD gehört aber der zweiten Generation an, weshalb wir den Eintrag auf auto setzten.
Nachdem die Probleme mit der SSD gelöst waren, machten wir uns an die Installation des frischen Ubuntu 9.04. Doch die neue Ubuntu-Version scheint mit dem VIA-Chipsatz ihre Probleme zu haben und zeigte anstelle des Login-Managers nur ein flickerndes Bild an. Auch Versuche mit älteren Ubuntu-Versionen und diversen Derivaten, darunter auch Easy Peasy scheiterten jeweils an der Chrome-9-Grafik.
Besser verhielt sich OpenSuse 11.1. Hier gelang die Installation problemlos. OpenSuse setzt im Gegensatz zu Ubuntu den Vesa-Treiber ein. Allerdings lässt sich mit dem Vesa-Treiber nicht wirklich arbeiten, wir probierten deshalb diverse Openchrome-Module aus dem OpenSuse-Buildservice aus -- vergebens. Mit keinem der Module wollte der X-Server starten. Fündig wurden wir schließlich beim großen Bruder: Von SLES10 gibt es ein X.org-Repo mit VIA-Treibern für OpenSuse 11.1. Hier luden wir das passende RPM-Paket für OpenSuse 11.1 herunter und siehe da, es funktionierte. Die Grafik-Performance ist nicht überragend, mit Kaffeine funktionierte zudem die 2D-Beschleunigung nicht. Über MPlayer und Vlc ließen sich aber problemlos Videos und DVD-Filme im Vollbildmodus betrachten. Mangels 3D-Support müssen KDE-Nutzer allerdings auf Desktop-Effekte verzichten.
Da OpenSuse die Akkulaufzeit mit lediglich 2,5 Stunden angab, schauten wir uns die CPU-Frequenz einmal an. Sie lag durchgehend auf den maximalen 1,6 GHz. Abhilfe schafft das Kernelmodul e_powersaver: ist es geladen, taktet die VIA-CPU automatisch auf 800 MHz herunter, wenn keine Leistung benötigt wird. Das Powermanagement funktioniert relativ gut. Aus einem Suspend-to-RAM wacht das NC20 problemlos wieder auf. Die Display-Helligkeit lässt sich zwar über die dafür vorgesehenen Tasten nicht regeln, aber das neue Powersave-Applet von KDE 4 erledigt diese Aufgabe softwaregesteuert.
Ebenfalls problemlos installieren ließ sich die aktuelle Testversion von Fedora 11, die allerdings ebenfalls auf den Vesa-Treiber setzt und keine 2D-Beschleunigung mitbringt. Fedora unterstützt hingegen das Speed-Stepping des VIA-Prozessors ohne zusätzliches Kernelmodul.
Alle getesteten Distributionen erkannten das WLAN-Modul über den im Kernel integrierten Treiber ath5k problemlos, auch die Webcam arbeitet mit den Uvcvideo-Treibern unter jeder aktuellen Distribution. Allein der Kartenleser ließ sich auf keine Art zur Mitarbeit unter Linux bewegen. Es handelt sich dabei um die USB-SATA-Brücke von JMicron, die unter anderem auch das Aspire One für den zweiten Kartenleser nutzt. Auf unserem Testsystem sprach der Leser aber auf keinen einzigen Treiber an.
Für gut 450 Euro gehört das NC20 nicht zu den Billignetbooks, bringt aber dafür ein deutlich größeres Display mit. Wer auf der Suchen nach einem guten 12-Zoll-Netbook ist, sollte trotzdem das Dell-Modell wählen. Es bringt den besseren Linux-Support mit und ist zudem mit vorinstalliertem Ubuntu erhältlich. Mit einem Gewicht von 1,2 kg ist es zudem rund 300g leichter als das Samsung-Netbook, welches es nur mit vorinstalliertem Windows XP gibt. Preislich liegen die zwei Netbooks in etwa gleich auf.
Hier noch die Ausgabe von lsusb und lspci:
[liveuser@localhost ~]$ lsusb Bus 001 Device 003: ID 0ac8:c326 Z-Star Microelectronics Corp. Bus 001 Device 002: ID 152d:2338 JMicron Technology Corp. / JMicron USA Technology Corp. JM20337 Hi-Speed USB to SATA & PATA Combo Bridge Bus 001 Device 001: ID 1d6b:0002 Linux Foundation 2.0 root hub Bus 002 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 003 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub Bus 004 Device 002: ID 0a5c:2101 Broadcom Corp. A-Link BlueUsbA2 Bluetooth Bus 004 Device 001: ID 1d6b:0001 Linux Foundation 1.1 root hub
[liveuser@localhost ~]$ lspci 00:00.0 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800 Host Bridge (rev 12) 00:00.1 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 Error Reporting 00:00.2 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 Host Bus Control 00:00.3 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800 PCI to PCI Bridge 00:00.4 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 Power Management Control 00:00.5 PIC: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 APIC and Central Traffic Control 00:00.6 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 Scratch Registers 00:00.7 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 North-South Module Interface Control 00:01.0 VGA compatible controller: VIA Technologies, Inc. Device 1122 (rev 11) 00:03.0 PCI bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 PCI Express Root Port 00:03.1 PCI bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 PCI Express Root Port 00:0c.0 SD Host controller: VIA Technologies, Inc. SDIO Host Controller (rev 10) 00:0d.0 FLASH memory: VIA Technologies, Inc. Secure Digital Memory Card Controller 00:0f.0 IDE interface: VIA Technologies, Inc. VX800 Serial ATA and EIDE Controller 00:10.0 USB Controller: VIA Technologies, Inc. VT82xxxxx UHCI USB 1.1 Controller (rev a0) 00:10.1 USB Controller: VIA Technologies, Inc. VT82xxxxx UHCI USB 1.1 Controller (rev a0) 00:10.2 USB Controller: VIA Technologies, Inc. VT82xxxxx UHCI USB 1.1 Controller (rev a0) 00:10.4 USB Controller: VIA Technologies, Inc. USB 2.0 (rev 90) 00:11.0 ISA bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 Bus Control and Power Management 00:11.7 Host bridge: VIA Technologies, Inc. VX800/VX820 South-North Module Interface Control 00:14.0 Audio device: VIA Technologies, Inc. VT1708/A [Azalia HDAC] (VIA High Definition Audio Controller) (rev 20) 01:00.0 Ethernet controller: Atheros Communications Inc. AR242x 802.11abg Wireless PCI Express Adapter (rev 01) 02:00.0 Ethernet controller: Marvell Technology Group Ltd. 88E8040 PCI-E Fast Ethernet Controller (rev 13)