Erfahrungen mit SSD (-Ausfall) gesucht

Ugglan - Freitag, 04. Juni 2010 12:44:43 - 7 Antworten

Hallo Community,

hat jemand von Euch Erfahrungen im Einsatz mit SSDs?

Ich habe einen Eee PC901GO (fast identisch mit dem 901, hat aber UMTS und nur eine SSD), der in letzter Zeit vermehrt Zicken mit der SSD-"Festplatte" macht.

Der 901Go wurde mit dem von Asus angepassten Xandros ausgeliefert. Neben diesem habe ich zusätzlich die Ubuntu Netbook Edition 9.10 installiert.

Auf der SSD ist damit eine ext2-Partition für das Original-Xandros, eine ext3-Partition für Ubuntu, eine kleine EFI-Partition und eine kleine proprietäre Partition, die für BIOS-Updates vorgesehen ist. Letztere habe ich im Originalzustand belassen.

Nun, Geschwindigkeitsrekorde hat die SSD von Anfang an nicht aufgestellt. Seit der Installation konnte ich aber eine schleichende Verlangsamung des Systems beobachten, was sich beim Booten Wartezeiten bei SSD-Zugriffen bemerkbar machte; insbesonder Firefox tat sich hier negativ hervor.

Bislang habe ich das auf eine schleichende Verfettung der Distribution durch zusätzliche Programme und Updates zurückgeführt. Seit kurzem geht es aber richtig rund:

Auftreten des "Out of disk"-errors [1] bei GRUB. Konnte mit dem beschriebenen Workaround behoben werden.

Dateisystemfehler beim Booten. Ubuntu wollte nicht starten, in die Rescue-Shell von Grub kam ich nicht, wegen Passwortschutz. (??? Das ist mir bis heute ein Rätsel, ich habe nie ein Passwort für Grub gesetzt. Die Benutzer- und root-Passwörter von Ubuntu werden nicht akzeptiert.)

Aber egal, es gibt ja noch das Xandros-System und Live-Distros. Von dort ließ sich fsck.ext3 aufrufen und das Dateisystem reparieren (fleißig alles mit [y] abgenickt), und Ubuntu startete wieder.

Etwas beunruhigt, habe ich smartctl über die Platte laufen lassen, was 8 defekte Blöcke in der Ubuntu-Partition zum Vorschein brachte (Lesefehler).

Zwei Tage später wieder Inkonsistenzen beim Dateisystemcheck, und fsck brachte eine lange Latte an Inkonsistenzen:

- jede Menge "Lesefehler"
- jede Menge "gelöschte/unbenutzte Inode"
- Block Bitmap differieren
- Freie Blocks Anzahl falsch
- Freie Inode Anzahl falsch

Das System läuft wieder/noch, aber so ist das ja kein Zustand...

Jetzt habe ich mich etwas schlau gelesen:

SSDs neigen offenbar dazu, beim Schreiben langsamer zu werden, da durch zunehmende Fragmentierung Daten immer stärker umgeschichtet werden müssen. Ist die Platte neu, kann der Controller ja erstmal in die noch unbenutzten Blöcke schreiben. Nun arbeitet der Controller aber nicht auf Dateisystem-Ebene, kann also gelöschte Daten nicht ohne weiteres von Nutzdaten unterscheiden.
Oder doch? Hier bin ich nicht weitergekommen, wann ein Sektor der SSD vom Controller als "frei" betrachtet wird. Nach meienm bisherigen Kenntnisstand könnte man die Platte beschleunigen, indem man sie einmal komplett mit Nullen (oder Einsen?) überschreibt und dann neu aufsetzt.
Hat jemand zu dem Thema Erfahrungen?

Dann die Wahl des Dateisystems: Verkürzen Journaling-Systeme wegen der erhöhten Schreibzugriffe jetzt die Lebensdauer bei SSDs, oder wird das durchs Wear Leveling ausgeglichen?

Wohlgemerkt, meine Platte war nie randvoll, 20-30% der ext3-Partition waren frei, so dass eigentlich genug Spielraum für den Controller blieb.

Schließlich die Fehler auf der SSD: Werden defekte Sektoren nicht durch das Fehlermanagement des Controllers ersetzt? Das würde heißen, dass die bei meiner Platte aufgebraucht sind.
Kann man das rausfinden?
Sind die Inkonsistenzen in meinem Dateisystem auf defekte Blöcke zurückzuführen (insbesondere die gelöschten/unbenutzten Inodes bringen mich ins Grübeln), oder liegt da vielleicht noch tiefer was im Argen?

Kann ich die defekten Blöcke deaktivieren, so dass sie vom Dateisystem ignoriert werden?

Bevor ich mir eine neue SSD kaufe, möchte ich in diesen Punkten erstmal etwas Klarheit haben. Wenn jemand von Euch Erfahrung mit SSDs, defekten Platten oder den erwähnten fsck-Fehlern hat, bin ich dankbar für Hinweise.

Viele Grüße

Ugglan

[1] https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/grub2/+bug/477430

Antworten
Backup
Marcel Hilzinger, Montag, 07. Juni 2010 12:04:56
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Bezieht sich zwar nicht konkret auf SSDs, aber generell gilt bei Festplattenfehlern: Backup erstellen und die Platte nicht mehr benutzen. Auch die SSDs bringen eine integrierte Fehlerkorrektur mit, zeigt also smartclt defekte Blöcke an, dann ist die Platteneigene Fehlerkorrektur bereits am Anschlag.

Zur eigentlichen Frage: Du kannst versuchen, die SSD mit Trim/Wiper und hdparm wieder auf Touren zu bringen. Infos dazu hier:
http://www.ocztechnologyfor...sion-thread-%20Linux-TRIM-tool

und hier (Abo-Artikel aus LinuxUser 03/2010):
http://www.linux-community....nuxUser/2010/03/Solides-System


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Re: Backup
Ugglan (unangemeldet), Montag, 07. Juni 2010 14:51:31
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Hallo Marcel,

> Backup erstellen und die Platte nicht mehr benutzen.

Betrachte erstes als erledigt :-)
Platte nicht mehr benutzen hieße zur Zeit, den Rechner nicht benutzen oder von SD-Karte booten.
Da meine Nutzerdaten eh auf einer SD oder externen Platte liegen, ist das Thema Datenverlust vernachlässigbar, auch wenn die Kiste von heute auf morgen komplett verreckt.

> zeigt also smartclt defekte Blöcke an, dann ist die Platteneigene Fehlerkorrektur bereits am Anschlag.

Diese Antwort hatte ich befürchtet :-(
Die nächste Frage ist: kann man die (jetzt nach außen sichtbaren) Blöcke isolieren und per Dateisystem sperren? Und kann man das Dateisystem so überwachen, dass weitere Defekte zeitnah erkannt werden?

Den Artikel zu Trim/Wiper muss ich erstmal durcharbeiten. Weißt Du, wie man Trim bei Linux <2.6.33 aktiviert?


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Re: Backup
Marcel Hilzinger, Dienstag, 08. Juni 2010 13:49:09
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Ich glaube nicht, dass so etwas wie "Badblocks ermitteln und isolieren" bei einer SSD irgendetwas bringt. Aber theoretisch ist das natürlich möglich, dem Dateisystem beizubringen, beim Formatieren die kaputten Blöcke auszulassen.

Ich hatte den Trim-Support für den Test bei zwei SSDs ausprobiert (mit hdparm), das Tool erkannte aber nur die teurere Intel-SSD. Einfach mal die Manpage von hdparm lesen.


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Re: Backup
DieterD (unangemeldet), Dienstag, 08. Juni 2010 21:53:59
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Hallo Ugglan,

gegenüber den Festplatten hat eine SSD immer noch den Nachteil, dass die Häufigkeit der Beschreibbarkeit von Sektoren begrenzt ist. Daher gibt es bei SSD Verfahren das Beschreiben möglichst gleichmäßig zu verteilen auf die Sektoren. Dies wird durchgeführt durch den Chipsatz in der SSD automatisch (ggf. auch abschaltbar) oder extern über Softwaretreiber (z.T. im Betriebssystem enthalten) oder obiges als Mischformen.

Beruflich sollte ich vor zwei Jahren herausfinden, warum der Preis von SSD so sehr unterschiedlich wäre. Von einem Chiphersteller wußte ich über die unterschiedlichen Funktionen. Die Hersteller der SSD waren in diesem Punkte vollkommen auskunftsunfähig.

Auf Grund der Fehlermeldungen und der erfolgreichen Reperaturen mit fsck, hast Du eine SSD mit "Msichform" der Verteilung der Schreibbelastung über die Sektoren. Einzelne Sektoren haben ihr Lebenzeitende erreicht. Die Geschwindigkeitseinbußen rührten mit großer Warscheinlichkeit daher, dass das Umblenden auf Ersatzsektoren den Zugriff verlangsamt.

Grüße
Dieter




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SSD
Ugglan (unangemeldet), Mittwoch, 09. Juni 2010 10:27:17
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Hallo Dieter,
ich bin bisher davon ausgegangen, dass SSDs grundsätzlich selber das "Wear Leveling" verwalten, also die von Dir beschriebene Verteilung der Schreibzugriffe. Dass es SSDs ohne/mit nur rudimentärem Wear Leveling gibt, ist mir neu, danke für die Info!

Ich denke nicht, dass Asus softwareseitig Wear Leveling aktiviert hat. Mein Eee 901Go ist werksseitig mit dem von Asus angepassten Xandros Linux ausgestattet, und die Partition mit Schreibzugriff ist mit ext3 formatiert. Bis auf noatime gibt es da keine mount-Parameter.

Was natürlich nicht heißt, dass die verbaute SSD ohne Wear Leveling im Treiber auskommt. :-/

Deine Erfahrung kann ich bestätigen: Es ist fast unmöglich, verlässliche Informationen zu SSD-Parametern zu bekommen, die über die Speicherkapazität hinausgehen :-(

Immerhin scheinen die Asus-SSDs allgemein recht zuverlässig zu sein, ich habe kaum Forenbeiträge zu defekten SSDs gefunden. Allerdings werden die wenigsten ihr Netbook so intensiv nutzen wie ich.

Gruß
Ugglan


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Re: SSD
SSD (unangemeldet), Mittwoch, 09. Juni 2010 20:07:43
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Hallo Ugglan,

anbei noch ein Link mit einigen Bemerkungen zu SSD:
http://www.eveger.de/forum/showthread.php?t=29934
Bei Dir müßte die Festplatte schön voll sein.

Für das Verteilen der Schreibbeanspruchuing kann nur der noch freie Bereich verwendet werden. Was noch im Papierkorb liegt oder im Gedächtnis des Filesystems steht dafür auch nicht mehr zu Verfügung.

Mir sind allerdings SSD bekannt bei Geräten von einem Projekt, die es geschafft hatten ettliche zu killen. Da war aber kein Linux auf den Geräten. In dem Fall gut gefüllte SSD und viel benutzt bei der Ausbildung.

Gruß
Dieter





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Re: SSD
jmk-elektronik (unangemeldet), Freitag, 06. August 2010 14:36:24
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Hallo Ugglan,

in Beantwortung Deiner Fragen kann ich nur sagen, dass ich die selben Probleme unter Windows 7 hatte. Bei mir ist die SSD Platte dann nach einem viertel Jahr ausgestiegen. Über suse 11.2 konnte ich dann wenigstens noch die Daten retten. Eine Kontrolle durch den Hersteller ergab, dass die Platte wirklich defekt war. Es gab dann eine neue Festplatte als Ersatz. Auf der ganzen Arbeit blieb ich natürlich sitzen. Unter Windows gibt es im Netz SSD Testprogramme.

Gruß jmk-elektronik


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