Geht es darum, die Ursache eines PC-Fehlers zu diagnostizieren oder ihn zu beheben, leistet die LinuxUser Rescue CD ganze Arbeit.
Gerade Linux-Anwender gelten bei Freunden und Bekannten als ausgewiesene Computer-Spezialisten – und werden entsprechend häufig bei Problemen am PC konsultiert. Wem das nicht fremd ist, tut gut daran, die richtigen Werkzeuge für den nächsten “Ernstfall” parat zu haben. Ganze Arbeit leistet hier die LinuxUser Rescue CD: Sie vereint drei wichtige Rettungs- und Konfigurationsdistributionen und bringt damit für beinahe jeden erdenklichen Schadens- oder Diagnosefall die richtigen Tools mit.
System Rescue CD
Ein alter Bekannter unter den Wartungs- und Rettungsdistributionen ist die System Rescue CD, kurz: SysRescCD [1]. Das auf Gentoo basierende System erreichte Anfang dieses Jahres erstmalig die Major-Version 2. Im Boot-Menü stehen vier verschiedene Kernel zur Auswahl. Als Standard kommt Version 2.6.35 mit Long Term Support in der 32- und 64-Bit-Version zum Einsatz. Der alternative Kernel liegt in Version 2.6.36.2 vor und bringt entsprechend aktuellere Treiber mit. Die grafische Oberfläche starten Sie nach dem Booten mit der Eingabe von wizard. Im Dialog wählen Sie im Normalfall den ersten Eintrag Xorg-run. Der Helfer erkennt dabei automatisch die Systemumgebung und startet X.org mit den passenden Einstellungen. Danach öffnet sich der schlanke Desktop XFCE.
Da das System jedoch in erster Linie für den Konsoleneinsatz konzipiert wurde, fällt der an die GUI gebundene Funktionsumfang entsprechend spärlich aus. Neben einem Dateimanager Emelfm2 und dem Hardware-Lister Lshw bietet die Distribution auf der Oberfläche nicht viel. Anders sieht es unter der Haube aus: Hier klotzt die SysRescCD mit einer umfassenden Unterstützung zahlreicher Dateisysteme, darunter auch NTFS schreibend und lesend. Zum Reparieren und Wiederherstellen von Boot-Einträgen und Partitionszuordnungen bietet die Distribution unter anderem Grub, Lilo, GParted und Gnu-Parted. Zum Erkennen von Malware kommen Clamav und Chkrootkit zum Einsatz. Die vollständige Paketliste finden Sie unter [2].
Neben der eigentlichen Distribution bringt SysRescCD noch eine Reihe an bootbaren Floppy-Images mit, die Sie über das Boot-Menü starten. Dazu zählen der grafische Bootloader GAG, der Ranish Partition Manager sowie Aida zur Hardware-Diagnose.
Grml-medium
Der nächste Vertreter des Trios heißt Grml-medium 2010.12 [3] und kommt aus Österreich. Die auf Debian basierende Rettungsdistribution mit dem Codenamen “Gebrüder Grml” setzt auf den Kernel 2.6.32, als grafische Oberfläche bietet sie wahlweise Fluxbox oder Wm-ng. Das Setup der Distribution erreichen Sie über die Desktop-Icons grml-config-user und grml-config-root. Zum Verwalten des Netzwerks klicken Sie auf configure network. Das Programmauswahlmenü erreichen Sie darin über einen Rechtsklick auf den Desktop. Reicht die Paketauswahl nicht aus, installieren Sie via apt-get zusätzliche Software nach. Der Distributor bietet dafür ein eigenes Repository an. Auch Grml setzt vorzugsweise auf Konsolenprogramme und bringt als Grundlage neben der Z-Shell unter anderem die Bash, Dash und Ksh mit. Zum schnellen Einrichten bietet das System diverse Skripte an: So etablieren Sie mit grml-vpn im Handumdrehen einen OpenVPN-Tunnel, grml-terminalserver startet den gleichnamigen Dienst.
Parted Magic
Mehr auf die grafische Oberfläche setzt die dritte Distribution im Bunde, Parted Magic 5.9 [4]. Auch sie verwendet Kernel 2.6.36.2, die grafische Oberfläche gestaltet Openbox 3.4.11. Wie der Name verrät, geht es bei dieser Distribution in der Hauptsache um das Partitionierungswerkzeug GParted, das Sie mit einem Klick auf das Desktop-Icon Partitionierungswerkzeug starten. Die Imaging-Tools Ghost4Linux und Clonezilla erlauben Ihnen das Erstellen von Festplattenabbildern.
Infos
[1] System Rescue CD: http://www.sysresccd.org
[2] SysRescCD-Paketliste: http://www.sysresccd.org/Detailed-packages-list
[3] Grml: http://grml.org
[4] Parted Magic: http://partedmagic.com





